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Bentley GTC Wohlbehütet

Das neue Cabriolet besticht durch Leistung und Fahrkomfort. mm-Tester Nauck lobt vor allem das gut verarbeitete Stoffverdeck.
aus manager magazin 9/2007

In einen Testwagen der Marke Bentley einzusteigen, das ist für Hasso Nauck ein bisschen wie nach Hause zu kommen. In seiner Garage steht ein Bentley-Rennwagen, Baujahr 1928. Der Bremer Schokoladenfabrikant (Hachez, Feodora) hat das grüne Ungetüm, das 4,5 Liter Hubraum für vier Zylinder bereithält, liebevoll renoviert. Er fährt damit Rallyes und Oldtimer-Rennen - und kennt daher die traditionellen Eigenschaften eines Bentley aus eigener Erfahrung: "größtmögliche Schnelligkeit und absolute Zuverlässigkeit".

An dem neuesten Bentley-Cabrio fällt Nauck sofort das kraftstrotzende Design auf: dicke Kotflügel hinten ("wie muskulöse Pobacken"), ein markanter Kühlergrill und ein kompakt geschwungenes Heck, das die Spoiler-Lippe elegant integriert. Nur das geschlossene Verdeck "wirkt zu klein, wie eine eingelaufene Schiebermütze auf einem großen Kopf", findet Hasso Nauck.

Leider macht das hanseatische Schmuddelwetter an diesem Tag eine Ausfahrt "oben ohne" unmöglich. Umso besser lässt sich testen, wie gut das dick gepolsterte Stoffdach Wind- und Straßengeräusche abhält. Von der Oldtimer-Garage im Stadtteil Oberneuland fährt Hasso Nauck auf die Autobahn 27 und rast übers Bremer Kreuz Richtung Hannover. Im Nu zeigt der Tacho Tempo

220. Der Testfahrer hat angeblich gar nicht gemerkt, wie schnell, sacht und souverän der W-12-Zylinder-Motor aus dem Volkswagen-Konzernregal beschleunigt hat.

Nun fällt ihm auf, dass trotz der hohen Geschwindigkeit, trotz der nassen Fahrbahn, trotz des peitschenden Regens kein Wind- oder Rollgeräusch ins Innere des Bentleys dringt. "Eine aerodynamische Meisterleistung", lobt Nauck. "Und ein Zeichen für hochwertige Materialien, für ausgezeichnete Verarbeitung."

Überhaupt, meint der Chocolatier, biete der Bentley GTC "einen exzellenten Gegenwert für sein Geld": Die Türen fallen satt ins Schloss, das Leder im Innenraum duftet. Die hellen Holzpaneele sind trotz ihrer kunstvollen Kurvaturen präzise eingepasst.

Nur die Breitling-Uhr im Armaturenbrett findet Hasso Nauck unzeitgemäß. Nach seiner Meinung braucht ein modernes Auto gut ablesbare Digital-uhren: "Eine im Gesichtsfeld des Fahrers, eine zweite für die Passagiere." Ein Schmuckstück, das an die antiken Formen von Weltkriegsfliegeruhren erinnert, sei "fehl am Platz", sagt Nauck.

Noch immer fährt er über Tempo 200 - trotz der nassen Fahrbahn. Der Bentley liege "permanent sicher und souverän" auf der Straße, beteuert der Schokoladenmogul, "wohl wegen seines hohen Gewichts" - der GTC wiegt leer 2,5 Tonnen - "und wegen des Allradantriebs".

Für den Rückweg über die niedersächsischen Landstraßen stellt Hasso Nauck die Fahrwerksdämpfung über das spezielle Programm im zentralen Bedienelement des Bentley auf hart. Prompt fährt sich der gewichtige Gran Turismo fast wie ein Sportwagen. Querfugen schlagen durch bis in die gut gepolsterten Sessel, Bodenwellen werden im Lenkrad spürbar.

Das ist nichts für Hasso Nauck. In seiner Bilanz bevorzugt er aus der ak-tuellen Bentley-Modellpalette daher die "Flying Spur"-Limousine (siehe mm 9/2006). Oder aber, wenn's um sportliches Fahren geht, seinen privaten Porsche 911 4S, den er auch als Dienstwagen nutzt. Michael O. R. Kröher

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