Ermittlungen im Bilanzskandal Neuer Verdacht gegen Wirecard-Vorstände

Im Wirecard-Skandal dehnen die Staatsanwälte ihre Ermittlungen aus - und Wirtschaftsprüfer EY wappnet sich für umfangreiche Schadensersatzforderungen.
Susanne Steidl (l.) und Alexander von Knoop (2. v. r.) zusammen mit Ex-CEO Markus Braun (2. v. l.) und dem neu ernannten Chef James Freis (r.) Anfang Juli

Susanne Steidl (l.) und Alexander von Knoop (2. v. r.) zusammen mit Ex-CEO Markus Braun (2. v. l.) und dem neu ernannten Chef James Freis (r.) Anfang Juli

Foto: REUTERS TV/ REUTERS

Im Skandal um Bilanzfälschungen bei Wirecard hat die Staatsanwaltschaft München die Ermittlungen gegen die beiden verbliebenen Vorstände auch auf mutmaßliche Untreue erweitert. Das berichtet das "Handelsblatt". Bislang ging es um Bilanzfälschung, Marktmanipulation und Betrug. Finanzchef Alexander von Knoop (49) und Produktvorständin Susanne Steidl (50) gingen dem Bericht trotz der Verdächtigungen zufolge weiterhin ins Büro - anders als Ex-Vorstandschef Markus Braun sind sie nicht inhaftiert worden.

Steidl ist seit 2006 bei Wirecard beschäftigt. Ab 2017 verantwortete sie das US-Geschäft, 2018 wurde sie zum Vorstand bestellt. Von Knoop stieg 2005 bei Wirecard ein, zunächst als interner Revisor. 2014 rückte er in den Vorstand der Wirecard Bank auf, 2018 schließlich in den Vorstand der Wirecard AG. Umstritten ist, dass die beiden Vorstände noch nicht von ihren Ämtern abberufen wurden.

Der Wirecard-Skandal ist einer der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Mit Luftbuchungen wurden die Bilanzen um Milliarden Euro aufgepumpt. Einer der Drahtzieher soll der untergetauchte ehemalige Vorstand Jan Marsalek (40) sein. Dieser soll mit dreisten Inszenierungen die Wirtschaftsprüfer über Jahre getäuscht haben. Im Fokus steht dabei die Gesellschaft EY, die sich nun um ihren Ruf Sorgen macht. Die Wirtschaftsprüfer vermuten, dass Marsalek Schauspieler engagierte und Kulissen für Live-Übertragungen aufbaute. EY rechnet damit, auf Schadensersatz verklagt zu werden. Unter anderem hatte Softbank bereits eine entsprechende Klage angekündigt.

Derweil hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé (57) offenbar einen Käufer für die britische Tochter des insolventen Zahlungsabwicklers  gefunden. Wie Jaffe am Freitag bestätigte, soll die Wirecard Card Solutions (WCS) an den Konkurrenten Railsbank  gehen. Auch für die Tochter in Brasilien soll sich ein Käufer gefunden haben.

akn