Späte Einsicht Wirecard-Mitarbeiter wollen Betriebsrat gründen

Mitarbeiter des insolventen Wirecard-Konzerns fürchten um ihre Jobs. Nun wollen sie mit Hilfe von Verdi Betriebsräte gründen, um im Fall von Betriebsschließungen Sozialpläne verhandeln zu können.
Wirecard: So lange es scheinbar gut lief, war die Gründung von Betriebsräten kein Thema

Wirecard: So lange es scheinbar gut lief, war die Gründung von Betriebsräten kein Thema

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Peter Kneffel/ picture alliance/dpa

Aus Sorge um ihre Arbeitsplätze wollen Mitarbeiter des in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelten Wirecard-Konzerns Betriebsräte gründen. Die Gewerkschaft Verdi forderte die Geschäftsführungen dreier Wirecard-Tochterfirmen am Donnerstag auf, ihre Belegschaften zu entsprechenden Wahlversammlungen einzuladen. Dabei geht es um die Wirecard Bank und die zwei Softwarefirmen Wirecard Service Technologies und Wirecard Acceptance Technologies, die zusammen einige hundert Menschen beschäftigen.

Im Fall etwaiger Betriebsschließungen könnten die Betriebsräte in Verhandlungen mit den Unternehmensleitungen Sozialpläne aushandeln. Bei der Muttergesellschaft Wirecard AG ist bislang keine Betriebsratswahl geplant. "Wir hoffen ein bisschen auf den Nachahmungseffekt", sagte Tina Scholze, die für Wirecard zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin.

Der Versuch, den Mitarbeitern Mitspracherechte zu verschaffen, kommt spät: In den vergangenen Jahren, als Wirecard mit Hilfe gefälschter Bilanzen von einem Hoch zum nächsten eilte, war die Gründung von Betriebsräten bei Wirecard nur ein Randthema. So groß war das Vertrauen der Mitarbeiter in die Führung um Ex-Konzernchef Markus Braun (50), dass es bislang nicht zu Wahlversammlungen kam. Wie bei vielen anderen Softwarefirmen gab es bei Wirecard keine Arbeitnehmervertretungen - obwohl Mitsprache der Mitarbeiter für einen Dax-Konzern eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist.

Der insolvente Konzern mit seinen weltweit etwa 5800 Mitarbeitern hat eine komplizierte Struktur: Die Muttergesellschaft Wirecard AG betreibt selbst kein operatives Geschäft und hat dieses auf über 40 Tochtergesellschaften übertragen. Laut Jahresbilanz 2018 waren in der Aschheimer Konzernzentrale neben der Muttergesellschaft elf deutsche Tochterfirmen ansässig.

Seit Ende Juni führt der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé (57) die Regie. Der Anwalt hat bislang jedoch sein Insolvenzgutachten noch nicht fertig gestellt. Es wird eine entscheidende Rolle bei der Frage spielen, welche Wirecard-Firmen fortgeführt werden können und welche gegebenenfalls abgewickelt werden.

la/dpa-afx
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