Der degradierte Chef geht Warsteiner will es noch einmal wissen

Allen Verkaufsgerüchten zum Trotz will Warsteiner-Inhaberin Catharina Cramer noch einmal angreifen. Dafür tauscht sie das Personal.

Der Glanz ist lange verblasst, der Traum von alter Größe aber offenbar noch sehr lebendig. Es ist das Jahr 1994, Südafrika bekommt mit Nelson Mandela erstmals einen schwarzen Präsidenten, Österreich, Schweden und Finnland treten der EU bei und eine Brauerei aus dem Sauerland produziert erstmals über 6 Millionen Hektoliter: Warsteiner.

Doch seither geht es bei Deutschlands damals größter Brauerei bergab. Heute braut das 1753 gegründete Familienunternehmen nur noch rund 2 Millionen Hektoliter Gerstensaft im Jahr. Kein Wunder, dass sich seit geraumer Zeit Verkaufsgerüchte breitmachen. Und die bekamen zuletzt massiv Rückenwind.

Im Juli holte Inhaberin Catharina Cramer den früheren Real- und Edeka-Manager Helmut Hörz als Finanzchef und machte ihn zum Sprecher der Geschäftsführung. Hörz hatte zuvor den Babybreihersteller Alete und den Feinkostkonzern Homann saniert, beide wurden danach verkauft. Für Hörz musste Warsteiner-Chef Christian Gieselmann, ein früherer Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, zurück ins Glied rücken und sollte sich um Marketing und Vertrieb kümmern. Nach Informationen von manager magazin verlässt Gieselmann das Unternehmen nun aber zum 15. November. Offenbar behält er jedoch zumindest vorerst seine Aufsichtsratsmandate bei Warsteiner-Töchtern wie Trinks und König Ludwig bei.

Streit mit der Gewerkschaft

"Mit Christian Gieselmann hatte ich einen tollen und hochgeschätzten Menschen und Manager an meiner Seite, auf den ich mich immer verlassen konnte und mit dem wir die schwierige Corona-Zeit überwunden haben", bestätigt Cramer die Personalie auf Anfrage.

Nachfolger Hörz hat sich unterdessen mit der Gewerkschaft NGG angelegt, weil er eine Tariferhöhung mit Verweis auf den cornabedingten erneuten Einbruch ablehnt. Warsteiner ist sogar aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. Die Arlarmglocken, so scheint es, wollen einfach nicht verstummen. Doch statt Radikalsanierung will es Cramer offenbar noch einmal wissen. Dem Vernehmen nach hat Hörz einen langfristigen Vertrag unterschrieben und soll Warsteiner zurück zu alter Stärke führen. Wie das gehen soll, will er laut Insidern Anfang kommenden Jahres verkünden.

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