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Wein, Weib und Gesang

Nach Dienstschluss: Was Manager außerhalb ihres Büros so treiben - oder auch nicht.
aus manager magazin 9/2001

Lieder

Warum singen deutsche Manager nicht? Diese Frage stellte sich Carl Zimmerer, Ex-Chef der Interfinanz, in Heft 1/1981:

"Wir sind so viel unter Männern zusammen, weshalb stimmen wir nicht am Anfang oder am Ende wieder ein Lied an - so wie es die Altvordern auch gehalten haben? Böse Menschen, heißt es, haben keine Lieder. Sind wir böse geworden? Dabei ist das deutsche Lied so schön. Es gehört zum besten, was wir je geschaffen haben. Kaum ein Land der Welt hat so schöne Studentenlieder, und wer sehnt sich nicht nach seiner Jugend zurück, wenn er ,Alt Heidelberg, du Feine'' hörte?"

Liebe

Haben Manager Gefühle? Oder denken Sie nur an Macht und Mammon?

Hans Brunnengräber, einst stellvertretender Vorstandschef der Magirus-Deutz AG, hat eine Seele. Er kehrte sie sogar nach außen. In einem herzzerreißenden Stück trauert er in Heft 4/1978 um seinen Dackel Josef (15). Wir drucken Auszüge des Nachrufs:

"Wir haben uns gestritten, beleidigt, die Zähne gezeigt; wir haben uns verstanden, akzeptiert und geliebt, wir haben aufeinander aufgepasst und hielten gegenüber Dritten, die uns nicht gebührend respektierten, wie Pech und Schwefel zusammen. Der Tod eines kleinen Hundes hat etwas bewirkt. Er war in meinem Leben der Garant für viele kleine Freuden. Denn nicht die großen Ereignisse unseres Lebens machen es aus, ob wir glücklich sind und froh. Die Heiterkeit der Seele bedarf der kleinen täglichen Dosis von Zuneigung und Vertrauen."

Liederlich

Was macht ein Manager abends auf Dienstreisen? Meist dinieren. Aber danach? Darüber schreibt man nicht. Ausnahme: Heft 10/1974. "So mancher Geschäftsbesuch in Hamburg endet auf St. Pauli", heißt es da gleich im ersten Satz. Und dann wird es richtig nutzwertig: mm in persona eines - natürlich - freien Autors sagt, "welche Etablissements zu empfehlen sind". Unter anderen: "Club Amphore" und "Salambo".

Weil St. Pauli freilich ein heißes Pflaster ist, gab mm gleich auch ein paar Ratschläge fürs nächtliche Überleben rund um die Reeperbahn:

"Nehmen Sie nur so viel Geld mit, wie Sie auszugeben bereit sind.

Bestellen Sie nur anhand der Getränkekarte. Bezeichnen Sie das gewünschte Getränk genau.

Bestellen Sie immer selbst. Animiermädchen ordern grundsätzlich die teuersten Getränke.

Gehen Sie nicht allein, vor allem nicht angeheitert, auf Entdeckungstour."

Viel Spass. Wenn nicht, empfiehlt mm: Anruf bei der Davidwache. Die gibt es heute noch.

Schlagen

Gerade mal ein Prozent der Manager spielte 1972 Golf, 50 Prozent dagegen wanderten. Heute ist dies umgekehrt. Inzwischen weiß jeder Manager, dass ein Handicap nichts Schlimmes ist. Auf dem Golfplatz knüpft man Kontakte und macht Geschäfte. mm trug zur Popularisierung des Golfsports bei - durch viele Geschichten rund um den Golfball, die H.-D.-Becker-Kolumnen und durch eigene Turniere. Selbst der medienscheue Metro-Inhaber Otto Beisheim kam einmal nach Kronberg (Photo). mm-Redakteur Wolfgang Hirn hoffte auf das erste Interview und wartete geduldig am 18. Loch. Doch es kam kein Beisheim, sondern die Hiobs-Botschaft: Beisheim ist am 17. Loch in seinen Hubschrauber gestiegen.

Treten

Kein mm-Redakteur schwingt den Golfschläger. Ein paar spielen Tennis, die meisten jedoch Fußball. Verlagsleiter (harter Knochen!), Chefredakteur (kluger Kopf!), Fußvolk (schnelle Beine!) - fast alle treten gegen den Ball.

Manche schaffen es freilich nur zum Tischfußball. "Drehen wir einen?" heißt es oft nach dem Mittagessen oder vor Dienstschluss. Dann verschwinden vier Redakteure in der kleinen Cafeteria, aus der sie später schweißgebadet wieder auftauchen.

Die "richtigen" Fußballer spielen mittwochs auf einem holprigen Hamburger Acker einen mehr oder weniger gepflegten Fußball. Einmal im Jahr traut sich das mm-Team in wunderschönen weiß-blauen XL-Trikots vor das Publikum und nimmt am Gruner + Jahr-Turnier teil.*

*Die Platzierungen sind der Redaktion leider bekannt.

Schlucken

Der Cognac, der richtige, war in den 70er Jahren noch nicht entdeckt. Man(ager) trank damals

guten deutschen

Weinbrand: Asbach, Dujardin, Jacobi 1880, Scharlachberg.

Alkohol auf Vorstandsetagen und in Angestelltenbüros war ein Dauerthema in mm. Und immer wieder gab es Tipps für den richtigen Umgang mit dem Hochprozentigen. Zum Beispiel in Heft 2/1975:

"Gästebewirtungen in der Firma sollte die Sekretärin übernehmen. Wenn kein Alkohol im eigenen Arbeitszimmer aufbewahrt wird, kommt erst gar nicht die Versuchung auf, zur Flasche zu greifen.

Die beste Zeit für einen oder zwei Drinks - möglichst keine Cocktails - liegt zwischen Dienstschluss und Abendessen.

Ein Weinbrand vor dem Einschlafen ist gesünder als die Einnahme von Tranquilizern." Darauf einen Dujardin!

*Die Platzierungen sind der Redaktion leider bekannt.

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