Krankenkassen Experten erwarten steigende Beiträge

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup hat vor höheren Kassenbeiträgen durch die Gesundheitsreform gewarnt. Die Einführung eines Gesundheitsfonds, in den für jeden Versicherten eine Pauschale fließt, stecke ein "erhebliches Risiko".

Berlin - "Es spricht einiges dafür, dass es zu einem Anstieg kommt", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates der "Welt". In der Einführung eines staatlich festgelegten Einheitsbeitragssatzes stecke ein erhebliches politisches Risiko.

In den Gesundheitsfonds sollen ab 2009 die Beitragseinnahmen der gesetzlichen Krankenkassen fließen. Der Fonds zahlt dann an die Kassen für jeden Versicherten eine Pauschale.

Rürup befürchtet, dass die Gesundheitsreform zu dramatischen Wettbewerbsverzerrungen führen wird. Krankenkassen müssten umso höhere Zusatzbeiträge erheben, je mehr einkommensschwächere Mitglieder sie haben. "Daraus erwächst ein gesundheitspolitisch perverser Wettbewerb um gute Einkommen, und Kassen können nur aufgrund ihrer ungünstigen Versichertenstruktur pleitegehen."

"Unmut wird die Regierung in jedem Fall ernten", sagte Rürup. "Denn ganz gleich, wie sie den allgemeinen Beitragssatz festsetzt, es werden immer diejenigen aufschreien, die mehr als zuvor zahlen müssen." Rürup rief die Bundesregierung zu raschem Handeln auf: "Hier sollte die Regierung schnellstens eine Notoperation vornehmen und den sozialen Ausgleich bei Überforderungen von der Solidargemeinschaft der Mitglieder aller Kassen über den Fonds finanzieren."

Durchschnittsbetrag bei knapp 15 Prozent

Der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, erwartet laut "Handelsblatt" zudem steigende Beiträge für die Versicherten. Als Gründe nannte er die schwächere Konjunktur sowie steigende Gesundheitsausgaben. Auch hätten viele Kassen zum 1. Januar ihre Beiträge nicht so erhöht, wie es zur Deckung der erwarteten Ausgaben erforderlich gewesen wäre.

Zu Jahresbeginn hatten 63 Kassen ihre Beiträge angehoben, 17 Kassen dagegen ihre Sätze gesenkt. Unter dem Strich stieg dadurch der Durchschnittbeitrag aller Kassen um 0,6 Punkte auf 14,82 Prozent.

Kailuweit erwartet einen weiteren Anstieg auf Werte zwischen 15,3 und 15,5 Prozent bis zum Jahresende. Die Arzneimittelausgaben seien in den ersten beiden Monaten bereits zweistellig gewachsen.

manager-magazin.de mit Material von ddp