Managergehälter "Kritik zeigt Wirkung"

Die Vorstandsbezüge sind laut einer Kienbaum-Prognose auch 2007 deutlich gestiegen: um durchschnittlich 18 Prozent. Alexander von Preen, Geschäftsführer der Unternehmensberatung, erklärt im Interview, wie die Konzerne auf die öffentliche Debatte reagieren - und warum die Zeit der großen Zuwächse vorbei sein könnte.

mm.de: Herr von Preen, nach Ihren Prognosen sind die Bezüge der Vorstände in den 100 größten deutschen Aktiengesellschaften 2007 wieder kräftig gestiegen - und zwar um durchschnittlich 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein satter Zuwachs. Geht die Debatte über Selbstbedienung in den Chefetagen, die ja gerade auch im Zuge der Zumwinkel-Affäre wieder hochgekocht ist, spurlos an der Wirtschaftselite vorbei?

von Preen: Nein, das kann man nicht sagen. Die Unternehmen reagieren sehr wohl darauf. Sie verstehen, dass sie gesellschaftlich an Akzeptanz verlieren - gerade jetzt angesichts der Liechtenstein-Razzien. Vorstände und Aufsichtsräte machen sich sehr wohl Gedanken.

mm.de: Offenkundig mit dem Ergebnis, dass die Gehälter immer noch zu niedrig sind. Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne verdienten 2006 im Schnitt 4,3 Millionen Euro. Nach Ihrer Prognose wären es jetzt fünf Millionen. Ist so viel Geld angemessen?

von Preen: Man muss das differenziert betrachten. Hinter dem durchschnittlichen Anstieg um 18 Prozent verbirgt sich eine breite Streuung. Erhöhungen gibt es nach unseren Prognosen in 73 Prozent der Unternehmen, bei etwa einem Viertel der Unternehmen ist sogar ein Plus von mehr als 30 Prozent drin.

mm.de: Und beim restlichen Viertel rechnen Sie mit Kürzungen?

von Preen: Exakt. Bei einem Zehntel der Firmen fallen die Bezüge sogar um mehr als 20 Prozent. Sie sehen also eine große Differenzierung - je nach Erfolg des Unternehmens im abgelaufenen Geschäftsjahr. Übrigens, wenn man sich nur die Dax-30-Unternehmen anschaut, dann ist dieser Effekt sogar noch größer: In 60 Prozent der Firmen werden die Vorstände für das Geschäftsjahr 2007 mehr Geld bekommen, aber bei 40 Prozent werden die Gehälter gekürzt.

mm.de: Wer gewinnt, wer verliert?

von Preen: Auf der Gewinnerseite stehen natürlich Unternehmen, die im abgelaufenen Geschäftsjahr viel Geld verdient haben, beispielhaft ist hier der Maschinenbau. Verlierer gibt es vor allem bei den Finanzdienstleistern, jedenfalls dort, wo im Zuge der Subprime-Krise die Gewinne eingebrochen sind. Dass sich Vorstandsgehälter eng am Ergebnis orientieren, ist den Firmenführungen inzwischen sehr wichtig: um die richtigen Anreize zu setzen - und um die Höhe der Bezüge plausibel nach außen vertreten zu können.

"Orientierung an qualitativen Zielen"

mm.de: Das heißt, es gibt weniger fixes Grundgehalt, während variable, ertragsabhängige Anteile ausgebaut werden?

von Preen: So ist es. Sie sehen also: Die öffentliche Kritik zeigt Wirkung.

mm.de: Aber das reicht ja nicht aus. Unternehmen sollen auch sozial verantwortlicher handeln und ihre Corporate Social Responsiblity stärken. Gleichzeitig orientieren sich die Gehälter der Topmanager immer stärker an reinen Finanzkennzahlen. Mit solchen Anreizen kommen wir nicht aus der Vertrauenskrise, die wir in unserer aktuellen Titelgeschichte "Zerstört der Superkapitalismus die Demokratie?" im manager magazin 3/2008 analysieren, welche die Wirtschaft derzeit plagt.

von Preen: Das ist in der Tat ein Problem. Das Topmanagement wird seine gesellschaftliche Verantwortung umso eher wahrnehmen, je mehr es sich auch finanziell lohnt. Und die Konzerne erkennen das auch zunehmend. Sie stellen ihre Bonussysteme entsprechend um, Vorstandsgehälter werden sich in Zukunft nicht mehr am reinen Ertrags- und Umsatzwachstum orientieren, sondern auch verstärkt an qualitativen Vorgaben: strategischen Zielen, Innovationsfähigkeit, Umweltschutz, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit. All das wird sich künftig stärker in den Gehältern niederschlagen.

Aber: Letztlich sind es immer der Markt, Angebot und Nachfrage, und natürlich die individuelle Situation eines Unternehmens, die Parameter für die Bemessung der Vorstandsgehälter sind. Diese Situationen richtig einzuschätzen und auf Augenhöhe mit den Vorständen zu verhandeln, ist originäre Aufgabe des Aufsichtsrats und hier insbesondere des Personalausschusses. Darum kommt der richtigen Besetzung des Gremiums so große Bedeutung zu.

mm.de: Aber unter dem Strich bleibt es dabei: Die Managergehälter steigen weiter, nur jetzt mit anderen Argumenten?

von Preen: Das werden wir sehen. Sollten wir eine merkliche Abkühlung der Weltkonjunktur bekommen, die die Gewinne auf breiter Front sinken lässt, dann werden auch die Vorstandsbezüge sinken. Bei den Grundbezügen wird sich meiner Einschätzung nach dieses Jahr nicht viel tun: Diese werden alle zwei bis drei Jahre zwischen dem jeweiligen Vorstandsmitglied und dem Aufsichtsrat neu ausgehandelt. Ich denke, die werden ziemlich konstant bleiben, niedriger als die Lohnsteigerungen, die dieses Jahr bei den Tarifverhandlungen herauskommen werden - wo der Pilotabschluss der IG Metall ja mit über 5 Prozent meines Erachtens sehr hoch ausgefallen ist und nun die Richtung vorgibt.

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