Wegen Windkraft-Tochter Siemens Energy schreibt rote Zahlen

Hohe Kosten, Lieferengpässe, Projektverschiebungen, Qualitätsmängel und hausgemachte Probleme verhageln Siemens Energy die Bilanz. Ärger bereitet Konzern-Finanzchefin Maria Ferraro vor allem das Windkraftgeschäft.
Rückzug aus Russland, Lieferschwierigkeiten, Materialkosten: Siemens Energy-Finanzchefin Maria Ferraro (46) kämpft mit den roten Zahlen

Rückzug aus Russland, Lieferschwierigkeiten, Materialkosten: Siemens Energy-Finanzchefin Maria Ferraro (46) kämpft mit den roten Zahlen

Foto: Sepp Spiegl / imago images

Die spanische Windkraft-Tochter Siemens Gamesa und der Rückzug aus Russland haben den Energietechnik-Konzern Siemens Energy erneut tief in die roten Zahlen gerissen. Der Nettoverlust stieg im Geschäftsjahr 2021/22 auf 647 (Vorjahr: minus 560) Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte.

Der Verlust fiel damit aber geringer aus als Experten und Siemens Energy selbst vorausgesagt hatten. Die Dividende soll "aufgrund der wachsenden Verluste sowie der aktuellen und im nächsten Jahr zu erwartenden Herausforderungen" ausfallen. Für das Jahr davor hatte Siemens Energy noch zehn Cent je Aktie gezahlt.

Umsatz sinkt um 2,5 Prozent

Das operative Ergebnis (angepasstes Ebita vor Sondereffekten) von Siemens Energy fiel um 43 Prozent auf 379 Millionen Euro, die operative Umsatzrendite lag mit 1,3 Prozent unter den bereits zurückgeschraubten Erwartungen des Vorstands von zwei Prozent. Auch der Umsatz sank mit 2,5 Prozent auf 29,0 Milliarden Euro etwas stärker als Siemens Energy im Sommer geglaubt hatte.

Im neuen Geschäftsjahr soll Siemens Energy wieder auf Wachstumskurs gehen: Der Umsatz soll auf vergleichbarer Basis um drei bis sieben Prozent zulegen, die operative Umsatzrendite auf zwei bis vier Prozent steigen. Unter dem Strich erwartet Siemens Energy erneut einen Verlust, der aber deutlich geringer ausfallen soll als zuletzt.

Mehrfach hatte Siemens Energy seine Prognose für das vergangene Geschäftsjahr gesenkt. Hohe Kosten, Lieferkettenengpässe, Projektverschiebungen, Qualitätsmängel bei älteren Anlagen sowie hausgemachte Probleme mit der neuen Landturbine 5.X verhagelten Gamesa die Bilanz.

Windkraft im Fokus

Um die seit Jahren anhaltenden Probleme endlich in den Griff zu kriegen, will Siemens Energy nun die restlichen Anteile an der in Spanien börsennotierten Tochter übernehmen, an der sie bereits zwei Drittel hält. Nach der Freigabe der spanischen Börsenaufsicht hat die bis kurz vor Weihnachten laufende Angebotsfrist begonnen. Ziel ist es, Gamesa von der Börse zu nehmen. Die Integration von Gamesa stehe "nun im Fokus", erklärte Siemens Energy-Chef Christian Bruch (52).

"Natürlich werden Inflation, hohe Materialkosten und Lieferkettenschwierigkeiten im kommenden Jahr nicht einfach verschwinden", sagte Finanzchefin Maria Ferraro (46). "Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Hausaufgaben machen, indem wir weiterhin Kosten sparen und unsere operative Performance verbessern."

Diverse Gewinnwarnungen, hohe Verluste und zunehmender Kapitalbedarf haben das Unternehmen in einen Schadensfall der deutschen Industrie verwandelt.  Seit dem Börsengang im September 2020 ist die Marktkapitalisierung auf rund neun Milliarden Euro verdampft, ein Minus von 42 Prozent. Siemens Energy ist mit seinen rund 90.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen weniger wert als vergleichsweise unbekannte Dax-Nachbarn wie der Chemikalienhändler Brenntag oder der Laborausstatter Qiagen, die jeweils mit einem Bruchteil der Beschäftigten und des Eigenkapitals auskommen.

Die Papiere des Energietechnikkonzerns erklommen derweil mit einem Kursplus von mehr als vier Prozent auf ein Hoch seit Ende August das Siegertreppchen im Dax. Bei Kennern kam trotz der roten Zahlen insbesondere das Schlussquartal gut an. Analyst Simon Toennessen vom Investmenthaus Jefferies schrieb, Siemens Energy habe das Geschäftsjahr solide abgeschlossen.

mje/ Reuters/ dpa-afx
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