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"Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung"

Warum die Gehälter der Vorstände weiter steigen werden
aus manager magazin 6/2008

Herr Maßmann, der Chef eines Dax-Konzerns verdient inzwischen 4,9 Millionen Euro, das sind 67 Prozent mehr als noch 2002. Geht es in diesem Tempo weiter?

Maßmann: Was die Gehaltsentwicklung von Topmanagern angeht, stehen wir in Deutschland erst am Anfang. Vor sechs Jahren hat etwa der CEO eines S&P-500-Konzerns in den USA im Schnitt 6,4 Millionen Dollar verdient, zuletzt waren es 15 Millionen. 2002 lag das Salär eines Konzernlenkers im Stoxx 50 bei rund 4 Millionen Euro, sechs Jahre später sind es knapp 7 Millionen. Gleichzeitig hat der Abstand zwischen CEOs und normalen Vorständen deutlich zugenommen. Wir werden dieses Niveau in den nächsten Jahren auch im Dax sehen.

Dabei ist die Gefahr, dass ausländische Konzerne deutsche Spitzenmanager abwerben, doch eher gering.

Maßmann: Ob es eine explizite Nachfrage nach deutschen CEOs gibt, ist für den Anstieg der Gehälter ziemlich irrelevant. Die Spitzenmanager der großen Dax-Konzerne agieren in einem globalen Umfeld. Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre sind heute international. Deutschland ist nur noch ein Markt unter vielen. Also werden auch Gehaltsforderungen auf dem gegenwärtig international üblichen Niveau gestellt und mit Zustimmung der Aufsichtsräte auch bezahlt.

Wo ist das Problem, wenn die Leistung stimmt?

Maßmann: Es würde dann zum Problem, wenn die Gehaltspakete nach ganz anderen Kriterien gepackt werden würden. Wenn es etwa nicht um Leistung, sondern um die Begrenzung von persönlichen Risiken der Vorstände ginge.

Alle Versuche, die Steigerungsraten abzubremsen, sind gescheitert - brauchen wir eine gesetzliche Begrenzung?

Maßmann: Nein. Bevor der Gesetzgeber zu dieser absurden Waffe greift, sollte er lieber erkennen, dass es keinen vernünftigen Maßstab für eine Begrenzung gibt, und die CEO-Vergütung Markt sowie Eigentümern überlassen. Auch die Möglichkeit der Aktionäre, über die Vorstandsvergütung abzustimmen, und der Rechtfertigungsdruck, dem sich der Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung ausgesetzt sieht, haben etwa in Großbritannien nicht zu einer Begrenzung der Vergütung geführt. u

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