Hinweise ignoriert Im Wirecard-Skandal steigt Druck auf Wirtschafsprüfer-Aufsicht

Politisch gerät im Bilanzskandal nun auch das Wirtschaftsministerium in Bedrängnis: Die dort angesiedelte Aufsichtstelle Apas bekam angeblich schon früh Hinweise auf Unregelmäßigkeiten – unternahm jedoch nichts.
Wirecard-Hauptsitz bei München

Wirecard-Hauptsitz bei München

Foto: Michael Dalder/ REUTERS

Im Wirecard-Skandal steigt der politische Druck. So werden neue Vorwürfe gegen die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas laut. Trotz Warnungen sei die Aufsicht, die dem Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (62, CDU) untersteht, zu lange untätig geblieben, berichtet die "Berliner Zeitung".  In einer nicht öffentlichen Sitzung des Bundestags-Finanzausschusses sei bekannt geworden, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY bereits am 13. Februar 2019 eine Warnung bezüglich erheblicher Unregelmäßigkeiten bei Wirecard an die Apas ausgegeben habe. Ermittlungen habe es allerdings nicht gegeben.

"Die Apas hat bestätigt, dass EY im Hinblick auf die Bilanz 2018 auf unerklärliche Vorfälle bei Wirecard in Singapur hingewiesen hat", sagte der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar (40) der Zeitung. "Die Apas ist aber nicht gegen EY vorgegangen, weil sie die Meldung für ein regionales Problem gehalten hat." Außerdem habe Wirecard damals selbst eine Untersuchung eingeleitet, daher habe die Apas keine Notwendigkeit mehr gesehen, der Sache nachzugehen. Toncar: "Das ist durchaus auffällig, denn solche Meldungen erfolgen eher selten und sind sicher keine Routine."

Die Apas prüft die Einhaltung berufsrechtlicher Pflichten von Abschlussprüfern bei Unternehmen von öffentlichem Interesse – dazu gehört auch die Wirecard AG. Der inzwischen aus dem Dax  geflogene Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. EY selbst steht ebenfalls in der Kritik, weil das Unternehmen die Jahresbilanzen bei Wirecard seit 2009 geprüft und testiert hatte.

cr/dpa-afx
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