Neue Wendung im Drama Wirecard-Partner auf den Philippinen für tot erklärt

Ein deutscher Geschäftsmann, der auf den Philippinen eine obskure Partnerfirma des Zahlungsabwicklers Wirecard betrieb, wurde für tot erklärt. Die Hintergründe sind noch unklar.
Blick auf das Finanzviertel von Manila: Wichtiger Kontaktmann von Jan Marsalek für tot erklärt

Blick auf das Finanzviertel von Manila: Wichtiger Kontaktmann von Jan Marsalek für tot erklärt

Foto: ROMEO RANOCO/ REUTERS

Eine der Schlüsselfiguren im Wirtschaftskrimi um den insolventen Dax-Konzern Wirecard ist auf den Philippinen für tot erklärt worden. Das berichten "Financial Times"  und "Handelsblatt" . Der deutsche Geschäftsmann Christopher B. (44) war einer der wichtigsten Kontaktleute des flüchtigen Ex-Vorstands Jan Marsalek (40), der im Juni eine Reise über die Philippinen vorgetäuscht hatte.

Zuvor wurden dort 1,9 Milliarden Euro auf einem Treuhänderkonto, die Wirecard in seiner Bilanz verbuchen wollte, für inexistent befunden - das entscheidende Detail, das zum Platzen des Jahresabschlusses und damit zum Kollaps des Zahlungsabwicklers führte. Gegen B. leiteten die philippinischen Behörden im Juni Ermittlungen ein.

In einer Todesanzeige in einer hessischen Lokalzeitung wird der 27. Juli als Sterbedatum angegeben. Zur Todesursache wollten die philippinischen Behörden keine Angaben machen. Justizminister Menardo Guevarra (66) sagte der "Financial Times", er werde prüfen, ob dazu Ermittlungen nötig seien. Gegenüber dem "Handelsblatt" bekannte der Vater von B., sein Sohn sei nicht krank gewesen, habe aber einen Schwächeanfall erlitten. Die Familie wisse auch nicht viel. Er glaube aber, "es war eine natürliche Sache".

Sonderstellung für "Hochrisikokunden"

Der deutsche Manager hatte 2007 auf den Philippinen die erste asiatische Niederlassung von Wirecard gegründet. Später arbeitete er offiziell nicht mehr für den Konzern, aber in umso wichtigerer Position für Wirecards Aufstieg zum Dax-Riesen. Gemeinsam mit seiner Frau führte er zwei Partnerfirmen, die als so genannte Third Party Acquirers für einen Großteil des von Wirecard verbuchten Geschäfts sorgten.

Eine davon namens PayEasy Solutions stellte im jüngsten testierten Jahresabschluss von 2018 rund 15 Prozent des Wirecard-Umsatzes und mehr als ein Fünftel des Betriebsgewinns. An derselben Adresse in Manila betrieb B. auch ein Reisebusunternehmen. Den merkwürdigen Strukturen war die "Financial Times" in einem Bericht von 2019  nachgegangen.

Angeblich hatte Wirecard PayEasy auch hohe Kredite gewährt. Wirecard hat angekündigt zu überprüfen, ob die Geschäfte dieser Partnerfirmen überhaupt zum Nutzen des Unternehmens betrieben wurden. Der Verantwortliche einer ähnlichen Struktur in Dubai hat sich den Münchener Ermittlern gestellt.

Anfang März hatte B. gemeinsam mit dem damaligen Asienvorstand Marsalek die Sonderprüfer von KPMG und die regulären Wirtschaftsprüfer von EY in Manila empfangen. Damals wurde die Stellung außerhalb des Konzerns so erklärt, dass PayEasy "Hochrisikokunden" aus Geschäften wie Online-Glücksspiel oder Pornografie betreue.

Die Ermittlungen im Wirecard-Skandal auf den Philippinen werden den Justizbehörden zufolge monatelang dauern. Die zuständige Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLC) der Regierung in Manila überprüfe im Zusammenhang mit dem Skandal mittlerweile 50 Menschen und Organisationen, sagte AMLC-Direktor Mel Racela am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir werden jeden Stein umdrehen." In Singapur wurde unterdessen Anklage gegen einen für Wirecard tätigen Treuhänder erhoben. Der Vorwurf lautet auf Dokumentenfälschung.

ak
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