Neues Frauennetzwerk "Wir müssen rausgehen und uns positionieren"

Unter den zahlreichen Frauennetzwerken sticht eines heraus: Ein neues Bündnis bringt weibliche Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zusammen.
Haben was zu sagen: VW-Vorständin Hiltrud Werner (l.) und Ministerin Franziska Giffey.

Haben was zu sagen: VW-Vorständin Hiltrud Werner (l.) und Ministerin Franziska Giffey.

Foto: Volkswagen; Bernd von Jutrczenka/AFP

Unter dem Dach des SPD-Wirtschaftsforums hat sich in Berlin das überparteiliche Frauennetzwerk "Women in Lead" gegründet, dem hochkarätige Politikerinnen und Managerinnen angehören. Initiatorinnen sind die Anwältin Ines Zenke (50), Partnerin der Wirtschaftskanzlei Becker, Büttner, Held und Vizepräsidentin des SPD-Wirtschaftsforums sowie die SPD-Bundesumweltministerin Svenja Schulze (52). Weitere Gründungsmitglieder: Franziska Giffey (42), Bundesfamilienministerin und Spitzenkandidatin der SPD in Berlin, die saarländische SPD-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (44) sowie Vorständinnen und Geschäftsführerinnen bedeutender Unternehmen. Wie zum Beispiel Hiltrud Werner (54), seit 2017 VW-Rechtsvorständin; die parteilose Topmanagerin ist die einzige Frau im Führungsgremium des Autoherstellers, der neuerdings verstärkt um weibliche Spitzenkräfte werben will . Ein Trend, der sich Dax-weit zeigt: Noch nie zuvor gab es so viele Frauen in den Vorständen der führenden Börsenunternehmen.

Gleichwohl sei es allein mit Quoten nicht getan, finden die Women-in-Lead-Gründer. "Quoten sind unabdingbar," sagt Schulze. "Aber es braucht auch starke Frauennetzwerke." Frauen müssten ihr Können bündeln, "damit Männer nicht mehr den Kuchen unter sich aufteilen". Für sie sei klar. "Wir müssen rausgehen und uns positionieren." Für Zenke führen Frauen und Männer "gleichermaßen gut": "Wir können es uns ebenso wenig leisten, auf gute Managerinnen zu verzichten wie auf gute Manager. Unternehmen profitieren von gemischten Teams."

Statt Garage: Die Initiatorinnen Svenja Schulze (l.) und Ines Zenke während eines ersten Netzwerktreffens.

Statt Garage: Die Initiatorinnen Svenja Schulze (l.) und Ines Zenke während eines ersten Netzwerktreffens.

Foto: Marco Urban / Wirtschaftsforum SPD

Das neue Netzwerk versteht sich nicht als Beziehungsknüpfverein oder Karriereförderclub. Auch sei die Runde kein SPD-Ableger, sondern parteiunabhängig. Vielmehr gehe es darum, über die großen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen der Zeit zu diskutieren, wie die nachhaltige und sozialverträgliche Transformation der Industrien in Deutschland. Austauschen wollen sich die Teilnehmerinnen zum Beispiel über: die Energie- und Mobilitätswende, Digitalisierung und Globalisierung sowie eine mögliche Re-Traditionalisierung in Zeiten von Corona. Natürlich soll auch über "frauenspezifische" Themen (wie die Benachteiligung und Förderung von Frauen) debattiert werden.

Der Anstoß für die Netzwerkgründung war die Erkenntnis, dass selbst Frauen in Toppositionen über mangelnde Sichtbarkeit klagen. Schulze und Zenke überlegten, wie man diesem Problem begegnen könnte. Schließlich legten die beiden ihre Kontakte zusammen und sprachen die ersten Women-in-Lead-Kandidatinnen an.

Auf einer Gründungssitzung wurden Spielregeln festgelegt. Man wolle sich "in einem geschützten Raum" treffen. So verpflichteten sich die Teilnehmerinnen unter anderem auf die so genannte Chatham-House-Regel: Was besprochen wird, darf jeder wissen; aber wer was gesagt hat, das soll nicht nach außen dringen.

Demnächst beginnen die Women in Lead mit der konkreten inhaltlichen Arbeit, entwickeln Themen und planen Gesprächsreihen. Zudem soll der Kreis beständig erweitert werden. Aber: Auf die Menge komme es nicht an, heißt es, entscheidend sei die Qualität der Runde – und dass die Netzwerkerinnen gut zueinander passten.

stu
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