Streit mit Versicherern "Weil das Haus überflutet wurde, liegt nicht zwingend ein Versicherungsfall vor"

Opfer der Flutkatastrophe dürfen von ihrem Versicherer keine Geschenke erwarten. Der Ombudsmann für Versicherungen sagt, wo Fallen lauern und warum er eine Pflichtpolice für Elementarschäden ablehnt.
Das Interview führte Lutz Reiche
Bis knapp unter die Decke: Wo kam das Wasser genau her, wie ist es geflossen, was war genau die Ursache? Der Versicherte muss dokumentieren und nachweisen – sonst hat er im Versicherungsfall mitunter schlechte Karten.

Bis knapp unter die Decke: Wo kam das Wasser genau her, wie ist es geflossen, was war genau die Ursache? Der Versicherte muss dokumentieren und nachweisen – sonst hat er im Versicherungsfall mitunter schlechte Karten.

Foto: Meike Boeschemeyer / imago images/epd

manager magazin: Herr Schluckebier, die Hochwasseropfer in Rheinland-Pfalz und NRW sind noch mit Aufräumen beschäftigt, aber bald stellt sich auch die Frage der Schadensregulierung. Nach Angaben der Versicherer sind nur 46 Prozent der Privathaushalte gegen Gefahren wie Überschwemmungen versichert. Gehen die meisten Hausbesitzer nun leer aus – oder dürfen sie auf Kulanz der Branche hoffen?

Wilhelm Schluckebier: War kein Versicherungsschutz für Elementarschäden vereinbart, kann der Versicherer nicht einfach zahlen. Anderenfalls würden diejenigen, die sich mit ihren Beiträgen gegen dieses Risiko abgesichert haben, die Kosten mittragen. Echte Kulanz, also Zahlung ohne Verpflichtung dem Grunde nach, ist daher wohl nicht zu erwarten. Eine andere Frage ist, ob die Versicherer sich bei der Abwicklung versicherter Schäden, umgangssprachlich gesagt, kulant verhalten. Also schnell, unbürokratisch und nicht kleinlich regulieren. Ich gehe davon aus, dass dies überwiegend der Fall sein wird.

Wie auch nach der Katastrophe 2013 wird erneut über die Elementarschadenversicherung gestritten. Ökonomen befürworten eine an die Risiken angepasste Pflichtpolice. Die Branche lehnt das ab, weil sie unbezahlbar würde oder die Risiken für den Versicherer zu groß. Halten Sie das für klug? Die Branche könnte doch so vergleichsweise viel risikoloses Extrageschäft einfahren.

Pflichtversicherungen greifen massiv in die Privatautonomie ein, das betrifft grundrechtliche Positionen, muss also gut überlegt und begründet sein. Außerdem ergeben sich vielfältige Auswirkungen, ob zum Beispiel dann nicht vielleicht sorgloser in gefährdeten Gebieten gebaut wird. Die Diskussion ist somit nicht nur auf die Versicherer beschränkt. Diese sind zudem wirtschaftlich denkende und handelnde Unternehmen. Sie müssen schließlich in der Lage sein, ihre Leistungszusagen zu erfüllen. Daher wird man wohl für eine abwägende Position Verständnis haben müssen.

"Pflichtversicherungen greifen massiv in die Privatautonomie ein, das betrifft grundrechtliche Positionen, muss also gut überlegt sein"

Die meisten Hausbesitzer haben ja eine Gebäudeversicherung. Kommt es da im Fall von Starkregen oder in Abgrenzung zu Elementarschäden oft zu Streit mit dem Versicherer?

Weiterlesen mit manager magazin+

Mehr verstehen, mehr erreichen

Exklusive Insider-Stories, Trends und Hintergründe.

Ihre Vorteile mit manager magazin+

  • Alle m+-Artikel auf manager-magazin.de

    exklusive Recherchen der Redaktion und das Beste aus „The Economist“

  • Das manager magazin lesen

    als App und E-Paper – auf all ihren Geräten

  • Einen Monat kostenlos testen

    jederzeit online kündbar

Ein Monat für 0,00 €
Jetzt für 0,00 € ausprobieren

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .