Vorstandsgehälter Krankenkassen legen Bezüge der Topmanager offen

Die Chefs der rund 300 deutschen Krankenkassen müssen - so verlangt es die Gesundheitsreform - bekannt geben, wie hoch ihre Gehälter sind. Erste Zahlen liegen jetzt vor. Überraschend ist dabei die Spannbreite der Bezugssummen.

Berlin - Elis Huber lieg deutlich unter dem Schnitt. Der Vorstandschef der Securvita BKK verdient viele zehntausende Euro weniger als seine Kollegen bei größeren Kassen. Im vergangenen Jahr bezog er exakt 104.814 Euro.

Offiziell müssen die Vorstände der rund 290 Kassen in Deutschland ihre Bezüge erst kommende Woche offen legen. Die Gehälter werden im Bundesanzeiger veröffentlicht. Elis Huber ist einer derjenigen, die die Höhe ihrer Gehälter schon vor dem Fristtermin bekannt gegeben haben.

Nach einer ersten, noch unvollständigen Übersicht vom Freitag verdienen die Vorstandsvorsitzenden der großen Kassen 165.000 bis 221.000 Euro brutto jährlich. Bei den kleineren Kassen, vor allem vielen BKKs, liegen die Gehälter deutlich darunter.

221.000 Euro für den DAK-Chef

Nach Auskunft der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) verdient ihr Vorstandschef Hansjoachim Fruschki jährlich 221.000 Euro, Aufwandsentschädigungen inklusive. Seine beiden Stellvertreter erhalten demnach ein Bruttogehalt von jeweils 210.000 Euro. Bei der Techniker Krankenkasse erhält der Vorstandsvorsitzende Norbert Klusen 216.730 Euro im Jahr - seine Stellvertreter verdienen 198.835 und 170.000 Euro.

Die drei Vorstandsmitglieder des Branchenführers Barmer Ersatzkasse erhalten einheitlich nach Informationen der "Bild"- Zeitung 185.000 Euro im Jahr. Erst mit einigem Abstand folgt der Chef der Gmünder Ersatzkasse, Dieter Hebel. Die Ersatzkasse zahlt ihrem Vorstand 165.184 Euro im Jahr. Sein Stellvertreter erhält rund 155.000 Euro. Der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, Ingo Kailuweit, verdiene in diesem Jahr 183.300 Euro, teilte die Kasse mit.

Ausdruck der Neidgesellschaft?

Bei zahlreichen Vorständen stößt die neue Pflicht zur Gehaltstransparenz auf heftige Kritik. Einige Kassen wie etwa die Deutsche BKK in Wolfsburg wollten die Vorstands- Gehälter nicht vor der Veröffentlichung im Bundesanzeiger bekannt geben. Im vergangenen Jahr war Kritik an überhöhten Bezügen von Kassenvorständen laut geworden. Das Bundesversicherungsamt hatte damals jedoch gesagt, bei einer Überprüfung von rund 120 Kassen seien nur bei neun Fälle von überhöhten Bezügen festgestellt worden.

Die Chefin der AOK Niedersachsen, Christine Lüer, sagte zu der Offenlegungs-Pflicht: "Ich halte das für nicht in Ordnung." Andere Unternehmen und Organisationen müssten die Gehälter einzelner Vorstandsmitglieder auch nicht offen legen. Diese neue Verpflichtung für die gesetzlichen Krankenkassen sei auch Ausdruck der Neidgesellschaft in Deutschland. Die Offenlegung der Gehälter haben "keinen Nutzen und keinen Sinn". Lüer verdient im Jahr 180.000 Euro.

Die KKH befürwortet dagegen die Pflicht zu einer Offenlegung der Gehälter. "Da kann man überhaupt nichts dagegen haben, wieso sollen wir das unter der Decke halten", sagte das KKH-Vorstandsmitglied Rudolf Hauke. Er bekomme ein Jahresgrundgehalt von 177.300 Euro: "Wir haben unser Haus geordnet. Wir sind bis zu den Vorstandsgehältern sauber."

Mehr lesen über