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Wirecard-Chef Markus Braun verteidigt sein Lebenswerk Der Besessene

Er war gerade mal 31 Jahre alt, als er bei einem zerrupften Zahlungsdienstleister einstieg. Knapp zwei Dekaden später ist er Dax-CEO, sehr reich – und nach dem Absturz der Wirecard-Aktie in Erklärungsnot. Porträt eines stillen Milliardärs.
aus manager magazin 10/2018
Märchenhafter Aufstieg: Vorstandschef Markus Braun sah frühzeitig die Verlagerung von Zahlungsströmen ins Internet voraus.

Märchenhafter Aufstieg: Vorstandschef Markus Braun sah frühzeitig die Verlagerung von Zahlungsströmen ins Internet voraus.

Foto: Florian Generotzky für manager magazin

Auch Techunternehmer tragen Anzug. Markus Braun jedenfalls wirft sich in Schale, wenn er Geschäftspartnern gegenübertritt: weißes Hemd, dunkelblauer Anzug, elegante Manschettenknöpfe. Nur falls keine externen Termine anstehen, kommt der Chef des Fintechkonzerns Wirecard auch mal in Jeans ins Büro.

"Für mich ist die Bekleidung eine Frage des Respekts", sagt Braun. "Erscheint mein Gegenüber mit Krawatte, dann binde ich mir auch eine um."

Am liebsten wäre es dem Vorstandsvorsitzenden allerdings, sich gar nicht herausputzen zu müssen. Er scheut jede Öffentlichkeit, hält ungern Reden und gibt selten Interviews. Soziale Medien meidet er – mit Ausnahme von Twitter. Um Großereignisse wie das Weltwirtschaftsforum in Davos macht der 49-Jährige von jeher einen großen Bogen, lediglich bei Branchenevents wie der Digitalkonferenz DLD vor ein paar Wochen taucht er auf; Wirecard sponsert die Tagung.

Im Mittelpunkt zu stehen ist ihm ein Graus. Raus geht er nur, "um die Firma zu repräsentieren".

Genau das wird Braun in nächster Zeit häufiger tun müssen. Denn seine Firma, die elektronische Überweisungen zwischen Käufern und Händlern abwickelt und bis vor Kurzem weitgehend unbekannt war, ist seit September 2018 nicht nur ein Dax-Konzern. Sie steht in diesen Tagen auch im Mittelpunkt einer Affäre, die an der Börse zu so dramatischen Kursschwankungen führte, wie sie in der höchsten deutschen Börsenliga gänzlich unüblich sind. 

In der vergangenen Woche hatte die "Financial Times" zweimal über Unregelmäßigkeiten in den Wirecard-Geschäften berichtet, über möglicherweise unkorrekte Buchungen und gefälschte Dokumente. Sie stützte sich dabei auf einen vorläufigen Report der auf Compliance spezialisierten Kanzlei Rajah & Tann in Singapur. Wirecard dementierte sofort scharf, doch der Aktienkurs brach innerhalb weniger Tage um mehr als ein Drittel ein. 

Inzwischen hat das Unternehmen die Compliance-Ermittlungen bestätigt. CEO Braun erkärte gegenüber dem "Handelsblatt": "Es gibt keinerlei Risiko. Wir mussten in der Buchhaltung keinerlei Korrekturen oder Anpassungen vornehmen." Der endgültige Bericht der Kanzlei steht allerdings noch aus, die Anwälte erklärten angesichts der Turbulenzen lediglich "noch keine abschließenden Feststellungen über kriminelles Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern des Unternehmens getroffen" zu haben.

Für Braun geht es um sein Lebenswerk. Der steile Aufstieg Wirecards ist im Wesentlichen sein Werk. Er sah als einer der Ersten die Verlagerung der Geldströme ins Internet voraus. Und er dirigiert das Unternehmen mit einer ungeheuren Machtfülle. Der Großaktionär leitet nicht nur das oberste Entscheidungsgremium im Range eines CEOs, er führt zugleich das Schlüsselressort Technologie und sorgt so für eine volle Innovationspipeline.

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