Fehmarnbeltquerung Welche Rolle der drittreichste Russe beim Bau des Ostseetunnels spielt

Der deutsch-dänische Fehmarnbelttunnel unter der Ostsee gilt als eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte des Jahrzehnts. Doch nun wurde bekannt, dass der drittreichste Russe, Stahl-Oligarch Wladimir Lisin, in den Bau involviert ist.
Oligarch Wladimir Lisin: mit einem Vermögen von 26,2 Milliarden US-Dollar 2021 drittreichster Russe

Oligarch Wladimir Lisin: mit einem Vermögen von 26,2 Milliarden US-Dollar 2021 drittreichster Russe

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Knapp 18 Kilometer lang soll der Fehmarnbelttunnel werden, der die deutsche Insel Fehmarn mit dem dänischen Lolland verbinden wird. Nach derzeitigem Stand wäre er bei seiner geplanten Fertigstellung 2029 der sowohl längste als auch tiefste kombinierte Eisenbahn- und Straßentunnel der Welt. Der Baubeginn des nicht nur bei Naturschützern umstrittenen Projekts verzögerte sich mehrfach, bevor am 1. Januar 2021 in Dänemark und Ende des Jahres auch auf deutscher Seite begonnen wurde. Nun sorgt das Projekt in Dänemark wieder für Schlagzeilen.

Denn die Vollendung des gigantischen Projekts ist momentan nicht denkbar ohne das Unternehmen NLMK Dansteel, das dem russischen Oligarchen Wladimir Lisin (65) gehört. Als Subunternehmer liefert er für die Baustelle des Fehmarnbelttunnels tonnenweise Stahl, unter anderem für einen Multifunktionslastkahn, berichtete das führende dänische Wirtschaftsmedium "Finans". Mit diesem speziellen Gerät können fertige Tunnelelemente in den zwölf Meter tiefen und bis zu 140 Meter breiten Graben in die Ostsee abgesenkt werden, auf dem die vier Tunnelröhren später ruhen sollen. In einem Facebook-Post  bezeichnete NLMK Dansteel den Anteil an dem Sieben-Milliarden-Euro-Projekt als "wesentlich".

Der auch als Wissenschaftler und Autor von Metallurgie-Fachbüchern bekannte Lisin war einst eng mit Russlands Präsident Wladimir Putin (69) verbunden. Heute zählt er zu den 100 reichsten Menschen der Welt und liegt in Russland beim Vermögen auf Rang drei . Nach dem Kriegsausbruch distanzierte sich der Vorstandschef des russischen Stahlproduzenten Novolipetsk Steel zwar von Putin und dem Angriff gegen die Ukraine, er wird aber trotzdem von vielen kritisch gesehen. Denn obwohl er nicht persönlich auf den Sanktionslisten der USA oder der EU steht, ist sein Einfluss in Russland enorm.

Wie viel Geld er letztendlich für die Lieferung der riesigen Stahlplatten erhält, ist nicht bekannt, da dies mit einer polnischen Werft über ein Subunternehmen abgerechnet wird. Da die Summe jedoch aus einem staatlichen Projekt gezahlt wird – die dänische Aktiengesellschaft A/S Femern als Bauherrin des Tunnels wurde extra zu diesem Zweck gegründet – fürchten nun viele Beteiligte Proteste. Es könne einen Shitstorm geben, weil man nicht mit Putin und Russland in Verbindung gebracht werden wolle, wird ein dänischer Experte für Handelspolitik von "Finans" zitiert. Dieser meint zudem, dass es sicherlich politische Unterstützung geben würde, sollte sich A/S Femern jetzt nach Alternativen umschauen.

Wichtiges Infrastrukturprojekt für Nordeuropa

"Wir verlangen von unseren Auftragnehmern, dass sie sich jederzeit an die geltenden Vorschriften halten", heißt es in einer Mitteilung des Kommunikationschefs von A/S Femern. "Das gilt für Sanktionen, die bereits verhängt wurden oder als Folge des russischen Einmarsches in die Ukraine noch kommen könnten."

Derzeit ist zwar offenbar keine Ausweitung der bestehenden Sanktionslisten russischer Oligarchen geplant. Sollte es jedoch dazu kommen oder der Druck durch die Öffentlichkeit zu groß werden, würde das dem für Nordeuropa wichtigen Verkehrsinfrastrukturprojekt einen herben Dämpfer verpassen und zu erheblichen weiteren Verzögerungen führen.

Wie schnell so etwas gehen kann, musste Wladimir Lisin erst kürzlich erleben. Obwohl er schon länger Präsident der "International Shooting Sport Federation" (ISSF) ist, wurde er zu den Ende März im norwegischen Hamar stattfindenden Europameisterschaften in dieser Disziplin wieder ausgeladen.

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