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Wechselfälle

Wechselfälle Gerhard Schuff, Reiner Hoock, Martin Lenz, Henning Kagermann.
aus manager magazin 11/2008

Gerhard Schuff (55) dürfte gleich doppelt glücklich sein über seinen neuen Job. Erstens hat ihn Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger (49) in die Geschäftsleitung des Herzogenauracher Konzerns geholt: Schuff wird Einkaufschef des - den noch nicht ganz übernommenen Konkurrenten Continental inklusive - drittgrößten Automobilzulieferers der Welt. Zweitens war er bei seinem alten Arbeitgeber BMW zuletzt nicht mehr wirklich zufrieden. Schuff verantwortete in München vier Jahre lang den globalen Einkauf, war dann seit 2004 im Vertrieb für "Accessoires, Teile und Zubehör" zuständig. Als ihm Konzernchef Norbert Reithofer (52) den von der Servicekette ATU zurückgekehrten Karsten Engel (49) vor die Nase setzte, zog Schuff die Konsequenzen: Er nutzte das aktuelle Jobabbauprogramm bei BMW, kassierte die offerierte Abfindung und heuerte bei Schaeffler an.

Reiner Hoock (49) ist als neuer Partner in die Geschäftsführung der Executive-Search-Beratung Civitas International gewechselt. Vom Münchener Büro aus soll der Diplomkaufmann den Geschäftsbereich Financial Services weiter ausbauen. Hoock begann nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität als Trainee bei der Bayerischen Vereinsbank; 1988 ging er zu Roland Berger, wo er zehn Jahre blieb, seit 1994 als Mitglied der Geschäftsleitung und Associate Partner. 1999 heuerte der passionierte Golfer und Skifahrer als Partner und Geschäftsführer bei der Strategieberatung Booz Allen Hamilton an, wo er unter anderem fünf Jahre lang die Financial-Services-Praxisgruppe leitete. Die Personalberatung Civitas kennt Hoock seit mehr als zehn Jahren - als Partner bei Booz Allen beauftragte er sie öfter mit der Suche nach Führungskräften.

Martin Lenz (58), Chef des Versenders Neckermann.de, reagierte bestürzt, als er im manager magazin (10/2008) las, dass der Mehrheitseigner der Firma, der Private-Equity-Fonds Sun European Partners, einen Nachfolger für ihn suchen ließ. Lenz bat Sun-Partner Frank Maassen (42) um Auskunft; der bestätigte die Meldung. Um die Gemüter zu beruhigen, reiste Maassen zu Neckermann nach Frankfurt, wo ihn eine Welle der Solidarisierung mit Lenz überrollte. Vom Management bis zum Betriebsrat wollten alle ihren umgänglichen Chef behalten. Maassen sagte zu, den Personalsuchauftrag zurückzuziehen. Dennoch scheint das Verhältnis zwischen Mehrheitseigentümer und Firmenleitung getrübt. Nun sucht das Management angeblich seinerseits einen neuen 51-Prozent-Gesellschafter; Neckermann bestreitet das. 49 Prozent gehören immer noch der Arcandor AG. Die Sun-Leute, die die Probleme bei der Sanierung von Neckermann unterschätzt haben, wären womöglich froh, wenn sie aussteigen könnten.

Henning Kagermann (61), bis Mai 2009 einer von zwei Vorstandssprechern der Softwarefirma SAP, kümmert sich um das Leben danach: Er wird Vizepräsident bei Acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Die honorige Forschervereinigung vergrößert ihr Präsidium, weil Chef Joachim Milberg (65) vermehrt deutsche Spitzenpolitiker beraten will. Hierum hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (54) den Aufsichtsratsvorsitzenden von BMW gebeten. Milberg füllt die Lücke aus, die der ehemalige Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer (67) und der von ihm geleitete Rat für Innovation und Wachstum hinterlassen haben. Das Gremium war in der Folge der Siemens-Affäre aufgelöst worden. Bei Acatech soll sich Kagermann um den Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Wissenschaft kümmern. Die Tagesarbeit bei SAP, hofft er, werde nicht leiden.

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