Airbus A350 wird leichter und teurer

Airbus wird den Langstreckenjet A350 offensichtlich erneut aufwendig umplanen. Das Flugzeug soll nun doch einen Kohlefaserrumpf erhalten, sagte Airbus-Verkaufsvorstand John Leahy. Dadurch erhöhen sich allerdings auch die Entwicklungskosten.

München - Der Flugzeugbauer Airbus könnte einem Pressebericht zufolge das Konzept des Langstreckenfliegers A350 erneut korrigieren. Die Maschine werde anders als bislang vorgesehen nun doch einen Rumpf aus Kohlefasern erhalten, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagausgabe) unter Berufung auf Aussagen von Airbus-Verkaufschef John Leahy. Der Werkstoff bietet viele Vorteile, ist zum Beispiel leichter und fester als Metall. Außerdem sind einzelne Komponenten leichter austauschbar.

Im Frühsommer hatte Airbus den ersten Entwurf für den A350 nach Kritik von Kunden erstmals überarbeitet. Die Kosten für das neue Flugzeug, das dem 787 "Dreamliner" von Boeing  Konkurrenz machen soll, haben sich dadurch aber deutlich auf neun bis zehn Milliarden Euro erhöht. Für den Dreamliner liegen bereits zahlreiche Bestellungen vor, das Flugzeug befindet sich aber noch in der Planungsphase. Airbus und sein Mutterkonzern EADS hatten kürzlich erklärt, noch im November über den Bau des Langstreckenfliegers zu entscheiden.

Unterdessen droht Airbus auch von anderer Seite Ungemach. Die Fluggesellschaft Thai Airways International schließt einem Konzernvertreter zufolge eine Abbestellung der sechs georderten A380 nicht aus. Airbus hatte im Oktober Lieferverzögerungen angekündigt, die den Konzern rund 4,8 Milliarden an künftigen Gewinnen kosten könnten.

"Wir sehen jetzt Verspätungen von 22, 24 Monaten entgegen, das wird natürlich unsere Langzeitplanung beeinflussen", sagte Wallop Bhukkanasut, Vizepräsident der kaufmännischen Abteilung der Thai Airways am Freitag. Auf die Frage, ob die Fluggesellschaft die Bestellung stornieren könnte, antwortete er: "Ich würde nichts ausschließen." Eine Entscheidung solle Anfang nächsten Jahres getroffen werden und hänge auch davon ab, wie die Regierung mit der Situation umgehen wolle. Die Fluggesellschaft befindet sich zu 69 Prozent im Staatsbesitz.

Das Thema A380 beschäftigt gegenwärtig auch die Hamburger Justiz. Eine Zivilkammer des Hamburger Landgerichts verhandelt heute über die Verlängerung der Airbus-Landebahn in Hamburg-Finkenwerder. Es geht in erster Instanz um die Frage, ob die Stadt Hamburg schon vor dem Abschluss der Enteignungsverfahren über ein Grundstück verfügen darf. Diese Möglichkeit ist in der "Lex Airbus" vorgesehen, dem Werkflugplatz-Enteignungsgesetz. Die Airbus-Gegner halten dieses Gesetz für verfassungswidrig und die längere Startbahn für überflüssig. In zwei vorgeschalteten Verfahren hatten Gerichte das Handeln der Stadt als vorläufig rechtmäßig eingestuft.

Wegen der Klagen hat sich der geplante Ausbau der Landebahn bereits um knapp ein Jahr verzögert, es wurde bereits über den Abzug der A380-Produktion aus Hamburg spekuliert. Am Ende kaufte die Hansestadt zahlreiche Grundstücke der Landebahngegner für etliche Millionen Euro, erst im Frühjahr 2006 konnte mit dem Bau begonnen werden. Die verbliebenen Gegner verfügen aber immer noch über ein kleines Grundstück, dass die Stadt Hamburg enteignet hat. Die Landebahngegner argumentieren, dass die Verlängerung der Landebahn wegen der zahlreichen Abbestellungen der Frachtversion des A380 obsolet und die Enteignung deshalb rechtswidrig ist.

So hatte etwa der US-Logistikkonzern FedEx  zehn A380-Frachtversionen abbestellt. Zwar schloss FedEx-Chef Frederick Smith einen späteren Kauf von Großraumflugzeugen dieses Typs nicht aus. "Es könnte durchaus sein, dass wir uns den A380 noch einmal anschauen, wenn er auf dem Markt ist", sagte Smith gestern in Memphis. Jedoch sei es für die kommenden Jahre nahezu unmöglich, verschiedene Großraumjet-Typen von Boeing und Airbus gleichzeitig zu unterhalten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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