Mittwoch, 19. Februar 2020

Vorstandsgehälter Wer sein Geld wert ist - und wer nicht

Verdienen die Topmanager, was sie verdienen? Ein Leistungstest des manager magazins weckt größte Zweifel. Bei zahlreichen Vorständen der deutschen Großkonzerne klafft ein großes Loch zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Hamburg - Seit einigen Jahren scheinen die Vorstandsbezüge in Großunternehmen jedem gängigen Maß enthoben. Jahrzehntelang galten eherne Regeln etwa der Art, dass der Chef nicht mehr verdienen sollte als das 20fache eines mittleren Angestellten. Heute jedoch liegt der Faktor mitunter beim 40-, 60- oder gar 100fachen.

 Vorstandsgehälter: Stimmt das Verhältnis zwischen Leistung und Einkommen? Eine Studie enttarnt überbezahlte Manager.
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Vorstandsgehälter: Stimmt das Verhältnis zwischen Leistung und Einkommen? Eine Studie enttarnt überbezahlte Manager.
Umso mehr stellt sich die Frage: Sind die Spitzengehälter durch Leistung gedeckt? Stehen die Bezüge des Vorstands, wie es das Aktiengesetz fordert, "in einem angemessenen Verhältnis zu seinen Aufgaben und zur Lage der Gesellschaft"?

Die Analyse des Finanzmarkt-Experten Reinhart Schmidt, Professor an der Universität Halle-Wittenberg, bringt mehr Trennschärfe in die Diskussion. Sein systematischer Vergleich von Gehältern und Erfolg führt zu durchaus überraschenden Schlüssen.

Die Grenze zwischen maßlos und vertretbar verläuft nicht unbedingt zwischen jenen Führungskadern, die besonders viel verdienen, und jenen, die bescheidener entlohnt werden; sie verläuft vor allem zwischen denen, die Werte schaffen, und jenen, die Werte vernichten.

Auch Spitzenverdiener können in Schmidts Leistungstest bestehen, sofern die Performance stimmt. Das zeigt der Fall Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen: Obwohl das Management des elitären Geldhauses im Jahr 2001 das höchste Salär im Vergleich aller Dax-Konzerne kassierte, landet das Unternehmen im Mittelfeld der Rangliste.

DaimlerChrysler profitierte vom schlechten Vorjahr

Den besten so genannten Pay-Perfomance-Indikator im Jahr 2001 weist SAP Börsen-Chart zeigen auf. Den Badenern gelang es 2001, entgegen dem Markttrend den Aktienkurs zu steigern.

Auch der Zweitplatzierte, Eon Börsen-Chart zeigen, überzeugte die Börse. Bei der Vergütung der Vorstände blieben beide Unternehmen mit jeweils gut acht Millionen Euro im Rahmen. Den drittbesten Pay-Performance-Indikator erreicht DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen.

Konzernlenker Jürgen Schrempp kam ironischerweise das Versagen im Vorjahr zugute, als der Kurs stark eingebrochen war. 2001 konnte das Daimler-Papier wieder zulegen. Das reicht sogar aus, um das dritthöchste Vorstandssalär aller Dax-Werte zu kompensieren.

Am Ende der Skala rangieren drei Unternehmen, die an der Börse erfolglos blieben und deren Topmanager gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Gehälter einstrichen.

Die Münchener Finanzkonzerne enttäuschen

Beim Drittletzten, der HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen, war der Wertverfall an der Börse eklatant. Nur die krisengebeutelte Lufthansa Börsen-Chart zeigen büßte 2001 relativ noch mehr Wert ein - die Airline-Vorstände blieben jedoch, anders als die Banker, in puncto Gehalt am Boden.

Beim Vorletzten, der Allianz Börsen-Chart zeigen, macht sich der Einbruch nach dem 11. September bemerkbar. Hinzu kommen Zweifel, ob die Übernahme der Dresdner Bank richtig war.

Am Ende, weit abgeschlagen, die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen. Nur ein kräftiger Gehaltsschnitt und deutlich bessere Ergebnisse könnten den Konzern zurück ins Mittelfeld führen.

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