Berkshire Hathaway steigt bei fünf Konzernen ein Warren Buffetts Wette auf Japan

Paukenschlag am 90. Geburtstag: Warren Buffett steigt im großen Stil in die fünf größten japanischen Handelshäuser ein. Es ist eine der wenigen Auslandsinvestitionen der Investorenlegende.
Investorenlegende Warren Buffett

Investorenlegende Warren Buffett

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Investorenlegende Warren Buffett überrascht an seinem 90. Geburtstag mit einer milliardenschweren Wette auf Japan. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway erwarb Anteile von jeweils mehr als 5 Prozent an den fünf größten japanischen Handelshäusern, wie der Konzern am Sonntagabend mitteilte. Insgesamt sind die Anteile mehr als sechs Milliarden Dollar wert. Es ist eine der wenigen Auslandsinvestitionen der stark in den USA investierten Beteiligungsgesellschaft.

"Ich freue mich sehr, dass Berkshire Hathaway ein Teil von Japans Zukunft wird", sagte Buffett zu dem Investment. Die Beteiligung an den Handelshäusern Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui & Co und Sumitomo solle Berkshire Hathaway langfristig halten. Buffett verglich das Investment mit seinen Beteiligungen an Coca-Cola (seit 32 Jahren im Portfolio von Berkshire Hathaway), an American Express (29 Jahre) und an der Ratingagentur Moody's (20 Jahre).

Abhängig vom Preis könne der Anteil jeweils auf bis zu 9,9 Prozent steigen, erklärte der Investor. Die japanischen Konzerne sind stark im Energie- und Rohstoffhandel engagiert und zugleich zu Konglomeraten angewachsen, die noch in zahlreichen anderen Branchen aktiv sind, etwa dem Stahlgeschäft oder der Schifffahrt. Ihre komplexe Struktur hat viele Investoren abgeschreckt, umso größer war die Überraschung über den Einstieg Buffetts. "Die fünf großen Handelshäuser haben viele Joint Ventures in der ganzen Welt und werden wahrscheinlich noch mehr haben", sagte der 90-Jährige. "Ich hoffe, dass es in der Zukunft Gelegenheiten zum gegenseitigen Nutzen geben wird."

Die Nachricht vom Einstieg der Investorenlegende trieb die Aktien von Marubeni  und Sumitomo  am Montag mehr als 9 Prozent in die Höhe, Mitsubishi  und Mitsui  legten über 7 Prozent zu. Itochu  stieg um 4,2 Prozent auf ein Rekordhoch. Doch trotz der Kursanstiege notieren bis auf Itochu, die sich stärker auf das Geschäft mit Verbrauchern konzentrieren, alle Konzerne unter ihrem Buchwert. Norihiro Fujito, Investmentstratege von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities in Tokio, erklärte, die niedrige Bewertung könnte Buffett zum Einstieg veranlasst haben. Aber selbst für Buffett sei es ungewöhnlich, gleich in alle fünf Handelshäuser zu investieren, anstatt einige auszuwählen.

Buffett denkt noch lange nicht ans Aufhören

Obwohl die japanische Wirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten größtenteils langsam gewachsen ist und sich seit Ende letzten Jahres in einer Rezession befindet, haben die fünf Unternehmen weltweit investiert und weisen hohe Cash-Reserven auf. Ihr Preis-Leistungs-Verhältnis liegt in den meisten Fällen weit unter dem Durchschnitt der Märkte in den USA und Japan.

Buffetts Beteiligungsgesellschaft besitzt mehr als 90 Unternehmen, darunter die Eisenbahngesellschaft BNSF und den Autoversicherer Geico. Zudem ist Berkshire an Dutzenden Unternehmen, darunter Apple, Bank of America oder Coca-Cola beteiligt. Allein die Beteiligung an Apple war zuletzt 125 Milliarden Dollar wert.

Ans Aufhören denkt "Orakel von Omaha" auch mit 90 Jahren noch nicht. Solange er an seiner Arbeit so viel Spaß habe, dass er den Tag im Büro am liebsten mit einem Stepptanz beginnen würde, sehe er keinen Anlass für einen Ruhestand, erklärte er jüngst. Dennoch sei das Unternehmen 100-prozentig auf ein Ableben von Buffett und seinem Senior-Partner Charlie Munger (96) vorbereitet. Die jüngeren Berkshire-Manager Ajit Jain (69) und besonders Greg Abel (59) gelten als große Favoriten, eines Tages die Nachfolge anzutreten. Auch Ted Weschler (58) und Todd Combs (49) zählen zum Kreis der möglichen Nachfolger:

Zwei mögliche Buffett-Nachfolger: Greg Abel (links) und Ajit Jain

Zwei mögliche Buffett-Nachfolger: Greg Abel (links) und Ajit Jain

Foto: Bloomberg via Getty Images

Die Sechs-Milliarden-Dollar-Inestition minimiert den Anlagedruck auf Berkshire Hathaway nur geringfügig - schließlich sitzt die Investmentgesellschaft derzeit auf Cash-Reserven von knapp 147 Milliarden Dollar. Ein Rekord. Mit Bargeld lässt sich aber kaum Rendite machen, zumal die Zinsen derzeit besonders gering sind. So müssen die Investoren weiter auf den richtigen Mega-Deal warten.

mg/Reuters/ap
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