Anstieg um 4,9 Prozent Wohnimmobilien verteuern sich langsamer

Die Aufträge für den Wohnungsbau sinken, Zinsen und Inflation belasten die Baubranche. Dadurch verlangsamt sich der Preisanstieg für Wohnimmobilien deutlich: Die Preise für Wohnimmobilien sind im Sommer so langsam gestiegen wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Langsamster Anstieg seit sieben Jahren: Die Preise für Wohnimmobilien sind im Sommer um 4,9 Prozent gestiegen

Langsamster Anstieg seit sieben Jahren: Die Preise für Wohnimmobilien sind im Sommer um 4,9 Prozent gestiegen

Foto: MiS / IMAGO

Die Preise für Wohnimmobilien sind im Sommer so langsam gestiegen wie seit sieben Jahren nicht mehr. Sie erhöhten sich von Juli bis September um durchschnittlich 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im zweiten Quartal hatte es noch einen fast doppelt so starken Anstieg von 9,7 Prozent gegeben.

Gemessen am Vorquartal waren Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt um 0,4 Prozent günstiger zu haben. Inflation und anziehende Zinsen beschleunigen die Talfahrt im Wohnungsbau und sorgten im Oktober für ein inflationsbereinigtes Auftragsminus von fast 26 Prozent. "Eine Trendumkehr ist mit Blick auf die Baugenehmigungen in den nächsten Monaten nicht in Sicht", sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa (55) vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB).

Verband fordert bessere Förderbedingungen

"Man sieht deutlich, dass Inflation und steigende Zinskosten nachhaltig die Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau bremsen", erläuterte Pakleppa. Die staatlichen Hilfen per Gas- und Strompreisbremse setzten wichtige Signale im Kampf gegen die Inflation.

Auch die für 2023 geplanten verbesserten Abschreibungsbedingungen können dem Mietwohnungsbau Impulse bringen. "Das allein wird aber nicht reichen, um dem drohenden Abwärtsszenario zu begegnen", sagte der Lobbyist. Nötig seien bessere Förderbedingungen für Neubau und Sanierung.

Im Oktober lag der Umsatz am Bau nominal zwar rund sechs Prozent über dem Vorjahresniveau, aber nach Abzug stark steigender Baupreise etwa zehn Prozent darunter. In den ersten zehn Monaten des Jahres stiegen die Erlöse binnen Jahresfrist nominal um gut zehn Prozent, sanken aber real um 5,3 Prozent.

Preise auf dem Land steigen

Die größten Anstiege bei Wohnimmobilien gab es im Sommer-Quartal in dünn besiedelten ländlichen Kreisen: Hier erhöhten sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 7,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum, für Eigentumswohnungen um 7,4 Prozent. In den sieben größten Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) kletterten die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt um 6,2 Prozent. Bei Eigentumswohnungen lag der Zuwachs bei 5,0 Prozent.

Am schwächsten fiel der Preisanstieg für Ein- und Zweifamilienhäuser in den städtischen Kreisen aus: Hier gab es ein Plus von 1,8 Prozent, bei Wohnungen von 4,5 Prozent.

Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge steigt aktuell das Risiko starker Preiskorrekturen. "Wir stehen in Deutschland zwar nicht vor dem Platzen einer riesigen Immobilienpreisblase", sagte DIW-Studienautor Konstantin Kholodilin kürzlich zu Reuters. "Aber Preiseinbrüche von bis zu zehn Prozent bei Eigentumswohnungen und Eigenheimen sind durchaus möglich."

Demnach sind die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen in den 97 untersuchten Städten in diesem Jahr durchschnittlich elf Prozent gestiegen, während die Mieten um vier Prozent zunahmen. Dass sich Kaufpreise und Mieten derart auseinanderentwickeln, hält das DIW für bedenklich. "Da Immobilienkäufe durch Mieteinnahmen – oder im Falle einer Eigennutzung durch eingesparte Mietzahlungen – refinanziert werden, sollten sich die Immobilienpreise langfristig im Einklang mit den Mieten entwickeln." Sei dies nicht der Fall, liege der Verdacht nahe, dass Immobilien als Spekulationsobjekte genutzt werden und Preisblasen drohten.

mje/ Reuters
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