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Wie die Autobauer mit der Krise umgehen

Gewinnwarnungen, Produktionskürzungen, Notsparen: Die Schreckensjahre 2008 und 2009
aus manager magazin 11/2008

Volkswagen

Wer in der Autoindustrie im richtigen Moment ein paar neue Modelle anbietet, der kann sich einiges Ungemach ersparen. So geht es derzeit VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Erst brachte VW Anfang des Jahres den Geländewagen Tiguan, dann folgte der Semi-Sportler Scirocco, und dieser Tage wird die neue Version des Millionensellers Golf ausgeliefert. Die Konsequenz: VW blieben - anders als diversen Konkurrenten - drastische Absatzeinbrüche erspart. Winterkorn bekräftigte gerade erst die Prognosen für 2008.

Für die Zukunft plant er vorsichtiger. Das Absatzziel für 2009 hatte er intern auf 7,5 Millionen Autos erhöht. Jetzt hat er es wieder fast auf den Ursprungswert korrigiert: gut 7 Millionen, nach 6,2 Millionen 2007. Skeptiker bei VW warnen, auch die für 2009 angepeilte Umsatzrendite von 8 Prozent (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) sei illusorisch. Doch Winterkorn will das Ergebnisziel nicht senken, stattdessen an den Kosten arbeiten.

VW stoppt Sonderschichten, viele Verträge von Leiharbeitern werden nicht verlängert. Einige im Konzern fordern gar, Stellen fest angestellter Mitarbeiter zu streichen. Aber das lehnt Winterkorn ab.

DAIMLER

Das Jahr 2008 verläuft alles andere als optimal für Daimler-Chef Dieter Zetsche. 7,7 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern hatte er versprochen. Mit der Rendite hätte er die Konkurrenz, Porsches Finanzgenies einmal ausgenommen, im Staub zurückgelassen.

Dann kam die Bankenkrise. Das Leasinggeschäft in den USA litt, genauso die Nachfrage nach Mercedes-Pkw und Nutzfahrzeugen. Zetsche warnte, die Gewinnprognose sei nicht zu erfüllen. Derart konsequent sei der Käuferstreik, berichten Daimler-Leute, dass rund 170 000 Mercedes auf Parkplätzen in ganz Europa auf Abnehmer warteten - ungefähr doppelt so viele wie normal.

Also spart Zetsche: Mercedes wird 2008 mindestens 45 000 Autos weniger bauen als geplant. Derzeit wird diskutiert, ob daraus bis zum Jahresende 80 000 werden. Die hauseigene Getriebefertigung bekam nur deshalb einen neuen Großauftrag, weil die Mitarbeiter flexiblere Arbeitszeiten akzeptierten. Die Truck-Sparte gibt die Marke Sterling auf und schickt in Nordamerika rund 3500 Mitarbeiter nach Hause. Und die Finanzer überlegen, ob auf Halde produzierte Autos 2008 vielleicht zu nicht konsolidierten Tochtergesellschaften transferiert werden können.

BMW

Alles war gebucht: Hotelzimmer, Abendveranstaltung, bei vielen auch die Flüge. BMW-Chef Norbert Reithofer hatte den Kreis seiner oberen Führungskräfte, 300 Manager aus aller Welt, Ende Oktober für zwei Tage nach München geladen. Er wollte in der Runde die Zukunft des Konzerns diskutieren. Doch zwei Wochen vor dem Termin sagte Reithofer das Treffen ab. Wenige Tage später veröffentlicht BMW das Ergebnis für das dritte Quartal. Vor seinen Topleuten hätte Reithofer noch schweigen müssen - in der jetzigen Zeit schlechte Voraussetzungen für ein Führungstreffen.

Auch BMW trifft die Bankenkrise. Der September brachte 14,6 Prozent Absatzminus; Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Der Vorstand erließ neue Sparvorschriften, der Konzern baut 25 000 Autos weniger als geplant. Die BMW-Bank prüft, ob sie die Finanzkrisenhilfe der Bundesregierung in Anspruch nimmt.

Konzernchef Reithofer hat angekündigt, die Umsatzrendite vor Steuern werde 2008 von 6,9 auf etwa 4 Prozent sinken. Hätte er nicht schon vor einem guten Jahr die Kosten gedrosselt, die Lage wäre noch schlechter. Vor allem die Zulieferer spüren den Sparkurs. Jüngst erst verlangten BMW-Einkäufer von einigen Lieferanten, ihre Preise noch in diesem Jahr um mehr als 10 Prozent zu reduzieren.

Toyota

Das amerikanische Fachblatt "Automotive News" widmete Toyota kürzlich einen kleinen Cartoon. Er zeigte zwei Arbeiter vor einer Tafel mit ihrem Tagesprogramm: "9 Uhr Sudoku", stand da, "10 Uhr Karaoke" und "14 Uhr Urlaubsfotos zeigen". Der Hintergrund: Toyota hat in den USA einige Werke vorübergehend stillgelegt. Die Pick-ups und Geländewagen des japanischen Branchenprimus sind nicht mehr gefragt.

Im September sank der US-Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent, im Gesamtjahr verkaufte Toyota 10 Prozent weniger als 2007. Trotzdem verzichten die Japaner auf Entlassungen und Zwangsurlaub. Die Arbeiter werden im Werk geschult.

Besser langfristig zu denken, als ein paar Tage Lohn zu sparen, das ist Teil der Toyota-Philosophie. Teuer wird der Absatzeinbruch in den USA, Europa und Japan ohnehin. Der Gewinn werde um 30 Prozent sinken, hat der Konzern angekündigt. Daraus könnten aber auch 40 Prozent werden, heißt es in Japan. Geld indes scheint Toyota noch genug zu haben: Wo die Konkurrenz ihre Kreditangebote zusammenstreicht, gehen die Japaner in die Vollen. Sie werben massiv mit Null-Prozent-Finanzierung.

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