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Wechselfälle

Wechselfälle Peter Fiedler, Andreas Goßmann, Jan Bernd Berentzen.
aus manager magazin 8/2008

Peter Fiedler (54) reiht sich bald ein in die Serie von Managern, die in jüngster Zeit die Schörghuber-Gruppe verlassen haben. Fast im Monatstakt verabschieden sich Spitzenkräfte von der Münchener Familienfirma, die 2006 mit Bier, Hotels, Immobilien und Flugzeugen 1,6 Milliarden Euro Umsatz erzielte. Besonders hoch ist die Frequenz der Abgänge bei der Arabella Hotel Holding International. Deren Primus Carsten Rath (41) quittierte im Mai seinen Job, Ende Juni folgte ihm Geschäftsführer Holger Lösch (45), und in einigen Monaten läuft auch der Vertrag von Finanzchef Fiedler aus, den wohl nichts und niemand halten wird. Von häufigem Zank mit dem willkürlich regierenden Eigentümer Stefan Schörghuber (47) und mit Hans-Peter Hoh (44), dem Finanzvorstand der Gruppen-Holding, berichten Insider - und von einer latenten Unsicherheit über die Zukunft der Hotelsparte. So weiß derzeit niemand, wie es mit dem Joint Venture Starwood Hotels & Resorts weitergeht, in das Schörghuber die Mehrzahl seiner Nobelherbergen eingebracht hat. Zwischen den Partnern herrscht alles andere als Harmonie. Grund genug für die frustrierten Manager, sich nach neuen Jobs umzusehen.

Andreas Goßmann (47), frisch gekürter Chef der Berliner Weberbank, hat lange darauf warten müssen, rehabilitiert zu werden. Im Juni 2004 war der damalige Chef der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) auf Druck der Aufsichtsbehörde BaFin unsanft aus seinem Amt entfernt worden. Goßmann habe seinen Wirtschaftsprüfern Unterlagen vorenthalten, warfen die Bankenaufseher dem Sparkassenmanager vor - und erstatteten Strafanzeige gegen Goßmann und weitere Fraspa-Vorstände. Die Ermittlungen der Staatsanwälte wurden drei Jahre später eingestellt - wegen Mangels an Tatverdacht. Nachdem sich Goßmann daraufhin mit dem Gedanken getragen haben soll, die Aufseher auf Schadensersatz zu verklagen, heuerte ihn wenige Monate später plötzlich die Düsseldorfer WestLB als Berater an, angeblich zu Tagessätzen von 6500 Euro. Nun soll Goßmann die WestLB-Tochter Weberbank führen. Insider vermuten, die zweite Karriere des Bankmanagers bei einem öffentlich-rechtlichen Geldinstitut sei eine Art Wiedergutmachung für die erlittene Schmach aus der BaFin-Anzeige. Goßmann mag sich zu alledem nicht äußern.

Jan Bernd Berentzen (55), vor zwei Jahren bei der emsländischen Schnapsbrennerei Berentzen aus dem Amt des Vorstandssprechers gejagt, strebt womöglich ein Comeback als Aufsichtsratsmitgliedan. Dort wäre nun Platz für ihn, nachdem drei der neun Kontrolleure unter Protest zurückgetreten sind. Grund für den Eklat war, dass zwei bislang verfeindete Eigentümer- stämme des Familienunternehmens in letzter Minute den vom Bankhaus M. M. Warburg vorbereiteten Verkauf der Firma abgesagt hatten. Die Sippe hat sich zusammengerauft und will versuchen, den Verlust schreibenden Betrieb mit- hilfe familienfremder Manager selbst zu sanieren. Ein Schritt, dem Insider jedoch keine Erfolgschancen geben. Gut möglich, dass die Banken letztlich doch einen Verkauf der Firma erzwingen.

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