Bilanzskandal Anklage gegen Ex-Wirecard-Chef Braun zugelassen

Mehr als zwei Jahre nach der Pleite von Wirecard müssen sich Markus Braun und zwei weitere Ex-Manager des Zahlungsabwicklers vor Gericht verantworten. Ihnen wird unter anderem bandenmäßiger Betrug vorgeworfen.
Angeklagt: Der ehemalige Wircard-Chef Markus Braun sitzt seit über zwei Jahren in Untersuchungshaft

Angeklagt: Der ehemalige Wircard-Chef Markus Braun sitzt seit über zwei Jahren in Untersuchungshaft

Foto: Filip Singer / epa-EFE / Shutterstock

Im Wirecard-Skandal hat das Landgericht München I die Anklage gegen den in Untersuchungshaft sitzenden früheren Wirecard-Chef Markus Braun (53) unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. Braun und zwei weitere ranghohe Ex-Manager des insolventen Zahlungsdienstleisters müssen sich damit wegen unrichtiger Darstellung, Marktmanipulation, Untreue und gewerbsmäßigen Bandenbetrugs vor Gericht verantworten, wie das Oberlandesgericht München am Mittwoch mitteilte. Es ist noch unklar, ob der Prozess noch in diesem Jahr beginnt.

Die Wirecard-Chefetage soll über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben, um das damals im Dax gelistete Unternehmen über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Es handelt sich um einen der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Geschichte. Neben Braun sind der frühere Wirecard-Buchhaltungschef Stephan von Erffa und der Statthalter von Wirecard in Dubai, Oliver Bellenhaus, angeklagt. Untergetaucht ist der ebenfalls schwer beschuldigte frühere Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, die Nummer zwei im Unternehmen.

Braun sitzt seit Juli 2020 in Untersuchungshaft. Wenn das Gericht der Argumentation der Staatsanwaltschaft folgt, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Er weist alle Vorwürfe zurück. Er sei weder Teil einer Bande gewesen, noch habe er von den Machenschaften gewusst oder profitiert.

Der bevorstehende Prozess dürfte komplex und langwierig werden. Für ihre Anklage hatte die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben 340 Firmen, 450 Personen und mehr als 1100 Bankverbindungen als relevant erkannt und überprüft. Die Ermittlungsakten füllen mehr als 700 Bände.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft erfanden die Beschuldigten äußerst ertragreiche Geschäfte, damit Wirecard als überaus erfolgreiches Unternehmen wahrgenommen werde. Ausgewiesene Erlöse hätten gar nicht existiert. Die Konzernabschlüsse der Jahre 2015 bis 2018 seien falsch gewesen und hätten die Verhältnisse des Konzerns unrichtig wiedergegeben. Auf seinem Höhepunkt vor etwa vier Jahren war das Unternehmen an der Börse mehr wert als die Deutsche Bank.

mg/slo/dpa-afx
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