Wirtschaftsprüfer im Untersuchungsausschuss KPMG sieht sich von Wirecard massiv behindert

KPMG-Sonderprüfer Alexander Geschonneck berichtete vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss kritisch über das Unternehmen. Seine Wirtschaftsprüfer-Kollegen von EY müssen sich mit einem unangenehmen Vorwurf auseinandersetzen.
Auftritt KPMG: Sitzungssaal des Untersuchungsausschusses vor der Aussage von Alexander Geschonneck

Auftritt KPMG: Sitzungssaal des Untersuchungsausschusses vor der Aussage von Alexander Geschonneck

Foto: Thomas Trutschel/photothek.de / imago images/photothek

Der nach Luftbuchungen kollabierte Zahlungsabwickler Wirecard hat die Sonderprüfung seiner Bilanz nach Darstellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG massiv behindert. Dokumente seien immer wieder nicht oder nur verspätet übergeben worden, Interviews regelmäßig verschoben worden, sagte der KPMG-Mitarbeiter Alexander Geschonneck am Donnerstag vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu dem milliardenschweren Finanzskandal . "Es kam zu erheblichen Verzögerungen." Im untersuchten Zeitraum von 2016 bis 2018 seien keine angemessenen Nachweise des in Aschheim bei München ansässigen Unternehmens für angeblich vorhandene Zahlungseingänge und Kontoguthaben im Asiengeschäft erbracht worden.

KPMG wurde im Herbst 2019 von Wirecard mit einem Sondergutachten beauftragt, weil damals bereits zahlreiche Vorwürfe in Medien zu Bilanzunregelmäßigkeiten erhoben wurden. KPMG legte seinen kritischen Bericht dann Ende April 2020 vor - "nach erheblichen Hürden und Hindernissen von Wirecard", so Geschonneck.

Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt. Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Großteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

Aufsichtsbehörde Apas belastet EY gegenüber Staatsanwaltschaft

Im Juni rutsche der einstige Dax-Konzern in die Pleite, als die Luftbuchungen endgültig öffentlich wurden. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Ex-Chef Markus Braun (51) und weiteren Wirecard-Managern gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor. Das Unternehmen soll sich jahrelang schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben.

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages hat laut SPD-Politiker Jens Zimmermann (39) zahlreiche Dokumente von KPMG erhalten. Der eigentliche Wirecard-Bilanzprüfer EY habe bis zum April 2020 an die Existenz von Wirecard-Treuhandkonten im Umfang von 1,9 Milliarden Euro geglaubt, die in der Bilanz fehlen. "Das suggerieren zumindest Unterlagen, die wir gesichtet haben", so Zimmermann. KPMG müsse den Ruf der Branche retten. FDP-Politiker Florian Toncar (41) ergänzte, KPMG sei entscheidend für die Aufklärung des Falls.

Mit Spannung erwartet, ob auch die EY-Partner, die vom Wirecard-Vorstand und Insolvenzverwalter Michael Jaffé (57) von ihrer Verschwiegenheitspflicht entbunden wurden, nun aussagen. Möglicherweise könnten sie auch weiterhin schweigen, um sich selbst zu schützen. "Handelsblatt"  und "Financial Times"  berichteten am Donnerstag von einem Brief der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas an die Staatsanwaltschaft München, demzufolge die EY-Prüfer gegen ihre Pflichten verstoßen haben könnten. Das wäre möglicherweise auch strafrechtlich relevant.

ak/reuters/dpa-afx
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