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Wechselfälle

Manager: Karrieresprünge
aus manager magazin 8/2002

Stephan Kessel (48) war neun Monate ohne Job, bevor der ehemalige Vorstandschef von Continental im Juli als Partner in die arabischangelsächsische Beteiligungsgesellschaft Investcorp eintrat. Die Gruppe fiel in Deutschland durch den Erwerb von Gerresheimer Glas auf. Nachdem er bei Conti einen Machtkampf gegen Oberaufseher Hubertus von Grünberg verloren hatte, sah Kessel sich erst in der Autobranche um. Dort allerdings sind Chefposten rar. Also Investcorp. Den schnellen Wechsel zurück ins Autogeschäft schließt er aus. Doch manche meinen, Kessel werde kaum zögern, wenn ihm dort ein Topposten angeboten wird.

Heinz Fischer (54), Bereichsvorstand Personal der Deutschen Bank, wird weggespart. Sein Amt fällt der verschlankten Konzernorganisation zum Opfer. Fischer war 1996 von Hewlett-Packard zur Deutschen Bank gekommen und hatte sich dort als Querdenker für weiche Themen einen Namen gemacht. Er kümmerte sich um die Frauenförderung und installierte innovative Arbeitszeitmodelle. Das graue Tagesgeschäft überließ er gern anderen. Ganz geht der Personaler, der auch Mitglied der Hartz-Kommission ist, der Bank nicht verloren: Nach seinem Ausscheiden im März 2003 wird er Chief Administrative Officer Tessen von Heydebreck beraten.

Fritz Becker (48), bisher Finanzchef des Aachener Versicherers AMB Generali, wird Geschäftsführer der Bad Homburger Harald Quandt Holding. In der Gesellschaft lassen die fünf Töchter (Katarina, Gabriele, Anette, Colleen-Bettina, Patricia) des 1967 tödlich verunglückten Harald Quandt, Bruder des 1982 gestorbenen Industriellen Herbert Quandt, ihr Milliardenvermögen verwalten. Beckers Vorgänger Bernhard Wunderlin, der sich 20 Jahre lang um die professionelle Geldvermehrung der Erbinnen gekümmert hatte, geht in den Ruhestand. Der zweite Holdinggeschäftsführer Axel May, von Quandt-Erbin Anette geschieden, kennt Becker aus früheren Bad Homburger Zeiten. Der Betriebswirt leitete dort bis 1999 die Deutschland-Direktion der Basler Versicherungen.

Jürgen Richter (60) musste warten bis zum Niedergang der flotten Neuen Wirtschaft, bis endlich auch die Öffentlichkeit seine sperrige Art und sein größtes Talent, die Sanierung, wirklich schätzen lernte. 1998 hatte Bertelsmann-Anführer Thomas Middelhoff dem Ex-Vorstandschef des Axel Springer Verlags die Leitung der Bertelsmann-Fachverlagssparte übertragen. Der allürenfreie Richter erledigte alle Aufgaben mit Bestnoten. Im Juni erfuhr er aus einem Middelhoff-Interview in der "Süddeutschen Zeitung", dass seine Fachverlage zum Verkauf stünden: Richter war außer sich und quittierte umgehend den Dienst. Middelhoff, so ist zu hören, reut der Abgang. Aber nur ein bisschen.

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