Binance investiert 200 Millionen Dollar Weltgrößte Krypto-Börse steigt bei US-Magazin "Forbes" ein

Die weltgrößte Krypto-Börse Binance wird zweitgrößter Teilhaber am US-Wirtschaftsmagazin "Forbes". Bedenken wegen möglicher Interessenkonflikte drängen sich auf. Binance-Gründer Changpeng Zhao weist sie zurück.
Früher Papier, heute digital: Forbes holt sich auf dem Weg in die Zukunft Unterstützung von Binance

Früher Papier, heute digital: Forbes holt sich auf dem Weg in die Zukunft Unterstützung von Binance

Foto: HOANG DINH NAM / AFP

Binance, die gemessen am Handelsvolumen größte Kryptowährungsbörse der Welt, und das US-Medienhaus Forbes wollen eine bemerkenswerte Verbindung eingehen: Wie "Forbes" auf seiner Website bekannt gibt , wird Binance 200 Millionen Dollar in eine Firmenhülle investieren, mit der Forbes in Kürze fusionieren und an die Börse gehen will.

Der Zusammenschluss von Forbes und der Special Purpose Acquisition Company (Spac) namens Magnum Opus Acquisition ist demnach noch im ersten Quartal 2022 geplant. Nach Abschluss des Deals wird Forbes unter dem Kürzel "FRBS" an der New York Stock Exchange gelistet sein. Binance wird dann nach Angaben des US-Senders CNBC zweitgrößter Anteilseigner an dem US-Medienhaus , das hierzulande vor allem für seine Rankings von Milliardären und Millionären bekannt ist. Einen Mehrheitsanteil hatte das vor mehr als 100 Jahren gegründete US-Traditionsunternehmen Forbes bereits im Jahr 2014 an die Investorengruppe Integrated Whale Media Investments ("IWM”) mit Sitz in Hongkong verkauft .

Nach Angaben von Forbes und Binance handelt es sich bei der aktuellen Transaktion um eine strategische Verbindung, von der beide Partner profitieren können. Binance solle Forbes helfen, seinen Marken- und Unternehmenswert im Zuge der laufenden Digitalisierung zu maximieren, schreibt das US-Magazin. Zudem erwartet Forbes technologische Unterstützung bei dem Vorhaben, mehr Leser auf der digitalen Plattform des Unternehmens zu langfristig zahlenden Kunden zu machen.

Forbes habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Komplexität der Blockchain-Technologie zu entschlüsseln und hilfreiche Informationen über diesen Bereich sowie alle neuen digitalen Vermögenswerte zu liefern, zitiert das Magazin seinen CEO Mike Federle. Mit Binance sei nun die "weltweit führende Krypto-Börse" sowie der "erfolgreichste Blockchain-Innovator" an Bord, mit all seiner Erfahrung, seinem Netzwerk und seinen Ressourcen.

Binance auf der anderen Seite erhofft sich ebenfalls Vorteile. Mit der Entwicklung des Web 3.0 sowie der Blockchain-Technologie seien Medien ein entscheidendes Element, um das Verständnis der Konsumenten zu verbessern, so Changpeng Zhao, auch "CZ" genannter Gründer und CEO der Plattform. "Wir freuen uns darauf, die digitale Initiative von Forbes zu stärken, mit der sie zur Investment-Informationsplattform der nächsten Generation werden wollen."

Mit "Web 3.0" meint Changpeng eine dezentrale Weiterentwicklung des aktuellen Internets, in der die Blockchain-Technologie sowie Kryptowährungen eine bedeutende Rolle spielen sollen. Der Chef der erst vor fünf Jahren gestarteten Kryptobörse Binance misst redaktionellen Inhalten in dieser Zukunftswelt offenbar große Bedeutung bei. Der Forbes-Deal sei der erste Schritt auf einen Marktplatz zur Einführung von Tools für das Web 3.0 mit großem Potenzial, zitiert der US-Sender CNBC  eine Quelle, die mit der Binance-Strategie vertraut sei. Die Krypto-Branche habe ein gewaltiges Wachstum hingelegt, jetzt gelte es, die richtigen Infrastruktur-Investments vorzunehmen.

83 Milliarden Dollar schwer: Binance-Gründer Changpeng Zhao steigt bei Forbes ein

83 Milliarden Dollar schwer: Binance-Gründer Changpeng Zhao steigt bei Forbes ein

Foto: DARRIN ZAMMIT LUPI / REUTERS

Tatsächlich passt der Deal von Binance und Forbes ins Gesamtbild der jüngsten Entwicklungen. Die Kryptobranche hat einen rasanten Aufstieg hinter sich, in dem zahlreiche Unternehmen groß und viele Unternehmer reich geworden sind. Binance-Gründer Changpeng etwa wird von Bloomberg gegenwärtig auf ein Privatvermögen von rund 83 Milliarden Dollar taxiert . Zugleich breiten viele Kryptofirmen ihren Einfluss über die Branchengrenzen hinweg aus. Im Sport-Sponsoring etwa sorgte kürzlich der Megadeal der Börse Crypto.com mit der Arena in Los Angeles für Aufsehen. Im politischen Lobbyismus versucht die Branche, drohende Regulierungen ihrer Geschäfte zu beeinflussen.

Verbindungen wie jene von Binance und Forbes können allerdings auch Schattenseiten haben. Krypto-Firmen können auf diese Weise zwar ihre Einflusssphäre vergrößern, sagt Henri Arslanian, Partner der Unternehmensberatung PwC und regelmäßiger Berater von Unternehmen aus der Branche. Selbst wenn beide Seiten ihre Unabhängigkeit betonten, werfe ein solcher Deal jedoch Fragen auf, so Arslanian laut BBC .

Gemeint sind mögliche Interessenkonflikte, wie Arslanian auf Twitter verdeutlichte. Wenn Binance einen Teil von Forbes kaufe, sei das, als kaufe die Hotelkette Marriott einen Teil des Reiseberaters Trip Advisor, schrieb er dort. Selbst wenn der Konflikt nicht wirklich bestehe, bleibe stets der negative Eindruck, sagte er zudem dem Sender BBC.

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Binance-Gründer Changpeng ist sich solcher Bedenken offenbar bewusst. Auch er äußerte sich auf Twitter – und betonte, die journalistische Unabhängigkeit von Forbes werde stets "sakrosankt" sein.

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Forbes hat diesbezüglich zweifellos einen Ruf zu verteidigen. Das Magazin steht vor allem für seine Berichterstattung über die Reichen und Berühmten aus Wirtschaft, Sport und Show-Business, die es zudem regelmäßig in den berühmten "Forbes"-Listen aneinanderreiht. Seit Jahren arbeitet das Unternehmen an einem erfolgreichen Übergang ins digitale Zeitalter, bei dem nun auch Binance helfen soll. Immerhin 150 Millionen Menschen erreicht das Medienhaus eigenen Angaben zufolge weltweit, über 46 lokale Lizenzausgaben in 77 Ländern.

cr