Volkswagen-Hauptversammlung VW-Chef Diess konkretisiert Tesla-Angriffspläne

Trotz guter Zahlen gibt es auf der Hauptversammlung von Volkswagen eine Menge Streitthemen. Aktionäre kritisieren zum Beispiel den Schadenersatz-Vergleich, den der Konzern mit Ex-Chef Martin Winterkorn und anderen Ex-Topmanagern geschlossen hat. VW-Chef Herbert Diess konkretisiert unterdessen seine Software-Angriffspläne.
Volkswagen-Chef Herbert Diess: "Mit Cariad wollen wir bis 2030 die führende Software-Alternative zu Tesla und Google entwickeln."

Volkswagen-Chef Herbert Diess: "Mit Cariad wollen wir bis 2030 die führende Software-Alternative zu Tesla und Google entwickeln."

Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hält den Schadenersatz-Vergleich mit Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und weiteren früheren Topmanagern zur Abgasaffäre für angemessen - auch wenn Strafprozesse vor Gerichten noch nicht abgeschlossen sind. "Diese Verfahren stehen dem Abschluss von Vergleichsvereinbarungen nicht entgegen", sagte der Vizevorsitzende des Kontrollgremiums, IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, am Donnerstag zu Beginn der VW-Hauptversammlung.

Mehrere Aktionäre hatten angekündigt, ihre Zustimmung zu dem Entschädigungspaket zu verweigern, weil sie etwa den Umfang der Zahlungen und die Art des Deals kritisieren.

"Angesichts der umfassenden Untersuchung der Dieselthematik ist nicht damit zu rechnen, dass sich aus laufenden Verfahren neue Erkenntnisse ergeben", argumentierte Hofmann. "Daher sind Aufsichtsrat und Vorstand überzeugt, dass es im Interesse von Volkswagen ist, die Vergleichsvereinbarungen zum jetzigen Zeitpunkt abzuschließen."

Die aus Beiträgen von Haftpflichtversicherern und persönlichen Beiträgen der ehemaligen Manager bestehende Gesamtsumme beläuft sich auf gut 288 Millionen Euro. Winterkorn selbst zahlt 11,2 Millionen Euro, Ex-Audi-Chef und -Konzernvorstand Rupert Stadler 4,1 Millionen Euro. "Zwar übersteigt der durch die Dieselthematik entstandene Gesamtschaden von über 32 Milliarden Euro die Beiträge deutlich", so Hofmann. "Dieser Schaden ist aber nur zu einem vergleichsweise geringen Teil Herrn Winterkorn und Herrn Stadler zuzurechnen."

Auch politisch ist der Vergleich umstritten. So kritisierten ihn die Grünen in Niedersachsen als Vorfestlegung, ehe die Rolle der Manager juristisch geklärt sei. Das Land ist zweitgrößter VW-Aktionär. Mitte September beginnt vor dem Landgericht Braunschweig der Diesel-Betrugsprozess gegen Winterkorn und weitere Ex-Führungskräfte.

Volkswagen will mit eigener Software-Sparte Cariad Tesla und Google angreifen

Auf der Online-Hauptversammlung blickt das VW-Topmanagement jedoch auch nach vorne: Die eigene Software-Sparte Cariad zum Beispiel soll mithilfe einer immer stärkeren Durchdringung der VW-Konzernmodelle auch die dominanten US-Tech-Größen Tesla und Google angreifen. Volkswagen geht den Weg zur Techcompany damit weiter voran . Das könne einer der Effekte des angestrebten Ziels sein, innerhalb des laufenden Jahrzehnts ein eigenes Volkswagen-Betriebssystem in etwa 40 Millionen Fahrzeugen der größten europäischen Autogruppe zu nutzen, sagte Vorstandschef Herbert Diess am Donnerstag. "Mit der Cariad wollen wir bis 2030 die führende Software-Alternative zu Tesla und Google entwickeln."

Zunehmende Vernetzung, digitale Dienstleistungen und der Ausbau selbst programmierter Systeme sind neben der Elektromobilität Schwerpunkte in der neuen Strategie der Wolfsburger. Diess geht davon aus, dass auch das autonome Fahren eine wichtige Säule wird. Dessen Anwendung in der Breite werde zudem die Verkehrssicherheit erhöhen: „Heute passieren die meisten Unfälle, weil Fahrerinnen oder Fahrer einen Fehler machen, abgelenkt oder übermüdet sind. Der virtuelle Fahrer wird sehr viel sicherer fahren als jeder Mensch.“ Ethische Themen bei der automatisierten Reaktion auf Unfallsituationen sowie die Entwicklung gesetzlicher Standards werfen aber noch Fragen auf.

Den Umbruch hin zu datengetriebenen Geschäftsmodellen sieht Diess als entscheidend an, damit klassische Autohersteller im Wettbewerb mit Tech-Konzernen insbesondere aus den USA und Asien künftig mithalten können. „Vor uns steht die größte Transformation seit der Umstellung von Pferdekutschen auf Automobile Anfang des 20. Jahrhunderts“, sagte er. "Es ist an der Zeit, dass wir uns neu erfinden."

la/dpa
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