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Wechselfälle

Manager - Karriersprünge
aus manager magazin 1/2003

Jan-Eric Peters (37) soll neuer Chefredakteur der Springer-Blätter "Welt" und "Berliner Morgenpost" werden. Das heißt, er kann es bleiben: Nach dem unfreiwilligen Abgang von Wolfram Weimer (38), der beide Blätter geführt hatte, übernahm dessen Stellvertreter Peters im November die Doppelspitze, zunächst kommissarisch. Bis zuletzt waren diverse Großschreibkräfte als Weimer-Nachfolger im Gespräch, darunter Ulrich Reitz ("Rheinische Post"), Claus Strunz von Springers "Bild am Sonntag", ja selbst Frank Schirrmacher, einer der traurigen Herausgeber der nicht minder traurigen "FAZ" (siehe mm 11/2002). Verlagsmanager und Kollegen bescheinigen dem als liberal geltenden Journalisten Peters ein Auge für Qualität und ein Gespür für publikumswirksame Stoffe.

Kurt Lindemann (54), bis Ende 2002 Vorstandsvorsitzender des zur Handelsgruppe Edeka gehörenden Filialisten AVA, rechnete fest damit, dass er per Anfang 2003 zum Chef der Edeka-Zentrale ernannt wird. Der Vertrag lag vor, die Aufsichtsratssitzung war für den 20. November anberaumt, und am folgenden Tag sollte der Nachfolger bei AVA präsentiert werden. Doch überraschend formierte sich in der Edeka-Organisation Widerstand gegen Lindemann. Der Tagesordnungspunkt wurde gestrichen. Den Job bekam zwei Wochen später ein anderer, Alfons Frenk von der Edeka Minden-Hannover. Bei AVA tritt Helmut Metje an, einst bei Metro. Und Lindemann ist draußen.

André Kemper (39, Foto), Springer & Jacoby, und Hubertus von Lobenstein (37), Saatchi & Saatchi, Elitekräfte der hiesigen Reklamewirtschaft, wechseln zum Branchenprimus BBDO und lösen spätestens 2004 den dortigen Anführer Rainer Zimmermann

(46) ab. Der Kunstfan, zufrieden und vermögend, möchte künftig träger operieren, so als Honorarprofessor an der Uni Münster. Von dem Personaltransfer verspricht sich BBDO personellen Glanz - und Wachstum. Statt Neukunden mühsam zu gewinnen, sei es, meldet Zimmermann, "sehr viel einfacher, die guten Leute aus Agenturen herauszukaufen, die dann ihre Kunden mitbringen". Kemper und von Lobenstein übernehmen je 1,5 Prozent der BBDO-Anteile im Wert von jeweils rund 1,5 Millionen Euro.

Franz Markus Haniel (47), Nachfahre des Firmenpatriarchen Franz Haniel, soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Ruhrkonzerns Franz Haniel & Cie. GmbH werden. Die Familiengesellschafter haben sich bereits auf den 47-jährigen "Franzi", wie er familienintern genannt wird, geeinigt. In einer für Ende Februar anberaumten Aufsichtsratssitzung soll die Personalie abgesegnet werden. Der Haniel-Spross ist Diplomingenieur und Absolvent der Hochschule Fontainebleau; er arbeitet als Vorstandschef bei der Secartis AG, einer Tochtergesellschaft der Gelddruckerei Giesecke & Devrient. Haniel löst den langjährigen Aufseher Jan von Haeften (71) ab. Der Abgang von Haeftens bei Haniel bedeutet nicht zwangsläufig auch seinen Rücktritt vom Amt des Oberaufsehers beim Handelsriesen Metro; an der Metro AG ist Haniel mit rund 18 Prozent beteiligt. Üblicher-, aber nicht notwendigerweise vertreten die Aufsichtsratschefs der Franz Haniel & Cie. die Interessen der Ruhrdynastie bei Metro. Von Haeftens Alter ist jedenfalls kein Hindernis, er könnte bei Metro noch ein paar Jahre im Amt bleiben. Der Corporate-Governance-Codex der Metro AG zieht eine Altersgrenze bei 75 Jahren. Deshalb schied im Mai 2002 der ehemalige Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger aus dem Metro-Kontrollgremium aus.

Uwe Schroeder-Wildberg (37) erwog vor Jahren, Musik zu seinem Beruf zu machen - klassischer Gesang, Stimmlage: Bariton. Doch er entschied sich gegen die Kunst und für die Zahlen. Offenkundig kein Fehler: Im Januar wird er immerhin Finanzvorstand eines Dax-Konzerns - wenn auch eines mit ramponier-

tem Image. Dem Finanzdienstleister MLP soll er helfen, Vertrauen zurückzugewinnen. Schroeder-Wildberg gilt als Zahlentyp, ehrlich und glaubwürdig. Einer, der - anders als MLP-Chef Bernhard Termühlen - bei Analysten den richtigen Ton trifft. Seinen guten Ruf hat er sich als Chief Financial Officer des Online-Brokers Consors erworben, als nüchterner Gegenpol zum Daueroptimisten Karl Matthäus Schmidt. Bitter für Firmengründer Schmidt: Erst verlor er die Unabhängigkeit - seit Frühjahr 2002 gehört Consors zu BNP Paribas - und nun auch noch seinen Vertrauten Schroeder-Wildberg.

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