Rücktritt des Rockstar-Gründers Was WeWork-CEO Adam Neumann zum Verhängnis wurde

Der WeWork-Börsengang sollte einer der größten des Jahres werden. Doch jetzt droht die Story als Desaster zu enden. Auf Druck der Investoren musste Gründer Adam Neumann seinen Posten räumen - so schnell stürzte vor ihm kein Tech-Guru ab. 
Guru of We: Adam Neumann liebte die große Bühne

Guru of We: Adam Neumann liebte die große Bühne

Foto: 2019 Michael Kovac

Steiler kann ein Abstieg kaum sein. Vor wenigen Wochen noch wurde Adam Neumann (40) als Visionär gefeiert. Der gebürtige Israeli sollte das vermeintlich wertvollste Start-up der USA an die Börse bringen: das Coworkingunternehmen WeWork. 47 Milliarden US-Dollar, so glaubten die Investoren im Januar, sei die Firma wert. Mehr als BMW oder Beiersdorf. Immer schneller ist das Unternehmen expandiert, Prominente wie Hollywood-Schauspieler und Tech-Investor Ashton Kutcher (41) bewarben WeWork. 

Doch jetzt muss Neumann seinen CEO-Posten räumen. Die Zweifel an ihm, seinen Methoden und seinen Managementfähigkeiten waren einfach zu groß geworden. Genau wie der Druck seiner Investoren, denen bei einem Platzen der Börsenträume massive Abschreibungen drohen. Neue Geschäftsführer werden die WeWork-Manager Sebastian Gunningham und Artie Minson, während Neumann Mitglied im Verwaltungsrat bleibt. Seinen Angestellten teilte der sendungsbewusste Gründer mit, dass seit der Ankündigung des Börsengangs einfach zu viel öffentlicher Fokus auf ihn gelegt worden sei. 

Es ist der spektakuläre Fall eines bis vor Kurzem noch umjubelten Stars der Tech-Welt. Dass die Gründer überhaupt so viel Macht erlangen können, ist Folge des vielen Geldes am Markt. Um Teil des Spiels zu bleiben und sich Anteile an Rendite-versprechenden Firmen zu sichern, gestehen Investoren den Unternehmen und deren Gründern Einiges zu – so geschehen auch bei Snap, Tesla oder Uber. Der Absturz von Adam Neumann ist allerdings einzigartig - so schnell stürzte vor ihm keiner aus dem Himmel. 

Zwar gab es schon früher Geraune um Neumann und den Hype um seine Person. Tatsächlich schwoll die Kritik aber erst so richtig an, seit WeWork Mitte August den Börsenprospekt veröffentlichte. Das Dokument offenbart, wie der CEO hunderte Millionen Dollar aus seinem Unternehmen gezogen hatte – trotz der haushohen Verluste, die WeWork seit seiner Gründung 2010 Jahr für Jahr schreibt.

„Der Offenlegungsteil des Prospekts ist der längste, an den ich mich erinnern kann“, sagt David Erickson (55), Forscher an der renommierten Wharton School. Als Wall-Street-Banker begleitete er mehr als 20 Jahre lang für Barclays und Lehman Börsengänge. „Das Kapitel nur ungewöhnlich zu nennen, wäre unangemessen. Es ist extrem.“

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