Leerverkaufs-Attacke sorgt für Kurssturz Wirecard-Erzfeind wettet nun gegen MDax-Konzern Grenke

Vor vier Jahren warf der britische Investor Fraser Perring dem inzwischen insolventen Wirecard-Konzern Bilanzmanipulation vor. Nun ist Perring wieder da - und wettet gegen MDax-Konzern Grenke.
Fraser Perring: Der Wirecard-Jäger wettet nun gegen den MDax-Konzern Grenke

Fraser Perring: Der Wirecard-Jäger wettet nun gegen den MDax-Konzern Grenke

Ein kritischer Bericht des selbsternannten Researchdienstes Viceroy Research hat am Dienstag Leerverkäufer auf den Plan gerufen und für einen Kursrutsch beim MDax-Konzern Grenke  gesorgt. Die Papiere des Leasingspezialisten sackten am Dienstag bei außerordentlich hohen Umsätzen zeitweise um 28 Prozent auf 40 Euro ab und markierten damit das tiefste Niveau seit fünf Jahren. Damit einher ging ein Verlust des Börsenwerts von mehr als 700 Millionen Euro.

Viceroy Research gehört dem britischen Investor und Wirecard-Erzfeind  Fraser Perring  (46)  – das ist der Shortseller, der seinerzeit auch im inzwischen berühmten "Zatarra"-Report gegen den Finanzdienstleister Wirecard Vorwürfe erhoben und Wirecard-Aktien leer verkauft hatte. Zeitweise ging die Finanzaufsicht gegen Fraser Perring vor – doch inzwischen ist Wirecard kollabiert und der britische Investor sieht sich in seinen Vorwürfen bestätigt. Nun knöpft er sich den MDax-Wert vor.

Viceroy Research hat einen mehr als 60 Seiten langen Report verfasst, aggressiv im Stil und vollgepackt mit Vorwürfen , die jenen ähneln, die er einst gegen Wirecard erhob. Unter anderem wirft Perring in dem Report Grenke Geldwäsche und Bilanzbetrug vor. Über Jahre soll die Familienfirma ihre Bilanz aufgebläht sowie zu hohe Gewinne und Kassenbestände ausgewiesen haben. Grenke habe Firmen für zu hohe Preise von eng verbundenen Unternehmen gekauft und kooperiere mit dubiosen Partnern, um Kunden abzuzocken. Die Leasing-Geschäfte seien nicht so werthaltig wie dargestellt, die konzerneigene Grenke-Bank ermögliche kriminellen Anlagebetrügern mindestens in einem Fall Geldwäsche. Perring schreibt von "eklatantem Buchhaltungsbetrug".  Grenke selbst weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern habe "gegen keine Bilanzierungsvorschriften verstoßen".

Für Viceroy Research, die sich selbst nur als "Gruppe von Individuen, die die Welt aus anderem Blickwinkel betrachten" bezeichnen, ist es nicht der erste Angriff auf ein deutschen Unternehmen. Vor der Attacke auf Wirecard hatten die Investoren vor zwei Jahren bereits ProSiebenSat.1 ins Visier genommen.

Der Leerverkäufer Perring verbirgt nicht, dass er selbst auch in Fall Grenke eigene Ziele verfolgt. Er hat Shortpositionen aufgebaut: Viceroy wettet mit geliehenen Aktien auf einen fallenden Grenke-Kurs, das stellt er gleich zu Beginn seines Reports klar. Das Papier spielt ihm nun in die Hände: Nachdem er den Bericht am Dienstagmorgen auf seiner Website veröffentlicht hatte, ging der Kurs der Grenke-Aktie auf Tauchstation.

Nach den Vorwürfen reagierte auch die Finanzaufsicht BaFin. Die Behörde erklärte am Dienstag, sie prüfe die erhobenen Vorwürfe gegenüber Grenke. Konkret analysiere sie mögliche Marktmanipulationen durch die Grenke AG, etwa durch unrichtige Informationen zu Bilanzierungssachverhalten. Aber auch gegen den Shortseller wird ermittelt. Die BaFin untersuche, ob es mögliche Manipulationen durch Dritte in Form einer Leerverkaufs-Attacke gegeben habe. Außerdem werde mutmaßlicher Insiderhandel vor dem Erscheinen des Reports geprüft.

la/dpa