Untersuchungsausschuss im Bundestag Wirecard-Schlüsselzeugen versprechen Aussage für Anfang 2021

Zwei Schlüsselzeugen im Wirecard-Skandal wollen vor dem Bundestag auspacken - aber noch nicht jetzt. Die Politiker im Untersuchungsausschuss richten ihre Hoffnung auf das nächste Jahr.
Sitzungstag ohne Aufklärung: Wie Ex-Wirecard-Chef Markus Braun verweigerten auch die anderen Zeugen im Untersuchungsausschuss am Donnerstag die Aussage

Sitzungstag ohne Aufklärung: Wie Ex-Wirecard-Chef Markus Braun verweigerten auch die anderen Zeugen im Untersuchungsausschuss am Donnerstag die Aussage

Foto: Fabrizio Bensch / dpa

Nach der knappen Aussage von Ex-Wirecard-Chef Markus Braun (51) vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss haben weitere Ex-Manager des Skandalunternehmens zunächst wenig zur Aufklärung beigetragen.

Zwei Schlüsselzeugen - der einstige Chef-Buchhalter Stephan von Erffa sowie der früher für die Dubai-Tochter zuständige Oliver Bellenhaus - hätten am späten Donnerstagabend von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, sagten mehrere Abgeordnete des Bundestages am Freitag. Sie wollen zunächst ihre Vernehmung durch die Münchner Staatsanwaltschaft abschließen. Auch Braun erklärte, er werde seiner Aussage gegenüber den Ermittlern nicht vorgreifen.

Beide wurden per Video zugeschaltet. Braun hingegen musste persönlich erscheinen und dafür auch aus der Untersuchungshaft in Augsburg in ein Berliner Gefängnis verlegt werden. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Abgeordneten gewarnt, Braun könne die anderen Zeugen einschüchtern. Insbesondere Bellenhaus gelte der auf psychischen Druck aufgebauten Wirecard-Bande als "Verräter".

"Bellenhaus und von Erffa haben - anders als Markus Braun - verbindlich angekündigt, Anfang des Jahres 2021 vor dem Ausschuss auszusagen", sagte Grünen-Politiker Danyal Bayaz (37). Linken-Politiker Fabio De Masi (40) forderte, sie müssten sich aus dem Schatten von Braun lösen. Ein Sitzungsteilnehmer sagte Reuters, der bei der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge geltende Bellenhaus habe sich vor dem Untersuchungsausschuss immerhin für das Wirecard-Desaster entschuldigt.

Der einstige Dax-Konzern ist im Juni nach der Aufdeckung eines 1,9 Milliarden Euro großen Lochs in der Bilanz in die Pleite gerutscht, Braun und andere Manager wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor. Wirecard soll sich jahrelang mit systematischen Luftbuchungen schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben. Es ist einer der größten Finanzskandale in Deutschland.

ak/reuters
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