Kooperation VW-Tochter Cariad und Bosch entwickeln gemeinsam automatisiertes Fahren

Die VW-Softwaretochter Cariad und der Autozulieferer Bosch bündeln ihre Kräfte bei der Entwicklung des automatisierten Fahrens. Cariad-Chef Dirk Hilgenberg spricht von einem "Riesenschritt" im Wettlauf mit Apple und Tesla.
Cariad: VW muss die Software-Entwicklung beschleunigen

Cariad: VW muss die Software-Entwicklung beschleunigen

Foto: Sven Hoppe / dpa

Die Kooperation zwischen Cariad und Bosch beim Thema automatisiertes Fahren soll Funktionen, die das Fahren zeitweise übernehmen, schneller massentauglich machen, erklärten Bosch und Cariad am Dienstag. Zudem werde eine Software-Plattform für teil- und hochautomatisiertes Fahren entwickelt. Mit der Kooperation werde der Innovationsstandort Deutschland auf einem zentralen Zukunftsfeld der Autoindustrie gestärkt, erklärte Cariad-Chef Dirk Hilgenberg. Als führende Unternehmen der Branche könnten sie einen "Riesenschritt für die Entwicklung des automatisierten Fahrens" erreichen. Volkswagen befindet sich beim Thema automatisiertes Fahren im Wettlauf mit US-Branchengrößen wie Tesla und Apple, die mit ihren Projekten den Angriff auf die deutsche Autoindustrie  fortsetzen. Vor allem Tesla ist derzeit dabei, die Gesetze der Autoindustrie neu zu definieren .

Diesen Angriff wollen Bosch und die VW-Tochter Cariad nun gemeinsam kontern. Erste Funktionen wie das automatische Abstand-Halten sollen in Modellen aller Markengruppen des Volkswagen-Konzerns 2023 eingeführt werden. Sie sollen aber nicht exklusiv für VW sein, sodass Bosch sie auch anderen Kunden anbieten und neue Standards setzen kann, wie Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn erklärte.

1000 Fachleute arbeiten an vorletzter Automatisierungsstufe

Auch komplett fahrerloses Fahren auf festgelegten Strecken wie Autobahnen - nach weltweit gültiger Definition die vierte und vorletzte Automatisierungsstufe - wollen Bosch und Cariad in Angriff nehmen. Sie planen, mehr als 1000 Fachleute aus beiden Häusern an der Software arbeiten zu lassen. Ein Vorteil der Zusammenarbeit sei die über den VW-Konzern verfügbare große Autoflotte, in der künftig permanent Daten gesammelt werden können, um die Technik auszubauen.

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Bosch hatte bis zum vergangenen Jahr an einem ähnlichen Großprojekt mit Daimler gearbeitet. Um Kosten zu teilen und Know-how zu bündeln, hatten die beiden Stuttgarter Unternehmen ab 2018 an der Entwicklung von Robotaxis mit Testflotten in den USA gearbeitet. Daimler hatte Ende 2019 Mittel dafür gestrichen, weil dem Autobauer der Kapitalbedarf zu hoch und die Gewinnaussichten zu unsicher waren. Mitte letzten Jahres hieß es, die Kooperation sei beendet worden.

Im Dezember gab Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz dann bekannt, als erster Hersteller weltweit grünes Licht zum Einsatz hochautomatisierten Fahrens zu haben und es in Deutschland im Luxusmodell S-Klasse im ersten Halbjahr einzuführen.

la/reuters