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Wechselfälle

Wechselfälle Birgit Adels, Zygmunt Mierdorf, Srdan Jeremic, Udo Bröskamp, Manfred Schnor, Michael Hürter.
aus manager magazin 6/2008

Birgit Adels (41) galt als Hoffnungs- trägerin des britischen Musikkonzerns Emi. Im April 2006 übernahm sie die Geschäftsführung des deutschen Ablegers, binnen eines Jahres kam die Verantwortung für Österreich und die Schweiz hinzu. Lautlos und zügig begann die Betriebswirtin aufzuräumen, trennte sich von Mitarbeitern, baute die Organisation um und verpflichtete erfolgreiche Künstler. Während es den Töchtern bald etwas besser ging, rutschte die Konzernmutter immer tiefer in die roten Zahlen. Der neue Emi-Eigner und Chef Guy Hands (48) vom Finanzinvestor Terra Firma verordnete der Gruppe ein Restrukturierungsprogramm. Alle Landesfürsten verlieren ihre Eigenständigkeit, und sie müssen rund ein Drittel der Jobs streichen. Diese Strategie wollte Adels offenkundig nicht mittragen. Anfang Mai verabschiedete sie sich. Gut möglich, dass die vielseitige Managerin, die früher das Nordeuropa-Geschäft von Prada geleitet hatte, demnächst wieder in der Modeindustrie anheuert. Ihre Nachfolge bei Emi trat Vertriebsleiter Wolfgang Hanebrink (44) an.

Zygmunt Mierdorf (56) war bis Herbst 2007 Vorstand auf Abruf. Sein damaliger Chef, Metro-Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Körber (61), watschte den Multiressortleiter (unter anderem Personal und IT) regelmäßig verbal ab oder, schlimmer noch, machte sich über ihn lustig. Da war es für Mierdorf ein Glücksfall, dass der Chef des Metro-Aktionärs Haniel, Eckhard Cordes (57), Körber ablöste und im November selbst als Metro-Boss antrat. Mit dem sachlichen Cordes kommt Mierdorf weit besser zurecht. Inzwischen wurde auch sein Vertrag verlängert, was unter Körber als unwahrscheinlich galt. Mierdorf, der mittlerweile auch noch Einkauf und Logistik betreut, scheint Cordes jedoch nicht der Richtige für das heikle Personalressort zu sein. Er schaute sich zunächst intern um: Die Personalchefin der Metro-Cash&Carry-Sparte, Claudia Schlossberger, die Cordes aus gemeinsamen Zeiten bei Daimler kennt, machte sich Hoffnung. Sie gilt jedoch nicht als besonders integrative Kraft. Cordes lässt nun die Personalberater von Egon Zehnder nach einem Teil-Nachfolger für Mierdorf suchen.

Srdan Jeremic (43), bisher kaufmännischer Leiter des zur Arcandor AG gehörenden Versenders Quelle GmbH, hat das Unternehmen verlassen. Der Sohn serbischer Auswanderer, zuvor bei EnBW und Edeka, galt bei Quelle als Leistungsträger. 2007 sollte er gar in die Geschäftsführung aufrücken. Jeremic bat um Bedenkzeit, was bei seinen Vorgesetzten keine Euphorie auslöste und letztlich die Beförderung in Vergessenheit geraten ließ. Anscheinend hat sich der um sein Renommee besorgte Zahlenmann mit der kreativen Bilanzpolitik von Versandleiter Marc Sommer (46) und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff (55), die zum Negieren düsterer Realität neigen, nicht anfreunden können. Am Ende drehte Sommer den Spieß um und machte den Finanzer für maue Zahlen verantwortlich. Jeremic kündigte und wurde freigestellt.

Udo Bröskamp (38) tritt einen schweren Job an. Knapp ein Jahr lang suchte Burkhard Schwenker (50), Chef der Roland Berger Strategy Consultants, nach einem Leiter der Finanzdienstleistungssparte. Der frühere Amtsinhaber Thomas Eichelmann (42) war im Juli 2007 in den Vorstand der Deutschen Börse gewechselt. Ein herber Verlust für die Consultants, wenngleich Eichelmann als komplizierter Charakter galt. Jetzt soll also Udo Bröskamp ihm nachfolgen. Udo who? Der Mann kommt vom Konkurrenten Boston Consulting (BCG). Er ist dort vor allem als netter Kerl in Erscheinung getreten, stand im Ruf eines ewigen Projektleiters, was immerhin für sein Arbeitsethos spricht. Zwei Landesbanken sowie die österreichischen Raiffeisenbanken gehören zu seinen Topkunden. Als BCG-Deutschland-Chef Christian Veith (49) noch die Bankengruppe der Beratung anführte, arbeitete Bröskamp ihm zu. Finanziell lohnt sich der Wechsel: Bei Berger soll Bröskamp rund 700 000 Euro pro Jahr verdienen, etwa doppelt so viel wie bislang.

Manfred Schnor (48) hat als Finanzvorstand beim Logistikkonzern Fiege (1,8 Milliarden Euro Umsatz) vier Jahre lang um solide Haushalte und professionelle Unternehmensführung gerungen. Er hätte vermutlich noch zwei weitere Jahre sein Bestes gegeben; so lange läuft sein Vertrag. Allerdings musste er zuletzt nicht nur mit den eigenwilligen Fiege-Brüdern an der Firmenspitze klarkommen, sondern auch mit deren Söhnen, als Junior-Chefs auf der Suche nach Profil. Rasch wurde klar: Das passt auf Dauer nicht. Seit Schnors Abgang Mitte Mai fehlt den kreditgebenden Banken des hoch verschuldeten Unternehmens ihr bislang wichtigster Partner im Unternehmen. Denn Schnors Posten wird nicht wieder besetzt.

Michael Hürter (45) soll CEO der rheinländischen Warenhauskette Strauss Innovation (108 Filialen, 250 Millionen Euro Umsatz) werden. Der ehemalige Chef des Tengelmann-Discounters Plus zieht dort in den kommenden Monaten wohl zunächst in den Aufsichtsrat ein, dürfte dann aber schnell ins Topmanagement wechseln. Bei Plus schied Hürter Mitte 2007 aus. Sein Vertrag läuft formal noch bis Mitte 2009. Die Strauss-Personalie steht im Zusammenhang mit einem Teilverkauf des Unternehmens. Anfang Mai hatte der schwedische Finanzinvestor EQT die Mehrheit von der geschäftsführenden Gesellschafterfamilie Geringhoff übernommen. Jetzt wollen die Geringhoffs offenbar auch die operative Verantwortung abgeben. Mehr als wahrscheinlich also, dass Hürter bei Strauss Innovation künftig die Geschäfte leitet.

Fotos: Felix Heyder/dpa/pa, pr

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