Montag, 24. Juni 2019

Vorstandsgehälter Wie viel verdienen Sie, Frau Ministerin?

Was in den USA und Großbritannien längst üblich ist, stößt hier zu Lande auf erheblichen Widerstand. Noch immer wollen viele Konzernchefs ihre Bezüge nicht individuell offen legen. Im Interview mit manager-magazin.de kritisiert Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Verweigerer und nennt erstmals Details einer möglichen Zwangslösung.

mm.de:

Frau Bundesjustizministerin Zypries, wie war Ihre erste Reaktion auf den ungewohnten Beistand Ihres politischen Gegners Edmund Stoiber?

 Brigitte Zypries (SPD) wurde nach der Wiederwahl Gerhard Schröders zum Bundeskanzler im September 2002 zur Bundesjustizministerin berufen. Zuvor war die 50-jährige Juristin dort bereits Staatssekretärin. Ihre Karriere ist eng mit dem politischen Aufstieg Schröders verknüpft, der sie 1991 als damaliger Ministerpräsident von Niedersachsen in die Hannoveraner Staatskanzlei holte.
axentis.de / G. J. Lopata
Brigitte Zypries (SPD) wurde nach der Wiederwahl Gerhard Schröders zum Bundeskanzler im September 2002 zur Bundesjustizministerin berufen. Zuvor war die 50-jährige Juristin dort bereits Staatssekretärin. Ihre Karriere ist eng mit dem politischen Aufstieg Schröders verknüpft, der sie 1991 als damaliger Ministerpräsident von Niedersachsen in die Hannoveraner Staatskanzlei holte.
Zypries: Gegen Beistand habe ich nichts einzuwenden. So kurzfristig, wie Herr Stoiber allerdings die Gesetzesänderung will, geht das aber natürlich nur in kühnen Presseäußerungen der Opposition.

mm.de: Sie selbst hatten angekündigt nach Ablauf der HV-Saison 2004 die Entscheidung zu treffen, ob die Offenlegung der Managergehälter per Gesetz erzwungen wird oder nicht. Die HV-Saison ist beendet, Stoiber und jüngst auch SPD-Fraktionsvize Joachim Poß wollen schon im Herbst handeln. Warum gewähren Sie den Konzernlenkern ein weiteres Jahr Aufschub bis Mitte 2005?

Zypries: Bei der individuellen Offenlegung der Managergehälter geht es um einen Bewusstseins- und Kulturwandel, dem ich noch etwas Zeit geben will. Wenn sich die Kodex-Akzeptanz bis Mitte 2005 nicht wesentlich verbessert hat, lege ich einen Gesetzentwurf zur Offenlegung der Einzelvergütung vor.

mm.de: Wie bewerten Sie die Weigerung der meisten großen Konzerne, die individuellen Gehälter ihrer Vorstandsmitglieder offen zu legen? Immerhin hat sich die Wirtschaft im Corporate-Governance-Kodex dazu verpflichtet.

Zypries: Diese Verweigerungshaltung der Manager ist unklug. In den Vorständen muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass ethisch-moralische Grundsätze der Überbau für unternehmerische Entscheidungen sind. Wer sein Geld wirklich verdient hat, hat auch nichts zu verbergen. Unternehmerische Exzellenz verträgt Transparenz.

mm.de: Bundesfinanzminister Hans Eichel unterstützt Ihre Pläne und hat angekündigt, dass Unternehmen mit Bundesbeteiligung mit gutem Beispiel vorangehen sollen. Warum geschieht das erst jetzt?

Zypries: Teilweise fallen diese Unternehmen nicht unter den Kodex, weil sie nicht börsennotiert sind. Ich begrüße sehr, dass Unternehmen mit Bundesbeteiligung jetzt ein klares Signal für Transparenz setzen.

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