Warnung an Bundestag "Markus Braun kann Zeugen allein mit Blickkontakt einschüchtern"

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun muss persönlich in Berlin aussagen. Die Staatsanwaltschaft warnt: Der Manager habe mit psychischem Druck eine Bande geführt. Für einen Kronzeugen als "Verräter" könne Kontakt gefährlich werden.
Bloß kein Blickkontakt: Markus Braun, 2019 als Wirecard-Chef auf der Bilanzpressekonferenz

Bloß kein Blickkontakt: Markus Braun, 2019 als Wirecard-Chef auf der Bilanzpressekonferenz

Foto: Peter Kneffel / dpa

Der frühere Chef des Skandalunternehmens Wirecard muss in Berlin vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen. Das entschied der Bundesgerichtshof am Dienstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Markus Brauns (51) Zeugenaussage ist für Donnerstag geplant.

Vorab warnte die Staatsanwaltschaft München die Parlamentarier. DER SPIEGEL  zitierte am Dienstagabend aus einer E-Mail der leitenden Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl, nach dem Stand der Ermittlungen habe Braun "innerhalb der Bande als Kontroll- und Steuerungsinstanz" gewirkt.

Als Chef des inzwischen insolventen Ex-Dax-Konzerns habe der Österreicher ein "System nach dem Prinzip 'teile und herrsche' aufgebaut", das "geprägt war von militärisch-kameradschaftlichem Korpsgeist und Treueschwüren untereinander", schreibt Bäumler-Hösl demnach. "Psychischer Druck" habe zum System gehört. Brauns Anwalt weist alle Anschuldigungen zurück.

Die Chefermittlerin warnte den Bundestag laut SPIEGEL, Braun könne einen Kronzeugen, der umfassend aussagte, einschüchtern. Dieser werde von Braun und einem weiteren mit angeklagten Ex-Vorstand als "Verräter" betrachtet. "Vor diesem Hintergrund wäre jeder Kontakt, und sei es nur Blickkontakt, gefährlich für die Ermittlungen". Bäumler-Hösl verwies darauf, dass Ex-Vorstand Jan Marsalek (40) sich den Ermittlern immer noch durch Flucht entzieht.

Mindestens zwei Nächte in Berliner Gefängnissen

Markus Braun, der in Bayern wegen Betrugsverdachts in Untersuchungshaft sitzt, hatte sich gerichtlich gegen die Vorladung nach Berlin gewehrt. Er wollte lediglich per Video aussagen - und hatte das unter anderem mit der Corona-Pandemie begründet. Der Ausschuss hatte dagegen protestiert und auf eine Befragung in Berlin bestanden, da Braun als einer der Hauptverantwortlichen des Bilanzskandals um den ehemaligen Dax-Konzern gilt.

Er war im Sommer wie weitere Manager des inzwischen insolventen Zahlungsabwicklers in Untersuchungshaft genommen worden. Nach dem ehemaligen Vorstandsmitglied Jan Marsalek fahndet die Polizei weiterhin. Die Staatsanwaltschaft sieht in Braun einen Hauptverantwortlichen für "gewerbsmäßigen Bandenbetrug", bei dem Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll. Banken und Investoren sollen um bis zu 3,2 Milliarden Euro geprellt worden sein.

Für eine persönliche Aussage muss Braun nach Angaben seines Anwalts nicht nur von Augsburg nach Berlin und wieder zurückgebracht werden, sondern auch mindestens zwei Nächte in Berliner Gefängnissen verbringen.

ak/dpa-afx
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