Wirecard-Bilanzskandal Ex-Wirecard-Chef Markus Braun legt Haftbeschwerde ein

1,9 Milliarden Euro sind verschwunden, Banken und Investoren um 3 Milliarden Euro geprellt: Die Verteidiger von Markus Braun sehen dennoch keinen Grund, den Ex-Wirecard-Chef in Haft zu nehmen. Eine Flucht wie im Fall Jan Marsalek schließen sie aus.
Ex-Wirecard-Chef Markus Braun: In Haft wegen ein paar verschwundener Milliarden? Ein Grund, sich zu beschweren

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun: In Haft wegen ein paar verschwundener Milliarden? Ein Grund, sich zu beschweren

Foto: imago stock / imago images / Sven Simon

Der wegen des milliardenschweren Bilanzskandals inhaftierte Ex-Wirecard-Chef Markus Braun (51) hat einem Medienbericht zufolge Haftbeschwerde eingelegt. Der seit zwei Monaten festgesetzte Manager habe über seine Anwälte einen entsprechenden Antrag gestellt, berichtete das "Handelsblatt" am Dienstag vorab unter Berufung auf Justizkreise.

In dem 70-seitigen Schreiben erläutern die Anwälte demnach, warum ihr Mandant nicht hätte in Haft genommen werden dürfen und diese beendet werden müsse. Der Verteidiger Alfred Dierlamm war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Blatt berichtete zudem unter Berufung auf mit dem Verfahren vertraute Personen, dass verschiedene Beschuldigte die Aussagen des Ex-Wirecard-Managers Oliver Bellenhaus anzweifelten. Der ebenfalls inhaftierte Mann, der für die Wirecard-Tochter in Dubai zuständig war, habe sich der Staatsanwaltschaft gestellt und lasse sich vernehmen.

Der ehemals im deutschen Leitindex Dax notierte Zahlungsdienstleister Wirecard musste Ende Juni Insolvenz anmelden, nachdem sich 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz als nicht existent entpuppten. Nach Erkenntnissen der Münchner Staatsanwaltschaft haben die Manager von Wirecard die Bilanz mit Luftbuchungen in Asien über Jahre künstlich aufgebläht und damit Verluste im Kerngeschäft kaschiert. Allein Banken und Investoren seien um mehr als drei Milliarden Euro geprellt worden.

Der Insolvenzverwalter versucht nun durch den Verkauf von Tochterfirmen den Schaden zu verringern. Die österreichische Insolvenzverwalterin Ulla Reisch steht laut "Handelsblatt" vor der Veräußerung der Österreich-Tochter Wirecard Central Eastern. Demnach erwirbt die Frankfurter Private-Equity-Gesellschaft Aurin Investment Group die Firma für knapp vier Millionen Euro. Das Insolvenzgericht müsse dem noch zustimmen. 

la/dpa

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