Wegen Zinswende Vonovia will Wohnungen im Wert von 13 Milliarden Euro verkaufen

Mieterhöhungen und die Übernahme der Deutsche Wohnen lassen den Vonovia-Gewinn in die Höhe schnellen. Nun will der Immobilien-Riese wegen steigender Zinsen Wohnungen im Wert von 13 Milliarden Euro abstoßen, kündigt Konzernchef Buch an.
Vonovia-Chef Rolf Buch (57) schließt die Übernahme von Adler aus

Vonovia-Chef Rolf Buch (57) schließt die Übernahme von Adler aus

Foto: CLEMENS BILAN / EPA-EFE

Der Immobilien-Riese Vonovia bereitet sich nach einem deutlichen Gewinnplus im Halbjahr auf die Folgen gestiegener Kapitalkosten durch die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Dazu wollen sich die Bochumer über die Jahre von Wohnungen und Einfamilienhäusern im Volumen von rund 13 Milliarden Euro trennen. Zudem will Konzernchef Rolf Buch (57) Investoren über Gemeinschaftsunternehmen mit ins Boot holen. Seine Prognosen für 2022 bekräftigte Buch.

"In Zeiten höherer Zinsen ist es sinnvoll, Schulden zu reduzieren", sagte Buch. Dies sei im Halbjahr bereits geschehen. In den ersten sechs Monaten verdiente Vonovia auch deutlich mehr. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft (Group FFO) – die bei Immobilienfirmen zentrale Kennziffer – erhöhte sich in den ersten sechs Monaten durch die Übernahme des kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen, steigende Mieten und einen niedrigen Leerstand um 36,3 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro.

Die Mieten erhöhte das Unternehmen bis Ende Juni auf 7,44 Euro pro Quadratmeter, zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Juni hatte Unternehmenschef Rolf Buch angekündigt, die Mieten weiter zu erhöhen. Die Inflation gehe nicht spurlos "an den Mieten vorbei". Die Ankündigung und ihre Begründung hatten für viel Kritik gesorgt, auch, weil der Vonovia-Chef eine Dividende in Rekordhöhe für Aktionäre vorgeschlagen hatte.

Vonovia hatte die Deutsche Wohnen vergangenes Jahr geschluckt, der Konzern verfügt aktuell über rund 550.000 Wohnungen. Für den Zukauf hatte Vonovia rund 17 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt.

"Das hat nichts mit einem Ausverkauf zu tun"

Vonovia-Chef Rolf Buch

Vonovia habe nun "einige Portfolien identifiziert, die sich für einen Verkauf eignen", sagte Buch. Diese Wohnungen und Mehrfamilienhäuser werde Vonovia über die Jahre verkaufen. "Das hat nichts mit einem Ausverkauf zu tun", sagte Buch.

Bei der Tochter Deutsche Wohnen steht zudem die Pflegeheim-Sparte auf dem Prüfstand. Vonovia peilt darüber hinaus für einzelne Projekte auch Partnerschaften mit Investoren an. Diese könnten sich ebenfalls im Milliarden-Volumen bewegen, sagte Buch.

Vonovia schließt Übernahme von Adler aus

Vonovia besitzt mehr als 550.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. Hinzu kommen rund 72.500 verwaltete Wohnungen. Im neuen Umfeld werde es keine Zukäufe mehr geben. Eine Aufstockung oder eine Übernahme des angeschlagenen Immobilien-Konzerns Adler Group "werden im derzeitigen Marktumfeld ausgeschlossen". Vonovia ist mit rund 20,5 Prozent an Adler beteiligt. Wegen des gesunkenen Adler-Aktienkurses musste Vonovia die Beteiligung im Halbjahr um rund 160 Millionen Euro abwerten.

Adler hatte Mitte Mai eingeräumt, dass die Tochter Consus Real Estate in eine Schieflage geraten ist. Die Adler Group selbst steht durch das verweigerte Testat der KPMG-Wirtschaftsprüfer für den Jahresabschluss 2021 unter Druck . Die Adler Group verfügt nach eigenen Angaben noch über rund 27.000 Wohnungen. Die Nettomieterträge gingen im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um knapp 16 Prozent auf 71,1 Millionen Euro zurück.

Die Immobilienpreise kannten in Deutschland über Jahre nur einen Weg: nach oben. Die Immobilienkonzerne bildeten dies in ihren Bilanzen ab und schrieben die Werte ihrer Bestände hoch. Auch Vonovia wertete im Halbjahr einen Teil des Portfolios auf. Wegen der stark gestiegenen Zinsen zeichnet sich am Immobilienmarkt in der Bundesrepublik indes eine Trendwende ab. So brach die Nachfrage nach Kauf-Immobilien im zweiten Quartal 2022 binnen Jahresfrist um 36 Prozent ein, wie das Online-Portal Immoscout erklärte hatte. Die deutlich höheren Finanzierungskosten für den Immobilienkauf ließen hingegen die Nachfrage nach Mietwohnungen um 48 Prozent steigen. Dieser Trend spielt Vonovia wiederum in die Karten.

Auch die hohen Energiekosten beschäftigen Vonovia – Mietern, die ihre stark gestiegenen Nebenkosten nicht zahlen können, solle nicht gekündigt werden, stellte Buch in Aussicht. Für einige Mieter wird es allerdings nachts kalt in ihren Wohnungen: Der Immobilien-Riese kündigte Anfang Juli an zur Verringerung des Gasverbrauchs die Heizungstemperatur der Gas-Zentralheizungen in der Nacht abzusenken. Die Leistung werde zwischen 23.00 und 6.00 Uhr auf 17 Grad Raumtemperatur reduziert, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Tagsüber werde wie gewohnt geheizt.

mje/ Reuters/dpa-afx
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