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Sicher ist sicher Warum bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht nur Geschwindigkeit zählt

Im Vergleich zu China und den USA fällt Europa in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen zurück. Eine Aufholjagd ist nur bedingt sinnvoll, stattdessen konzentriert sich Europa auf seine Stärke: eine konsistente Datenethik.
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Die Covid-19-Pandemie hat das deutsche Gesundheitswesen fest im Griff. Krankenhäuser halten Intensivbetten vor, fahren den Normalbetrieb so weit wie möglich herunter. Das ist natürlich mit immensem Planungsaufwand verbunden, den die ohnehin schon überlasteten Mitarbeiter/innen kaum stemmen können. Forschungseinrichtungen entwickeln deshalb Algorithmen und Künstliche Intelligenz, die genau hier helfen sollen. Etwa die Technische Hochschule Köln: Die Wissenschaftler/innen in der Rheinmetropole haben einen Intensivbettensimulator für Covid-19-Patienten programmiert, der den typischen Behandlungsverlauf von Erkrankten simuliert und so Rückschlüsse auf die künftige Auslastung der Intensivbetten zieht. Die dazu notwendigen Daten kommen unter anderem vom Robert-Koch-Institut.

Covid-19 macht deutlich, wie wichtig die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist. Sie erleichtert die Planung in Krankenhäusern und verbessert die Versorgung von Patient/innen. Künstliche Intelligenz kommt inzwischen nicht nur bei der Pandemiebekämpfung zum Einsatz, sondern hat längst einen festen Platz in der Gesundheitswirtschaft – etwa in der bildgebenden Diagnostik beim Auswerten von Röntgenbildern oder der Früherkennung von Demenz.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland allerdings hinterher: „Deutschland braucht dringend eine nachhaltige E-Health-Strategie“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft der Beratungsgesellschaft PwC. „Gelingt es nicht, in puncto digitale Technologien aufzuholen, werden wir ins Hintertreffen geraten.“ Schnelligkeit ist dabei nicht das Wichtigste, es geht vor allem um sicheren Fortschritt. Denn Künstliche Intelligenz und Algorithmen werden nur dann flächendeckend zum Einsatz kommen können, wenn Patient/innen ihnen vertrauen – und ihre sensiblen Gesundheitsdaten gern zur Verfügung stellen.

Google und Co. geben den Ton an

Nicht nur Forschungsinstitutionen treiben die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen voran. Auch die Technologie-Unternehmen drängen auf den Markt, allen voran Google und Apple. Die Silicon-Valley-Giganten erreichen Milliarden Menschen mit ihren Diensten und Produkten – und haben so Zugang zu einem riesigen Markt. „Große Tech-Unternehmen integrieren Gesundheit in ihre viel größeren, bereits bestehenden Ökosysteme“, sagt Alexander Schellinger, Leiter Entwicklung Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse (TK). „Jedes Unternehmen wählt dabei basierend auf seinen Stärken einen etwas anderen Ansatz.“ Apple arbeitet beispielsweise daran, die Apple Watch zu einem umfassenden Gesundheitssensor weiterzuentwickeln, um etwa Herzprobleme der Träger/innen frühzeitig zu erkennen. Und Googles Mutterkonzern Alphabet schließt sich aktuell mit namhaften Vertretern der Medizin-Forschung zusammen, um neue Biosensoren und Medizinroboter zu entwickeln. Dieser Service kostet die Nutzer/innen allerdings ihre Daten, aus denen die Tech-Konzerne letztlich Kapital schlagen.

„Hier zeigt sich auch, dass die Silicon-Valley-Binsenweisheit ‚If it’s for free, you’re the product‘ keine Übertreibung ist, denn die Nutzer/innen zahlen diese Services mit ihren Daten“, sagt Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK und Herausgeber des Buchs „Digitale Gesundheit in Europa“. „Die Geschäftsmodelle der Technologie-Unternehmen sind auch deshalb so erfolgreich, weil in den USA ein anderes Verständnis von Daten und Datenschutz herrscht als etwa in Europa.“ Im US-amerikanischen marktgetriebenen System gelte es als legitim, Daten zu erheben und zu monetarisieren. Der Staat hält sich dabei weitgehend heraus. „In Europa werden diese Services dann trotzdem genutzt“, sagt Baas.

Die Europäische Union (EU) verfolgt einen anderen Weg. Sie will Vertrauen schaffen – und somit Sicherheit für die Patient/innen. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie schafft nämlich nicht nur den Rechtsrahmen, wie mit personenbezogenen Daten sowie Daten aus der Forschung umzugehen ist, sondern dient auch als Wertekompass. Die EU verpflichtet sich damit, zu regeln, wie Daten genutzt werden dürfen, und ist darüber hinaus auch für deren Schutz und Sicherheit verantwortlich.

Die DSGVO reguliert und begrenzt also die Datennutzung für verschiedenste Anwendungen von Gesundheits-Apps bis zu Künstlicher Intelligenz – und ist damit weltweit einzigartig. „Das ist ein spezifisch europäischer Weg, den wir als Chance sehen sollten, zwischen Chinas Staatkapitalismus auf der einen und der kommerziell fokussierten US-amerikanischen Form des Kapitalismus auf der anderen Seite“, sagt Baas von der TK. In China tragen nämlich nicht nur Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft Daten zusammen. Das sogenannte Social-Credit-System hält Einzug in den Alltag Chinas. Das Programm ermöglicht der Volksrepublik die totale Kontrolle der Bevölkerung, da es hochsensible Daten sammelt, beispielsweise über Versicherungs-, Bank-, Gesundheits- und Social-Media-Aktivitäten.

Baas sieht in der DSGVO in Europa ein Vehikel, mit dem ein „innovatives, freiheitliches und soziales Modell für das digitale Zeitalter“ entwickelt werden kann. Dabei gilt die Devise: sicher ist sicher. Denn nur dann können Daten dazu genutzt werden, wozu sie genutzt werden sollten – nämlich um Patient/innen zu helfen, ganz ohne Datenschutz-Bedenken.

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