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Was macht eigentlich Andreas von Schoeler?

Was macht eigentlich Andreas von Schoeler?
aus manager magazin 9/2001

An die äußere Erscheinung des Andreas von Schoeler dürfen getrost hohe Ansprüche gestellt werden. Schließlich galt der 53-Jährige über viele Jahre hinweg nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch als große Hoffnung der deutschen Politik. Die "Tageszeitung" erklärte ihn 1993 zum Schwarm der Frankfurter Altersheime, die "Frankfurter Rundschau" lobte seine tadellos exerzierten Handküsse.

Drum sei an dieser Stelle kritisch angemerkt: Auch bei Andreas von Schoeler geht der Trend inzwischen zum Zweitkinn. Sein Teint hingegen ist noch immer von makelloser Bräune - genau wie 1995 auf den Wahlplakaten für den Posten als Frankfurter Oberbürgermeister.

Ach ja, der Wahlkampf. "Muss auch sein", sagt Schoeler und verbirgt seine Abneigung gegen Bierzeltreden und Babytätscheln nur unzureichend. Während seiner politischen Laufbahn habe er sich nie als Volkstribun gesehen. Eher schon als Politikmanager, zuletzt eben "als CEO der Stadt Frankfurt". Deshalb, glaubt Schoeler, sei es ihm nach seiner Wahlniederlage 1995 so leicht gefallen, wieder ins ganz normale Management zu wechseln.

Bereits 1988 hatte Schoeler einen kurzen Ausflug in die Welt der Wirtschaft unternommen. Ron Sommer, damals Chef von Sony Deutschland, engagierte ihn als Marketingleiter und Unternehmenssprecher. Heute ist Schoeler Vorstand bei der IT-Beratung CSC Ploenzke und verantwortet den Bereich Government, die Beratung des öffentlichen Sektors.

Die nahe liegende Frage: "Werden Sie als Ex-Politiker bei CSC Ploenzke vor allem für Ihr gut gefülltes Adressbuch mit potenziellen Auftraggebern bezahlt?" Die Antwort: "Das können Sie vergessen. Im öffentlichen Sektor wird jeder Auftrag ausgeschrieben." Er werde aber dafür bezahlt, dass er wisse, "wie unsere Kunden ticken".

IT-Beratung im öffentlichen Sektor gilt als zähes Geschäft mit niedrigen Margen, dafür aber als resistent gegen konjunkturelle Schwankungen. Genau der Airbag, den die IT-Branche im Moment braucht. In seinem Wiesbadener Büro schwärmt Schoeler von der elektronischen Antragsabwicklung bei der deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Online-Beschaffungsplattform des Bundeswirtschaftsministeriums - beides Projekte seines Hauses.

Es gab Zeiten, in denen stand Fundamentaleres auf Schoelers Agenda. 1972 zog er als jüngster Abgeordneter für die FDP in den Bundestag ein und stieg rasch zum parlamentarischen Staatssekretär auf. Er profilierte sich als Wachstumskritiker, als Grünenversteher gar. 1982 trat Schoeler zur SPD über. Es folgte eine zweite, nicht weniger steile politische Karriere.

Jedoch, seit der Wahlniederlage 1995 gegen Petra Roth gilt für Schoeler: No Politics. Sicher, von Zeit zu Zeit seien Angebote an ihn herangetragen worden. Doch es gebe kein Amt, für das er sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen könne. Er wolle nicht mehr jeden Tag von acht Uhr bis Mitternacht arbeiten. Er wolle nicht mehr täglich in die Zeitung gucken müssen, um zu sehen, was diese heute wieder über ihn geschrieben habe.

Seit 20 Jahren wohnt von Schoeler mit seiner Frau in demselben Haus in Frankfurt. Die beiden Söhne studieren. Und wenn Schoeler heute den Lokalteil liest? "Dann freue ich mich, dass mich die ganze Kommunalpolitik nicht mehr aufregen kann. Die meisten Dinge werden unwichtig, wenn man nicht unmittelbar mit ihnen zu tun hat." Christian Rickens

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