Distanz marginal verringert Dax-Vorstände verdienen das 49-fache ihrer Mitarbeiter

Deutschlands Vorstände haben 2019 minimal weniger verdient als im Vorjahr. Spitzenreiter ist VW-Chef Herbert Diess - nicht nur absolut, auch im Vergleich mit einem durchschnittlichen Mitarbeiter.
Top-Verdiener im Dax laut DWS-Studie: VW-Chef Herbert Diess

Top-Verdiener im Dax laut DWS-Studie: VW-Chef Herbert Diess

Foto: Ronny Hartmann/dpa

Die Vorstandsgehälter der Dax-Unternehmen sind einer Studie zufolge 2019 das zweite Jahr in Folge gesunken. Das durchschnittliche Vorstandsgehalt ging 2019 um 0,3 Prozent auf 3,4 Millionen Euro zurück, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz  (DSW) hervorgeht. Die Dax-Vorstände verdienten 2019 im Schnitt das 49-fache ihrer Mitarbeiter, im Vorjahr war es das 52-fache. Obwohl die Gewinne der Dax-Unternehmen 2019 um 15 Prozent schrumpften, hielten sich die Einbußen für die Topmanager in Grenzen. Denn die Vorstände profitierten vom kräftigen Anstieg der Aktienkurse, an die die Boni geknüpft sind - die zudem vielfach in Aktien ausgezahlt werden. Der Dax legte 2019 um mehr als 25 Prozent zu.

DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler forderte, dass sich die Corona-Krise auch auf den Gehaltszetteln der Vorstände bemerkbar machen müsse. "Wenn Aktionäre auf die Dividende verzichten müssen und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, muss auch der Vorstand Verzicht üben." Auch wenn sich die Aktienkurse seit ihren Tiefs erholt haben, würden sich die Ergebniseinbrüche 2020 bei der Vorstandsvergütung widerspiegeln, sagte Tüngler voraus.

Spitzenreiter bei der Vergütung war im vergangenen Jahr einmal mehr Volkswagen mit 5,7 Millionen Euro je Vorstandsmitglied, gefolgt vom Softwarekonzern SAP mit 5,6 Millionen und dem Darmstädter Pharmakonzern Merck mit 5,5 Millionen. Nicht in die Studie einbezogen wurde Linde, da es sich streng genommen um eine ausländische Gesellschaft handele. Nach einer methodisch abweichenden Studie des Beraters hkp kam Linde-Chef Steve Angel (64) inklusive Erfolgsprämie und Langfrist-Boni auf 16,5 Millionen Euro - und war damit Gehaltskrösus in den europäischen Börsenindizes Stoxx Europe 50  und Euro Stoxx 50 .

Im Vergleich mit der restlichen Belegschaft steht ebenfalls Volkswagen an der Spitze. Bei den Wolfsburgern bekommt ein Vorstand das 86-fache des durchschnittlichen Personalaufwands eines Mitarbeiters. Auf Rang 2 folgen Fresenius und die Deutsche Post mit jeweils 77-mal höheren Vorstandsbezügen. Am Schluss dieser Rangliste steht die Bayer-Abspaltung Covestro, wo der Vorstand um den Vorsitzenden Markus Steilemann (50) durchschnittlich 17-mal so viel verdient wie der Durchschnitt des restlichen Unternehmens.

Vergütung muss verständlich werden

Topverdiener unter den amtierenden Dax-Chefs war der DSW-Studie zufolge VW-Chef Herbert Diess (61) mit 9,9 Millionen Euro. Dahinter folgten Merck-Chef Stefan Oschmann (62) mit 8,5 Millionen und Siemens-Chef Joe Kaeser (63) mit 7,2 Millionen. Bestverdienender Finanzchef war James von Moltke (51) von der Deutschen Bank, der 4,9 Millionen Euro erhielt. "Hier zeigt sich, dass nicht immer die Unternehmensperformance das Gehalt bestimmt", sagte Studienautor Gunther Friedl von der TU München.

Im Gegensatz zum Rückgang der Vorstandsgehälter um 0,3 Prozent stiegen die Nominallöhne in Deutschland insgesamt im Schnitt um 2,6 Prozent. "Trotzdem ist der Unterschied zwischen den Gehältern von normalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einerseits und Vorstandsmitgliedern andererseits immer noch gewaltig", so Friedl weiter.

Aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben (ARUG II) müssen die Konzerne ihre in den vergangenen Jahren immer komplexer gewordenen Vergütungssysteme anpassen. Ab 2022 müssen sie der Hauptversammlung jährlich einen "allgemein verständlichen" und "individualisierten" Bericht zur Vergütung von Vorstand und Aufsichtsrat zur Abstimmung vorlegen. Die Überarbeitung dürfe nicht ausgenutzt werden, um die Gesamtvergütung deutlich zu erhöhen, forderte Tüngler. Zugleich sei jetzt der Zeitpunkt, die Systeme radikal zu vereinfachen.

Tüngler warnte davor, die durch die Corona-Pandemie gedämpften Ergebnisse als Basis für künftige laxe Zielvorgaben zu nutzen, die für ein kräftiges Gehaltsplus sorgen würden. "Corona und seine aktuellen Auswirkungen dürfen beim Thema Vergütung nicht zu einem Katapult zukünftiger Vergütungen werden."

luk/rtr/dpa-afx