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Wie Technologie mehr menschliche Nähe schafft

Mensch versus Maschine: Diese Diskussion gibt es seit vielen Jahren, wenn es um Künstliche Intelligenz (KI) geht. Vor allem in der Gesundheitswirtschaft befürchten Kritiker/innen eine Entpersonalisierung durch KI. Doch das Gegenteil sollte der Fall sein.
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Foto: Peera - stock.adobe.com

Die Diagnose ist beunruhigend: Knapp die Hälfte der Ärzteschaft an deutschen Krankenhäusern fühlt sich überlastet. Jede/r zehnte Krankenhaus-Mediziner/in gibt sogar an, ständig über die eigenen Grenzen hinauszugehen, belegt eine Umfrage des Marburger Bundes (MB), der im September und Oktober 2019 bundesweit 6.500 Ärzt/innen befragt hat. "Das ist ein schockierender Befund", sagt Susanne Johna, Bundesvorsitzende des MB. Für sie ist klar: Die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern müssen sich grundlegend ändern.

Für die stetig wachsende Arbeitsbelastung des medizinischen Personals in Kliniken und Praxen gibt es viele Gründe: Personalmangel, eine steigende Zahl an Patient/innen, wirtschaftlicher Druck. In Zeiten der Corona-Pandemie wird das Problem nun noch deutlicher. Die Intensivstationen sind voll, der normale Klinikalltag läuft weiter. Viele klagen über Hunderte Überstunden und Doppelschichten. Am Ende leiden vor allem die Patient/innen darunter: Ärzt/innen und Pflegekräfte haben wenig Zeit, arbeiten so effizient wie möglich. Und je gestresster sie sich fühlen, desto weniger Zeit können sie sich für einzelne Patient/innen nehmen. Die Lösung könnte der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) sein. Das klingt zunächst paradox: Die KI-Technik könnte zu weniger menschlicher Interaktion führen, befürchten Kritiker/innen. Doch tatsächlich könnte sie in Krankenhäusern und Arztpraxen dafür sorgen, dass Ärzt/innen und Pflegekräfte in Zukunft mehr Zeit für die Menschen haben – indem KI standardisierte Prozesse, Diagnostik und Verwaltungsarbeit sinnvoll unterstützt.

Bessere Diagnosen dank KI

Noch ist KI im Gesundheitswesen nicht weit verbreitet, doch die Pläne sind groß: So kann KI zum Beispiel in der Diagnostik viele verschiedene Daten sinnvoll miteinander verknüpfen und vergleichen und so Ärzt/innen auf Auffälligkeiten hinweisen. Das unterstützt Mediziner/innen, beschleunigt und verbessert Diagnosen. Auch in der Notfallmedizin kann KI zum Einsatz kommen. Dort hilft die Technologie, für Behandlungen relevante Vorerkrankungen zu interpretieren und auszuwerten. Das liefert Ärzt/innen schnell fundierte Hinweise, wie weiter vorzugehen ist. Und auch bei Entscheidungen über die passende Medikation für Patient/innen soll KI in Zukunft häufiger eingesetzt werden. "Das medizinische Fachpersonal kann künftig Routinetätigkeiten an digitale, automatisierte Systeme delegieren", sagt Marc Schipmann, Healthcare-Spezialist bei der Unternehmensberatung Kienbaum. Das werde Ärzt/innen und Pfleger/innen maßgeblich entlasten.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat jüngst ein KI-Projekt gestartet, um die Sicherheit bei Arzneimitteltherapien zu erhöhen. Der sogenannte Pharmakovigilanz-Monitor arbeitet mit Abrechnungsdaten der TK und identifiziert vollautomatisch unerwünschte Nebenwirkungen, um das vorhandene Melderegister, an das Ärzt/innen und Betroffene noch aktiv unerwünschte Arzneimittelwirkungen melden, sinnvoll zu ergänzen. Dazu analysiert die KI riesige Datenmengen. Auf diesem Weg will die TK Patient/innen besser vor unerwünschten Arzneimittelwirkungen schützen – die nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen zählen.

Smarte Kliniken, smarte Zukunft

Die Klinik der Zukunft wird ein Smart Hospital sein, weiß Jochen Werner, Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Essen und einer der gefragtesten Experten für die Entwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Neben KI werden in Smart Hospitals auch digitale Patientenportale, Roboter und die elektronische Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen zum Einsatz kommen. All dies sei ein Grund zur Hoffnung, sagt Werner. Denn in Smart Hospitals werde der Fokus wieder stärker auf den Menschen liegen – auf Patient/innen, deren Angehörigen sowie Mitarbeiter/innen. "Es ist mehr Zeit für den Patienten vorhanden, wenn man die Mitarbeiter um administrative Tätigkeiten – die leider einen großen Teil der täglichen Arbeitszeit ausmachen – entlastet."

Allerdings: Deutschland liegt beim Thema Digitalisierung zurück, auch in der Gesundheitswirtschaft, warnt Werner. Deshalb seien nicht nur hohe Investitionen in Krankenhäuser notwendig. Gleichzeitig müssten Krankenhausmanager, Ärzteschaft sowie Pflegepersonal auch gemeinsam daran arbeiten, die Prozesse in Kliniken an den Einsatz von mehr digitaler Technik anzupassen. Nur so können sie die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Mitarbeiter/innen in Zukunft mehr Zeit für Patient/innen haben. Doch die Arbeit lohnt sich: "Es geht um den Menschen", sagt Werner. Und damit meint er Patient/innen und Krankenhausmitarbeiter/innen.

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