Managerbezüge Gesetzlicher Deckel gefordert

In der Debatte um hohe Manager-Gehälter hat der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel eine Obergrenze gefordert. Edzard Reuter, ehemals Vorstandschef bei Daimler-Benz, will notfalls gesetzliche Beschränkungen. Doch die Bundesregierung lehnt ab.

Berlin - Trotz der zunehmenden Kritik an der Höhe von Managergehältern in Deutschland will die Bundesregierung nicht gesetzlich eingreifen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) setzt zunächst einmal darauf, dass sich die Höhe der Bezüge dadurch regulieren wird, indem sie von den Unternehmen öffentlich gemacht werden.

Die Sprecherin von Zypries verwies am Mittwoch darauf, dass die Veröffentlichung von Managergehältern Inhalt eines Verhaltenskodexes für Unternehmensführung sei, an den sich die Firmen in Deutschland seit 2003 bereits halten sollen. Zypries habe in jüngster Vergangenheit aber auch deutlich gemacht, dass sie mit der Befolgung dieser Regelungen noch nicht zufrieden sei. Sie wolle aber die Entwicklung zunächst noch ein Jahr abwarten, bis sie eine Neubewertung vornehme.

Es sei aber in keinem Fall an eine gesetzliche Festlegung von Höchsteinkommen gedacht, sagte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Im Extremfall könnte aber die Offenlegungspflicht noch verbindlicher gemacht werden als zur Zeit.

Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ist gegen eine gesetzliche Höchstgrenze von Managergehältern. "Von gesetzlichen Regelungen halte ich nichts", sagte er am Mittwoch. In Zeiten von Tarifkürzungen seien vielmehr freiwillige Angebote von Vorständen nötig.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel lobte den angekündigten Gehaltsverzicht von Top-Managern. Jeder müsse seinen Betrag zu mehr Beschäftigung leisten, sagte Merkel am Mittwoch. Sie sei froh über entsprechende Ankündigungen bei DaimlerChrysler. Arbeitnehmern sei es nicht zu vermitteln, dass ihre Gehälter gekürzt würden, während sich Chefs in gut gehenden Unternehmen einen Zuschlag gönnten.

Forderungen nach gesetzlicher Höchstgrenze

Orientierung am Facharbeiter

Zuvor hatte sich der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel in der Sache zu Wort gemeldet und eine Obergrenze gefordert, die sich am Facharbeiterlohn orientiert. Die Bezüge von Vorstandsmitgliedern sollten bei der hundertfachen Lohnsumme eines Facharbeiters gedeckelt werden, sagte Vogel der "Berliner Zeitung".

In der Vergangenheit habe ein Vorstandsvorsitzender in der Regel das 20- oder 30-fache eines Facharbeiters verdient. Dass nun teils das 200- bis 370-fache bezahlt werde, sei maßlos und bedürfe der Korrektur. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp verdiente 2003 5,44 Millionen, das ist etwa das 130-fache eines Mercedes-Bandarbeiters, der im Schnitt 41.930 Euro pro Jahr bekommt.

Auch der ehemalige Daimler-Benz-Vorstandschef Edzard Reuter hat sich in die Debatte eingeschaltet und eine Begrenzung der Managerbezüge notfalls per Gesetz gefordert. Manche der heutigen Gehälter seien unmoralisch und ethisch nicht mehr begründbar, sagte Reuter im Deutschlandfunk.

Sollte es zu keine Selbstverpflichtung der Manager geben, müsse der Gesetzgeber eingreifen und Höchstgrenzen festlegen. Das sei zwar schwierig, aber möglich. Reuter war einst Vorstandschef beim Autobauer Daimler-Benz, der später im DaimlerChrysler-Konzern aufging.

Die Höhe der Gehälter mancher Manager in Deutschland war bereits zuvor in der Öffentlichkeit teils scharf kritisiert worden. Einige Wirtschaftsfachleute hatten indes wiederholt argumentiert, die Management-Gehälter in Deutschland seien im internationalen Vergleich eher niedrig und eine noch geringere Bezahlung könne die Bereitschaft internationaler Spitzenkräfte mindern, bei deutschen Unternehmen anzuheuern.

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