Chefwechsel Bob Iger kehrt zu Disney zurück

Vor weniger als einem Jahr trat er als Disney-Chef ab, nun kehrt Bob Iger an die Spitze des Unterhaltungskonzerns zurück. Laut Aufsichtsrat hat der 71-Jährige das beste Rezept gegen die jüngsten Verluste.
Krisenmanager: Bob Iger will "das Unmögliche erreichen"

Krisenmanager: Bob Iger will "das Unmögliche erreichen"

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Jordan Strauss/ AP

Überraschendes Comeback: Bei Disney übernimmt der langjährige frühere Chef Bob Iger (71) wieder die Geschäfte. Iger habe sich bereit erklärt, noch einmal für zwei Jahre die Führung zu übernehmen, teilte Disney in der Nacht mit. Er war zuvor 15 Jahre lang Disney-Chef gewesen. Sein Nachfolger Bob Chapek (62) sei zurückgetreten, hieß es.

Disney hatte zuletzt weiter starkes Wachstum im wichtigen Streaminggeschäft verbucht, leidet jedoch unter hohen Kosten. Der jüngste Quartalsgewinn verfehlte die Erwartungen der Börse. Chapek kündigte daraufhin Sparmaßnahmen wie einen Einstellungsstopp und einen Stellenabbau an.

Diesen Monat hatte Chapek dennoch enttäuscht, als die jüngsten Geschäftszahlen anhaltende Verluste im Streaminggeschäft inklusive Disney+ zeigten. Grund sind die hohen Kosten für aufwendig produzierte Filme und Serien, die bisher nicht von den Abo-Erlösen eingespielt werden.

Disney ist in diesem Jahr zudem auch noch ins Visier aggressiver Investoren geraten, die sich bei Unternehmen einkaufen und dann Veränderungen fordern. So forderte der Milliardär Dan Loeb (60) zeitweise, den Sportsender ESPN abzustoßen.

Iger hatte den Riesenkonzern Disney unter anderem durch den Kauf der Firmen hinter der "Star Wars"-Serie und der "Marvel"-Filme noch größer gemacht. Chapek, der zuvor für die Themenparks zuständig war, hatte 2020 als von Iger selbst bevorzugter Nachfolger übernommen. Zuletzt lagen sie aber laut Medienberichten im Streit.

Der Sender CNBC berichtete, die Spannungen hätten schon frühzeitig mit einem Interview Igers angefangen, in dem dieser Chapek Unterstützung beim Meistern der Corona-Pandemie zugesichert hatte. Der neue Chef habe sich jedoch dadurch von seinem mächtigen Vorgänger bevormundet gefühlt, hieß es unter Berufung auf Insider. Iger war da auch noch als Vorsitzender des Verwaltungsrates Chapeks Chefaufseher und verließ diesen Posten erst vor elf Monaten.

Ärger wegen Gesetz zu sexueller Orientierung

"Der Aufsichtsrat ist zu dem Schluss gekommen, dass Bob Iger in einer zunehmend komplexen Phase der Transformation der Branche die besten Voraussetzungen mitbringt, um das Unternehmen durch diese entscheidende Phase zu führen", teilte Aufsichtsratschefin Susan Arnold (68) nun mit.

Erst im Juni hatte der Aufsichtsrat von Disney einstimmig beschlossen, Chapeks Vertrag um drei Jahre zu verlängern – obwohl es noch weitere Kritik an seiner Führung gab. Zumindest als unglücklich galt jüngst jedenfalls Disneys Vorgehensweise in einem Streit mit der Schauspielerin Scarlett Johansson (37). Sie verklagte den Konzern wegen entgangener Einnahmen, nachdem ihr Film "Black Widow" in der Corona-Pandemie auch online veröffentlicht wurde. Disney konterte, dass Johansson bereits 20 Millionen Dollar bekommen habe. Der Streit wurde außergerichtlich beigelegt, ließ den Konzern aber schlecht dastehen.

Während Chapeks kurzer Amtszeit geriet Disney zudem noch in einen internen Kulturkrieg, nachdem der Manager beschuldigt wurde, zu einem Gesetz in Florida zu schweigen, das die Themen sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität im Unterricht einschränken würde. LGBTQ-Beschäftigte revoltierten.

Iger wandte sich offenbar an die Disney-Beschäftigten: "Ich bin ein Optimist", heißt es in einer Stellungnahme, aus der die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Und wenn er in all seinen Jahren bei Disney eines gelernt habe, dann dass die Beschäftigten "selbst im Angesicht von Ungewissheit – vielleicht sogar besonders im Angesicht von Ungewissheit – das Unmögliche erreichen", heißt es demnach darin.

Für die Mitarbeiter jedenfalls kam der Führungswechsel laut einem Insider überraschend.

apr/dpa/Reuters
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