Deutsche Bank Topgehälter bleiben vorerst unter Verschluss

Die Deutsche Bank wehrt sich gegen ein Urteil, das die Ehefrau des Ex-Kunden Leo Kirch erstritten hat: Die Bank muss das Gehalt ihres erweiterten Vorstands offen legen. Mit der Berufung hofft das Institut, auch um die Antwort auf die Frage herumzukommen, ob wirklich 200 Bankangestellte mehr verdienen als Josef Ackermann, der Chef.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank will gegen die Entscheidung des Frankfurter Landgerichts, wonach sie die Gehälter von Topmanagern offen legen muss, Berufung einlegen. Das teilte die Bank am Montag in Frankfurt mit. Das Gericht hatte im Zusammenhang mit einer von der Ehefrau des früheren Medienunternehmers Leo Kirch eingereichten Auskunftsklage entschieden, dass die Deutsche Bank auf drei von 15 Aktionärsfragen, die auf der Hauptversammlung 2004 gestellt wurden, konkrete Antworten vorlegen muss.

Der Entscheid betrifft die Frage nach den Gesamtbezügen - nicht jedoch den einzelnen Gehältern - der Mitglieder im so genannten Group Executive Committee (GEC) sowie deren Aktienbesitz. Dem Gremium gehören elf Topmanager der Bank an, die für bestimmte operative Geschäftsbereiche verantwortlich sind. Dazu zählen auch die obersten Investmentbanker, die in erfolgreichen Jahren laut Branchenangaben Gehaltsboni in zweistelliger Millionenhöhe einstreichen.

Beantworten soll die Deutsche Bank auch die auf dem Aktionärstreffen offen gebliebene Frage, ob es stimmte, dass 200 Manager der Bank mehr als Vorstandssprecher Josef Ackermann (2003: 11,1 Millionen Euro) verdienen. "Weder das Aktienrecht noch der Corporate-Governance-Kodex kennen eine Auskunftspflicht unterhalb des Vorstandes", sagte ein Sprecher der Bank zur Begründung, warum das Finanzhaus in dem Fall vor das Oberlandesgericht Frankfurt ziehen will.

Der Corporate-Governance-Kodex besteht aus Empfehlungen zur transparenteren Unternehmensführung und sieht vor, dass die Vergütung der jeweiligen Vorstandsmitglieder einzeln ausgewiesen wird. Die Deutsche Bank kommt diesem Vorschlag für ihren vierköpfigen Vorstand nach, nicht jedoch fürs GEC.

Kirch hat verschiedene Klagen bei Gerichten im In- und Ausland gegen die Deutsche Bank eingereicht. Auslöser des Zwists waren Äußerungen des früheren Vorstandssprechers Rolf Breuer über die mangelnde Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe. Aus Sicht von Kirch löste der Bankmanager damit den Zusammenbruch des Medienkonzerns aus. Eine Entscheidung in letzter Instanz steht noch aus.

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