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Werte schaffen ohne Waffen

Boston-Consulting-Stratege von Oetinger über Clausewitz und Management
Von Heinz Metzen
aus manager magazin 9/2001

mm Ist Wirtschaft die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln?

Oetinger Nein. Das Ziel wirtschaftlichen Handelns ist es, Werte zu schaffen. Der Krieg zerstört Werte. Diese Abgrenzung machen wir in unserem Buch deutlich.

mm Wenn Krieg und Wirtschaft so unterschiedlich sind, warum sollen sich Manager dann für die Ideen eines Generals aus dem 19. Jahrhundert interessieren?

Oetinger Clausewitz' Werk ist im wesent-lichen eine Entscheidungsphilosophie. Er beschreibt, wie militärische Führer in Situationen von hoher Unsicherheit und hohem Risiko langfristige Entschlüsse fassen: Indem sie Strategie nicht als endgültige Handlungsanweisung begreifen, sondern ihr Handeln fortwährend an veränderte Umweltbedingungen und an das Verhalten der Gegner anpassen und keine Handlungsoption ausschließen.

mm Welche Manager hätten gut daran getan, sich an Clausewitz zu orientieren?

Oetinger Hinter vielen Firmenübernahmen steht die Sehnsucht nach dem großen strategischen Schritt, der die Marktposition des Unternehmens endgültig sichert. Clausewitz lehrt, dass die Hoffnung auf einen endgültigen Sieg meist trügt. Nach dem vermeintlichen Endspiel beginnt fast immer ein neues Spiel, in dem sich das im Merger verbrauchte Geld womöglich produktiver einsetzen ließe.

von Oetinger, Bolko; von Ghyczy, T.; Bassford, C.: "Clausewitz: Strategiedenken"; Hanser, München 2001, 320 Seiten, circa 50 Mark; erscheint Ende September.

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