Corporate Governance Köhler fordert "Maß und Mitte"

Der Streit um Vorstandsbezüge geht in die nächste Runde. Bundespräsident Horst Köhler hat sich dafür ausgesprochen, die Managergehälter zu veröffentlichen. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter vermisst gar das soziale Engagement der Konzernlenker.

Hamburg/Frankfurt am Main - Der "Bild am Sonntag" sagte Köhler: "Die Vorstandsbezüge aller Aktiengesellschaften sollten offen gelegt werden." Man könnte dabei mit den 30 großen Unternehmen im Dax beginnen. Natürlich werde es immer Ungleichheiten in den Einkommen geben. "Aber von Vorbildern erwarte ich, dass sie Maß und Mitte kennen", betonte der Bundespräsident.

Ehemalige Vorstandsvorsitzende von Aktiengesellschaften sollten nach Auffassung des Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, nicht den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen.

Braun sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", beide Ämter müssten künftig generell voneinander getrennt werden. Das trüge zu einer verbesserten Kontrolle der Vorstands bei, verhindere, dass Aufsichtsräte und Management einander hohe Gehälter gewährten zu Lasten der Aktionäre. Und dies sei einem gesetzlichen Zwang vorzuziehen: "Von einem Gesetz zur Offenlegung der Managergehälter halte ich nichts."

Der Vorstandsvorsitzende des Pharma- und Chemiekonzerns Altana , Nikolaus Schweickart, kritisiert die mangelnde Bereitschaft vieler Dax-Unternehmen, den Corporate-Governance-Kodex für freiwillige Transparenz und Selbstkontrolle vollständig anzuwenden. In einem Interview des Nachrichtenmagazins "DER SPIEGEL" appellierte er an jene Vorstandschefs, die ihre Bezüge noch immer nicht aufschlüsseln, "mehr Offenheit zu wagen und die Sache sehr viel gelassener zu diskutieren, als dies derzeit der Fall ist".

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank , Norbert Walter, hat den Deutschen bei der Diskussion um Managergehälter eine "regelrechte antimarktwirtschaftliche Grundhaltung" vorgehalten. Führungskräfte müssten nach Marktgesetzen bezahlt werden, sagte Walter der "Börsen-Zeitung" (Samstagausgabe). Wer meine, zu wenig zu verdienen, solle den Beruf wechseln. Allerdings sollten hoch bezahlte Manager ihr Gehalt stärker für gute Zwecke wie zum Beispiel Stiftungen und Sponsorenschaft einsetzen. Außerdem dürften sie bei schlechter Leistung keinen Bonus erhalten.

Der Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, sprach in der "Stuttgarter Zeitung" von Auswüchsen, die es teilweise gegeben habe. Hundt sagte: "Es kann nicht sein, dass der Wert eines Unternehmens deutlich sinkt und die Gehälter des Vorstandes exorbitant steigen." Nach seiner Einschätzung handelt es sich hierbei jedoch um Einzelfälle.

Die Vorstände der Deutschen Bahn und der KfW-Bankengruppe wollen die Bezüge ihrer Vorstände mit dem Geschäftsbericht 2004 detailliert offen legen. Das sagte ein Sprecher des Finanzministeriums dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Finanzminister Hans Eichel verlange, dass sich alle wichtigen Unternehmen mit Bundesbeteiligung an die freiwilligen Transparenzvorschläge der Wirtschaft halten.

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