Extremwetter in Deutschland Stürmische Zeiten für Versicherungen

Im Zuge des Klimawandels werden die Abstände von schadensreichen Jahren für Versicherungen dichter. Der Verband fordert deshalb nun die Einführung einer flächendeckenden Wohngebäudeversicherung.
Sturm Ylenia fegte ein Flachdach in Gelsenkirchen auf die Straße

Sturm Ylenia fegte ein Flachdach in Gelsenkirchen auf die Straße

Foto: --- / dpa

Gleich drei Stürme fegten in der vergangenen Woche über Deutschlands Dächer. Nach den Orkantiefs "Ylenia" und "Zeynep" richtete am Sonntagabend "Antonia" zahlreiche Schäden an, vor allem in Norddeutschland. Für Versicherungen sind solche Naturereignisse ein teures Spektakel. Allein Ylenia könnte deutsche Versicherer 500 Millionen Euro kosten. Zeynep richtete vermutlich einen noch viel größeren Schaden an.

Das aktuelle Problem für die Versicherer: Die Abstände zwischen schadensarmen und schadensreichen Jahren werden kürzer. 2021 war das teuerste Jahr für Versicherungen. Nach einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) richteten Naturgefahren 2021 voraussichtlich einen Schaden von 12,5 Milliarden Euro an. Vor allem die Überschwemmungen durch das Tiefdruckgebiet "Bernd" schlugen dabei zu Buche. Nun folgen in diesem Jahr erneut Milliardenkosten.

Für die Versicherer sind hohe Schadensummen erst einmal nicht ungewöhnlich. Die drei schwersten Stürme der vergangenen 20 Jahre waren 2007 "Kyrill" mit 3,6 Milliarden Euro Schadenhöhe, "Jeanet" 2018 mit 1,45 Milliarden Euro und ebenfalls 2018 "Friederike" mit 1,25 Milliarden Euro. Dennoch ist der GDV in Sorge angesichts der jüngsten Dichte der Ereignisse. "Im Zuge des Klimawandels müssen wir uns wahrscheinlich darauf einstellen, dass die Intensität der Wetterereignisse zunehmen wird", sagt Anja-Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV. Sie geht davon aus, dass den Versicherungen stürmische Zeiten bevorstehen.

Forderung: Versicherungsschutz für alle Wohngebäude

Der Verband hat deshalb im vergangenen Herbst ein Diskussionspapier vorgelegt, das nun auch der Justizministerkonferenz vorliegt. Das Papier sieht umfassenden Versicherungsschutz für alle Wohngebäude vor und will der Regierung verdeutlichen, welche Schritte notwendig sind, um sich an neue Klimabedingungen zu gewöhnen. Derzeit ist nur die Hälfte der Wohngebäude in Deutschland gegen Naturgefahren abgesichert.

Die Stiftung Warentest  hat gerade 178 Wohn­gebäude­versicherungen mit Elementarschaden­schutz getestet - dabei zeigen die Angebote große Unterschiede bei Preis und Leistung auf. Ältere Verträge haben oft gefähr­liche Lücken, wie die Tester schreiben. Ein Anbieter ist unter anderem die Allianz. Die Versicherung bereitet sich seit Jahren auf zunehmende Klimaschäden vor, nicht nur in Deutschland. Dazu gehören Überschwemmungen, Rückstau, Schneedruck, Lawinen und Erdrutsche.

Hausratversicherung bei Überschwemmungen

Aus Sicht der Allianz ist es noch zu früh, eine seriöse Schätzung über die mögliche Entwicklung der Elementarschäden in diesem Jahr abzugeben. Die Masse an Extremwettersituation sei entscheidend für die finale Kosteneinschätzung. "Einzelne Klimaereignisse führen nicht zu einer Beitragserhöhung. Hierfür müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden, wie zum Beispiel die Schaden- und Kostenaufwendungen der vergangenen Jahre", sagt Gaby Hundehege, Leiterin private Gebäudeversicherung bei der Allianz.

Aus Sicht der Allianz ist vor allem die Wohngebäudeversicherung wichtig. Auch die Hausratversicherung ist für viele Haushalte sinnvoll, weil im neuen Privatschutz auch die Überschwemmung von Terrassen und Balkonen versichert ist, sagt Hundehege. Extremwetterereignisse wie Hochwasser oder Starkregen lassen sich in der Regel jedoch nur mit einer zusätzlichen Elementarschaden­police absichern. Bei einer Überflutung seien die meisten Kunden dann auch für ihre Sachen im Keller versichert.

Kunden mehr über Hochwasser und Starkregen aufzuklären und ihnen Lösungen für eine Absicherung anzubieten, sei im Zuge des Klimawandels eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft. "Unsere Kampagnen zeigen zwar Erfolge, wir können aber mit den Ergebnissen nicht zufrieden sein", sagt Hundehege. Denn wenn es wieder zu Überflutungen kommt, sitzen Menschen ohne Versicherung trotz der Wassermengen oft auf dem Trockenen.

mje