Megadeal der Immobilienkonzerne Vonovia bietet 18 Milliarden Euro für Deutsche Wohnen

Zweimal ist Vonovia bereits gescheitert, nun hat Deutsche Wohnen einem Zusammenschluss der beiden Großvermieter im Dax zugestimmt. Vonovia-Chef Rolf Buch formt einen Immobiliengiganten mit einem Portfolio von 90 Milliarden Euro.
Zentrale der Deutsche Wohnen in Berlin: Vonovia-Chef Rolf Buch will die beiden Vermieter unbedingt verschmelzen

Zentrale der Deutsche Wohnen in Berlin: Vonovia-Chef Rolf Buch will die beiden Vermieter unbedingt verschmelzen

Foto: Paul Zinken / dpa

Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia greift erneut nach dem Branchenzweiten Deutsche Wohnen. Vonovia gab in einer Mitteilung vom Montagabend die Absicht bekannt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro oder 53,03 Euro je Deutsche-Wohnen-Aktie abzugeben. Das entspreche einer Prämie von knapp 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und von 25 Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs. Anders als bei den bisherigen Versuchen konnte sich Vonovia die Unterstützung der Deutsche-Wohnen-Spitze sichern. Die im Dax notierte Aktie von Deutsche Wohnen zog am Dienstag Morgen entsprechend um 17 Prozent an.

Beide Konzerne unterzeichneten eine Grundsatzvereinbarung über den Zusammenschluss. Zuvor hatten die Nachrichtenagenturen Bloomberg  und Reuters über den erneuten Vorstoß Vonovias berichtet. Vor einem Jahr hatte manager magazin die Vorbereitungen des erneuten Deals enthüllt . Spruchreif wurden sie jedoch erst, nachdem das Bundesverfassungsgericht im April den Berliner Mietendeckel kippte.

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Wer vom Aus des Berliner Mietendeckels am meisten profitiert

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Zur Finanzierung der Übernahme will Vonovia neue Aktien für bis zu acht Milliarden Euro ausgeben. Diese sollen nach Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte ausgegeben werden. Vonovia selbst kommt an der Börse derzeit auf einen Marktwert von knapp 30 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss sollen die jährlichen Kosten um 105 Millionen Euro gedrückt werden. Das Sparziel soll bis Ende 2024 erreicht werden.

Eine halbe Million Wohnungen

Die Offerte stehe unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent aller ausstehenden Deutsche-Wohnen-Aktien, der Erteilung der fusionskontrollrechtlichen Freigabe "sowie weiterer üblicher Bedingungen". Beide Unternehmen erwarteten, dass die fusionskontrollrechtliche Freigabe vor Ende der Annahmefrist des geplanten Übernahmeangebots erfolge, hieß es. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen begrüßten das Übernahmeangebot und beabsichtigten dieses, vorbehaltlich der Prüfung der finalen Angebotsunterlage, zu unterstützen und den Aktionären die Annahme zu empfehlen.

Durch den Zusammenschluss entsteht den Angaben zufolge Europas größter Wohnimmobilienkonzern mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von voraussichtlich rund 45 Milliarden Euro. Dabei ist Vonovia trotz eines Kursrutsches von 13 Prozent seit Jahresbeginn fast doppelt so viel wert wie Deutsche Wohnen, die um 3 Prozent zulegen konnten. Die beiden größten deutschen Vermieter bringen es zusammen auf mehr als 500.000 Wohnungen. Der gemeinsame Immobilienportfoliowert wurde auf knapp 90 Milliarden Euro beziffert.

Das künftige Unternehmen soll dann den Namen Vonovia SE führen, wie mitgeteilt wurde. Der Sitz soll in Bochum bleiben, das Unternehmen aber aus Bochum und Berlin geführt werden. Außerdem haben die Parteien vereinbart, dass sie im Zusammenhang mit der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen zu früher als 1. Januar 2024 aussprechen werden.

Stadt Berlin soll 20.000 Wohnungen übernehmen

Der erste Übernahmeversuch war 2016 unter anderem am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Führungsspitze und einem zu geringem Interesse der Aktionäre gescheitert. Der Übernahmekandidat hatte die Offerte als feindlich bezeichnet und als nicht im besten Interesse seiner Investoren. Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte Vonovia einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erneut einen Kauf erwogen. Am Ende der Erwägungen habe der Konzern aber entschieden, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen.

Die beiden Unternehmen seien vorbereitet, Bedenken aus Politik und Mieterschaft zu begegnen, hieß es in Unternehmenskreisen. Vonovia-Chef Rolf Buch (56) habe bereits die Fühler in der Berliner Landespolitik ausgestreckt, hieß es bei Reuters. Insidern zufolge wollen die Konzerne dem Berliner Senat rund 20.000 Wohnungen in der Hauptstadt zum Kauf anbieten. Dieses Angebot werde dem Senat unterbreitet, sagten mehrere Insider am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Im Zuge des Zusammenschlusses bieten beide Unternehmen für die angespannte Mietsituation in der Bundeshauptstadt dem Berliner Senat einen 'Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen' an", hatten die Konzerne angekündigt. Sie wollten dem Senat anbieten, "eine signifikante Anzahl an Wohnungen" aus ihren Beständen zu kaufen.

In der Bundeshauptstadt befindet sich ein großer Teil der mehr als 150.000 Wohnungen von Deutsche Wohnen, im Großraum Berlin sind es allein 113.000. Vonovia gehören dort rund 43.000 Einheiten. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von Mitte April, den Berliner Mietendeckel aufzuheben, gilt als Signal für den Megadeal. Dadurch ließen sich Bedenken in Aufsichtsrat und Management von Vonovia hinsichtlich des Werts des Deutsche-Wohnen-Bestands zerstreuen. Zugleich konnte sich Deutsche Wohnen dadurch teurer verkaufen. Zuvor hatte die Aktie  noch um 40 Euro notiert.

mg, ak/dpa-afx, Reuters