Zum 1. Mai VW-Betriebsrat Bernd Osterloh wechselt in Traton-Vorstand

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh wechslt als Personalvorstand zur Lkw-Tochter Traton. Stellvertreterin Daniela Cavallo übernimmt seinen Posten im Aufsichtsrat.
Seitenwechsel am 1. Mai: Arbeiterführer Bernd Osterloh wird Vorstand

Seitenwechsel am 1. Mai: Arbeiterführer Bernd Osterloh wird Vorstand

Foto: Fabian Bimmer/ REUTERS

Volkswagen-Betriebsratschef und -Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh (64) verlässt die Konzernzentrale und wird Personalvorstand bei der Nutzfahrzeugtochter Traton. Der Schritt solle bereits kurzfristig zum 1. Mai erfolgen, hieß es am Freitag in Wolfsburg. Es habe ein entsprechendes Angebot gegeben, das der 64-Jährige nun "rechtzeitig" vor der Vorbereitung der nächsten Wahlen für die Belegschaftsvertreter im obersten Kontrollgremium sowie im Betriebsrat des Autobauers annehmen wolle. Diese stehen beide 2022 an - daher werde jetzt ein "Generationswechsel" eingeleitet.

Osterlohs Nachfolgerin soll die bisherige Vizechefin des Konzern- und Gesamtbetriebsrats, Daniela Cavallo (46), werden. Das gelte auch für die Aufsichtsratsfunktion: "Nötige Schritte für ihre Bestellung über das Registergericht sind bereits eingeleitet."

Der einflussreiche IG-Metaller Osterloh leitet seit 2005 nicht nur die Mitarbeitervertretung, er ist ebenso Mitglied im innersten Machtzirkel der Volkswagen-Kontrolleure. Auch der wichtige Posten im Aufsichtsratspräsidium muss daher jetzt neu vergeben werden. Osterloh hatte schon zuvor Angebote erhalten, auf die Seite des Managements zu wechseln. Ende 2015 hätte er VW-Personalvorstand werden können, schlug das damals aber aus.

"Ich will noch einmal unternehmerisch gestalten"

"Diese Aufgabe reizt mich", erklärte Osterloh nun. "Ich will noch einmal unternehmerisch gestalten und in den nächsten Jahren ganz konkret mit meiner Arbeit im Vorstand dazu beitragen, dass die Traton SE ihren Weg zu einem 'Global Champion' in der Nutzfahrzeugbranche erfolgreich meistert." Traton mit Sitz in München vereint die Lkw-Marken wie MAN und Scania oder bald auch den US-Zukauf Navistar. Seit Juli 2020 steht an der Spitze der Holding Matthias Gründler (55), der als Hochgeschwindigkeitssanierer  teils auch auf für Volkswagen ungewöhnlich harten Konfrontationskurs zu den Betriebsräten ging.

Osterloh gilt als einer der mächtigsten Arbeitnehmervertreter in Deutschland und hat sich mit Konzernchef Herbert Diess (62) schon einige Auseinandersetzungen geliefert. Der Konflikt um eine von Diess verlangte Vertragsverlängerung hätte den Vorstandsvorsitzenden im vergangenen Jahr beinahe den Job gekostet. Der wochenlange Streit mit dem Betriebsrat war erst durch die Vermittlung von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (70) im Dezember beigelegt worden.

Wolfgang Porsche (77) und Hans Michel Piëch (79) als Sprecher der Großaktionärsfamilien erklärten, "es versteht sich von selbst, dass wir als Anteilseigner im Aufsichtsrat von Volkswagen bei bestimmten Themen andere Schwerpunkte setzten als Herr Osterloh als Betriebsratsvorsitzender". Zugleich stehe seine Qualifikation für den Vorstand wegen "seines unternehmerischen Geschicks und seiner hohen fachlichen Kompetenz" außer Frage. Die Familien erwarteten von Osterloh "einen entscheidenden Beitrag bei der laufenden Restrukturierung im Traton-Konzern".

Daniela Cavallo folgt auf Osterloh

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo muss nun erst in den Aufsichtsrat berufen werden. Statt auf die Hauptversammlung im Juli zu warten, wird sie nun vom Registergericht bestellt. Im nächsten Frühjahr stehen bei Volkswagen Betriebsratswahlen an und auch die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat müssen neu gewählt werden.

Osterloh galt vor einigen Jahren einmal als Kandidat für das Personalressort im Konzernvorstand von Volkswagen, lehnte damals aber ab. Diesen Posten bekam 2018 Gunnar Kilian (46), ein enger Vertrauter des Betriebsratschefs.

Größter VW-Aktionär ist die Holding Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit am weltweit zweitgrößten Autokonzern halten. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent an VW, gefolgt vom Emirat Katar mit 17 Prozent der Stimmrechte. Arbeitnehmer und Kapitalvertreter stellen je die Hälfte der 20 Vertreter im Aufsichtsrat.

ak/dpa-afx, Reuters